Spritzige Aufgabe: Thorsten Suthues, Meister für Bäderbetriebe, reinigt Bodenfliesen im Bad.
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Spritzige Aufgabe: Thorsten Suthues, Meister für Bäderbetriebe, reinigt Bodenfliesen im Bad.

Freibad:

Münster: Gibt's grünes Licht, wird auf 24 Grad hochgeheizt

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Genauer Saisonstart noch offen - Stadt ist vorbereitet und stellt erstmals Auszubildenden ein.

Münster. Nanu, ein CDU-Mitglied reinigt das Babybecken im Freibad? Thorsten Suthues trägt zwar auch das Orange, mit dem die Union um Wählerstimmen geworben hat, doch er hat mit Politik nichts zu tun. Seit 27 Jahren ist er als Meister für Bäderbetriebe für das Freibad zuständig. An diesem Morgen rückt er mit dem Hochdruckreiniger den Fliesen rund um Kleinkind-Bad zu Leibe.

Das Thermometer zeigt unter 10 Grad - auch deshalb ist der Overall wichtig für Suthues. Mit Blick auf dieses Wetter atmet Bürgermeister Albrecht Kündiger, der seinem Freibad-Chef einen Besuch abstattet, fast auf. Jetzt das Freibad zu öffnen - es hätte kaum einem Schwimmer Spaß gemacht. Normalerweise ist der 1. Mai das Start-Datum. Doch Corona hat auch die Schwimmer-Welt auf den Kopf gestellt. 2020 konnte das Bad immerhin vom 21. Juni bis 14. September aufmachen. Laut Gabriele Schmittel-Sattler, der kaufmännischen Betriebsleiterin der Stadtwerke, kamen fast 44 000 Besucher. In den schlechteren, aber kompletten Badesaisons waren es rund 60 000, ergänzt Suthues. So sah die Stadt eine im Corona-Jahr noch zufriedenstellende Bilanz - aber weit weg entfernt vom starken Jahr 2018 mit 94 000 Gästen.

Und 2021? Da steht noch vieles in den Sternen. Es heißt Abwarten. "Die Ministerpräsidenten-Konferenz ist noch wichtiger als der Wettergott", sagt Kündiger. Der Eindämmung der Pandemie müsse alles untergeordnet werden. Selbst wenn die Inzidenz unter 100 sinkt und die Freigabe kommt, wird es eine gute Woche bis zur Eröffnung dauern. Aktuell hat das Wasser 13 Grad, bis auf 24 will es die Stadt heizen. Im Vorjahr habe das die Kraft der Sonne ohne Technik erledigt, erinnert sich Suthues. Aktuell ergebe das Erwärmen keinen Sinn, am Tag würde die Stadt 1,5 Grad gewinnen, 1 Grad davon nachts wieder verlieren. Das Wasser stammt aus einer Brunnen-Schürfung in der Nähe. Das Becken fasst 2 Millionen Liter, es dauert knapp drei Wochen, um es zu füllen. Weitere vier Wochen braucht Suthues mit Kollegin Gisela Schweers zuvor, um die Riesenwanne mit Edelstahlreiniger zu säubern. Noch vorher putzt das Duo die Wege drumherum mit dem Wasser, das den Winter über halbvoll im Becken verblieben ist. Leider frage sich mancher Bürger und Politiker immer noch, was im Freibad in den Monaten vor Eröffnung passiere, bedauert Kündiger.

Es gibt also viel zu tun - auch für die Verwaltung. Das Hygienekonzept mit Abstands- und Maskenpflicht steht. Im Vorjahr waren die Besucher bei der Umsetzung "sehr diszipliniert", lobt Schmittel-Sattler. Auch Suthues sieht kein Konfliktpotenzial, weshalb viele Gäste aus Frankfurt kommen. Dort gebe es auch mal Zoff in den Freibädern, weiß er.

Für den Bürgermeister sind der Skyline-Blick und die große Liegewiese Argumente, weshalb es hier "um viel mehr als nur das Schwimmen" gehe. Nur das Parkplatz-Problem hat die Stadt noch. Dabei gebe es jenseits der Eichendorffschule viele Stellflächen, nur würden die zu wenig genutzt, sagt Kündiger. Dann wird es eng, wenn wie am Rekordtag bis zu 7000 Menschen ins Bad strömen.

1850 Karten in drei Zeitfenstern

Doch davon ist die Stadt im zweiten Corona-Jahr weit entfernt. Es gibt wieder drei Zeitfenster. Von 7 bis 9 Uhr werden über das Online-Reservierungssystem der Stadt 250 Karten verkauft, von 9 bis 14 und 15 bis 20 Uhr dann jeweils 800 Tickets. Mittags ist eine Stunde Reinigungspause. Die Frühschwimmer-Zeit gilt von Montag bis Freitag, die beiden anderen Blöcke die ganze Woche.

Große Projekte hat es nicht gegeben, es wurden aber sechs neue Bäume auf der Liegewiese gepflanzt. 2020 hat die Stadt das große Sonnensegel fürs Babybecken angeschafft, das sich bewährt hat. In dem Bereich ist laut Kündiger mittelfristig noch eine Toilettenanlage geplant, damit so mancher Gast sein Geschäft eben nicht in den Büschen verrichtet. Das Projekt müsse "ins Gesamtensemble passen", sagt der Bürgermeister. "Ich will hier kein Dixie-Klo hinstellen." Hier habe die Betriebskommission noch keine gemeinsame Lösung gefunden.

Klar ist hingegen: Am 1. September fängt ein Auszubildender zum Fachangestellten für Bäderbetriebe an. Eigener Nachwuchs sei wichtig, zudem kooperiere die Stadt hier mit dem Hallenbad in Oberursel, so Kündiger. Im Vorjahr waren bis zu zehn Mitarbeiter im Bad beschäftigt, zur Umsetzung der Corona-Vorgaben wurde das Personal von den sonst üblichen sechs Kräften etwas aufgestockt. Wenn geschlossen ist, haben Suthues und Schweers erst einmal Urlaub und feiern auch mehr als 400 Überstunden ab.

Taucher im Finale zur Endreinigung

Doch daran denkt der Chef im Moment nicht. "Wir bereiten alles vor, glauben an das Gute", sagt Suthues. Wenn das Bad im Juni öffnet, "können alle froh sein", glaubt Kündiger. Rückt der Tauchverein Kelkheim an, dann wissen alle: Die Eröffnung steht kurz bevor. Denn die Froschmänner nehmen einen Tag vorher die finale Unterwasser-Endreinigung vor.

Das Bad in Zahlen und Daten:

Größe der Liegewiese: rund 30 000 Quadratmeter.

Wasserfläche: Schwimmer 642, Nichtschwimmer 545, Plantschbecken 171 Quadratmeter.

Eintrittspreise: Erwachsene 5 , Kinder/Jugendliche (von 6 bis 17 Jahren) 1 , Familien (ein Erwachsener, Kinder) 6,50 und mit zwei Erwachsenen 11,50 Euro. Die vergünstigen Abendtarife (zum Beispiel Erwachsene 3 Euro) gelten jeweils von 7 bis 9, 12 bis 14 und 18 bis 20 Uhr. Es gibt vergünstigte 20er- und 30er-Karten für Vielschwimmer für 80 und 105 Euro.

Reservierung und Registrierung über die Homepage der Stadt www.kelkheim.de .

Corona-Konzept: Mund-Nasen-Schutz und Desinfektion im Eingangsbereich, Abstand auf der Wiese, Sperrung der Sprungblöcke am Becken, Absperrung der Bahnen und Markierung von Schwimmrichtungen. Der Kiosk soll dann wieder öffnen.

Spielplatz und Tischtennisplatten öffnen, das Beachhandball-Feld bleibt vorerst zu.

Das Zeichen zeigt zwar an, dass nicht gesprungen werden darf. Aber fürs Schwimmen ist das Kelkheimer Freibad vorbereitet.

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