Die neue politische Richtung hat er schon im Laptop-Blick: Anup Mundethu ist aus der SPD ausgetreten und will die MTK-Gruppe der noch jungen Partei Volt mitgründen.
+
Die neue politische Richtung hat er schon im Laptop-Blick: Anup Mundethu ist aus der SPD ausgetreten und will die MTK-Gruppe der noch jungen Partei Volt mitgründen.

Politik:

Münster: Ex-SPD-Mann will Volt-Partei im MTK etablieren

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
    schließen

Ihm fehlten die Werte: Anup Mundethu möchte mit aufstrebender Europa-Initiative im Kreis durchstarten.

Münster. "Ich bin ein politischer Mensch. Dieses Denken schafft man nicht von heute auf morgen ab. Und man kann nur etwas verändern, wenn man politisch bleibt." Anup Mundethu sitzt im Garten des Hauses in Münster, in das seine Familie umgezogen ist. Noch ist Baustelle drumherum, die Arbeiter bauen gerade ein Gerüst auf. Das passt, denn der 41-Jährige berichtet dieser Zeitung in einem offenen und ausführlichen Gespräch über seine "Baustellen" einer politischen, ehrenamtlichen Karriere. Sie gipfeln aktuell darin, dass Mundethu mit einigen Mitstreitern einen MTK-Kreisverband der Europa-Partei Volt gründen will.

"Etwas ändern, wenn man politisch ist"

Geboren ist der Vater eines elf Jahre alten Sohnes in Hofheim. Die Eltern stammen aus Indien, sind seit 1973 hier im Land. Ihr Sohn ist Deutscher, hat zunächst nach dem Abitur BWL studiert. Dann kam das Angebot für ein duales Studium zum Diplom-Verwaltungswirt bei der Stadt Frankfurt. Nun ist er Oberamtsrat und leitet im Amt für Informations- und Kommunikationstechnik den Bereich Finanzen. Gewohnt hat er mit der Familie in Frankfurt, kurze Zeit in Indien, wieder Frankfurt, Eppstein und nun Münster.

Fast überall wollte sich Mundethu politisch einbringen. Die SPD habe den Eltern damals bei Größen wie Willy Brandt und Helmut Schmidt nahe gelegen, er sei damit aufgewachsen, erzählt der sympathische Kelkheimer. Mit 20 entschied er für sich: Er tritt bei den Sozialdemokraten ein. In den Frankfurter Stadtteilen Dornbusch und Unterliederbach arbeitete er in den Vorständen mit.

In Eppstein wurde er Ortsvereinsvorsitzender und rückte bis zum letzten Umzug für drei Jahre ins Stadtparlament nach. Auch in Kelkheim trat er im Februar als Beisitzer dem Vorstand bei, auf der Liste zur Kommunalwahl erhielt er Platz 7, was nach zwei Rückzügen knapp nicht für ein Mandat gereicht hätte.

Doch Mundethu will das bei der SPD auch nicht mehr, nach gut 20 Jahren ist er aus der Partei ausgetreten. Die Gründe seien vielschichtig, auf Details wolle er nicht eingehen. Ihm fehlt aktuell bei den Sozialdemokraten aber das große Ganze. "Ich weiß gar nicht mehr, wofür die SPD steht", redet er für sich Klartext. Ein Beispiel: Das neue Führungsduo sei gegen eine Große Koalition, Kanzlerkandidat Olaf Scholz aber ein Freund davon. Mundethu hat bei der Abstimmung der Basis wiederum dagegen votiert.

Die neue Koalition in Kelkheim mit CDU, SPD und FDP verstärkt für ihn den Eindruck, vieles in der einst großen Volkspartei sei "verwässert". Auch sei es in der Partei schwer, ohne das Wissen von früher Fuß zu fassen. Die Strukturen seien "veraltet", so könne eine Partei wie die SPD junge Leute schwer begeistern.

Klare Worte eines kritischen Bürgers, der sich nach seinem Austritt die anderen Parteien genau angeschaut hat. Denn politisch will Mundethu aktiv bleiben. Die CDU fiel für ihn schon wegen Roland Kochs damaliger Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft und Jürgen Rüttgers Spruch "Kinder statt Inder" raus. Die FDP ist ihm zu weit weg. Denn er selbst würde sich "sozialliberal" nennen. Deshalb kommen auch die aufstrebenden Grünen für ihn nicht in Frage.

In Frankfurt für Aufsehen gesorgt

Wie gut, dass in Frankfurt gerade eine kleine Partei für Aufsehen sorgt. Die paneuropäische Bewegung Volt holte bei ihrem ersten Anlauf bei der Kommunalwahl 3,7 Prozent sowie vier Sitze und ist nun sogar Teil der neuen Koalition mit Grünen, SPD und FDP. Auch wenn sich Volt hier unterordnen müsse, "sehe ich das positiv", sagt Mundethu. So könnten wichtige Dinge wie die Digitalisierung vorangetrieben werden.

Der Münsterer zeigt auf dem Laptop seinen Workplace bei der Arbeit mit und für Volt. Er ist dort nun Mitglied, wurde über ein "Meet and Greet" und "On-Boarding" in seine Rolle eingeführt. Hier werde digital vernetzt sehr viel kommuniziert, die Partei sei "schon zeitgemäß aufgebaut". Da für Mundethu auch die Inhalte (Text rechts) und die Richtung stimmen ("Ich bin Europäer, wir sind Europäer"), möchte er nun für Volt Pionierarbeit leisten.

Bei Bundestagswahl im MTK einsteigen

Aktuell gehören er und einige Mitstreiter etwa aus Eppstein, Hattersheim, Bad Soden und Sulzbach noch dem Team Frankfurt an. Doch ihr Ziel ist es, Volt auch im Main-Taunus-Kreis zu etablieren. Zunächst wollen sie eine Gruppe aufbauen, die im Bundestagswahlkampf aktiv ist. So müssen Unterschriften gesammelt werden. Bei der Landtagswahl schwebt Mundethu dann schon "eine gute, starke Rolle" von Volt vor und bei einer nächsten Europawahl seien 25 Mandate für eine eigene Fraktion das Ziel.

In weiter Ferne hat er auch den Einzug der Europa-Bewegung in die kommunalen Parlamente und den Kreistag im Auge. An dieser "Aufbauarbeit" will er sich aktiv beteiligen. Beim ersten Treffen seien es vier, beim zweiten schon neun Aktive gewesen, sieht der Kelkheimer das Potenzial.

Er selbst passt als Macher da gut rein. "Ich nenne es ein Projekt", sagt Mundethu, der auch Mitglied der Fußballer von Eintracht Frankfurt ist. Und er ist in der indisch-katholischen Gemeinde im Bistum aktiv, gehört dem Rat der muttersprachlichen Gemeinden an. In der Heimat seiner Eltern ist die Not aktuell durch Corona groß. Er sammelt privat Spenden, um zu unterstützen.

Sie haben mit Slogans wie "Sozialer Wohnungsbau wie in Wien", "Mitmachpolitik wie in Reykjavik" oder "Fahrradfahren wie in Kopenhagen" für sich geworben. Das hat Volt in Frankfurt den Sprung ins Parlament und sogar in die Koalition ermöglicht. Die Frage, zu schauen "Was hat in anderen Städten gut funktioniert?" findet auch Anup Mundethu als "Best Practice-Ansatz" sehr gut. "Weg von fest verankerten Parteiprogrammen, hin zu pragmatischen Lösungen" - das hält der Kelkheimer für zukunftsorientiert. "Was mich bei Volt auf Anhieb überzeugt hat, ist der andere Ansatz, an Politik heranzugehen."

Die paneuropäische Partei Volt wurde erst 2017 gegründet, ist in 17 Ländern als solche registriert.

Sie hat diese Ankerpunkte:

Intelligenter Staat (den Staat transparenter und nachhaltiger gestalten),

Wirtschaftliche Erneuerung (strukturschwachen Staaten besser helfen; Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen und wie sieht Wohlstand und Wachstum aus),

Soziale Gleichberechtigung (gleiche Rechte für alle),

Globaler Ausgleich (welche Verantwortung muss ein Staat oder die EU übernehmen; Klimaschutz, Außenhandel, Migration, Asyl, Entwicklungszusammenarbeit),

Politisch aktive Bürgerschaft (Stärkung der Partizipation, aber auch mehr Transparenz und aktive Bürgerbeteiligung),

eine EU-Reform.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare