Am Pfosten rechts ist es deutlich zu sehen: Das Wasser hat rostige Spuren hinterlassen.
+
Am Pfosten rechts ist es deutlich zu sehen: Das Wasser hat rostige Spuren hinterlassen.

Sanierung:

Münster: "Land unter" unter der Eichendorff-Halle

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
    schließen

Wasser im Boden und an Geräten, Sportarena sechs Monate gesperrt?

Münster. Dort, wo sonst bis zu 500 Zuschauer die Handballer der TSG Münster in der A-Jugend-Bundesliga oder Männer-Oberliga anfeuern, ist es ruhig. Natürlich spielt Corona eine Rolle, Spiele gibt es aktuell nicht, Fans dürfen schon gar nicht in die Sporthalle der Eichendorffschule. Doch seit Ende vergangener Woche ist es komplett still in der Arena. Nicht einmal Schüler der benachbarten Gesamtschule oder die A-Jugend-Bundesliga-Handballer dürfen rein. Die Halle ist gesperrt.

Wer einen Blick ins Gebäude werfen kann, der sieht zunächst nicht viel. Einige Deckel aus dem Boden sind geöffnet. Allerdings sind auch Geräte wie Pfosten für Turnen und Volleyball herausgefahren. Und dort ist das Problem schon zu erahnen: Am Metall hat sich teils flächendeckend Rost gebildet. Beim Blick in die Löcher fällt dem Betrachter zudem ins Auge, dass dort das Wasser steht. Zusammen mit Rost-Rückständen ist das keine schöne Mischung.

Was ist los in der Halle, die für die Schule und die TSG Münster so wichtig ist? Johannes Latsch, Sprecher des zuständigen Main-Taunus-Kreises, klärt auf: "Die unter dem Hallenschwingboden liegende Mineralwolle-Dämmung ist feucht, zum Teil nass, auf der Bodenplatte und in den Versenkbodenhülsen steht zum Teil Wasser." Der aus Holzwerkstoff bestehende Schwingboden habe sich wegen der Feuchtigkeit in Teilbereichen aufgewölbt. Latsch: "Wir müssen mit Schimmel rechnen."

Als Ursache nennt der Sprecher den Starkregen im August 2020. Neben der Halle liegt ein verrohrter Bach, der oberhalb auf der Bolzplatzwiese in einem Sammler offen ist. "Vermutlich ist das Wasser dort übergetreten, hat sich über die Bolzplatzwiese ausgebreitet und ist am Hang herunter und gegen die Halle gelaufen. Dort staute es sich an und drang offenbar unbemerkt in den Hohlraum unterhalb des Schwingbodens ein und verteilte sich über die Hallenfläche", sagt Latsch.

Das wird nun eine größere Sache. Der Aufbau und die Oberfläche des Schwingbodens müssen entsorgt und erneuert werden. "Saniert werden muss auch der Übergangsbereich von den Fundamenten zu den Wänden auf der Rückseite des Gebäudes. Mit Erdaushub wird ein Damm aufgeschüttet, der dann bei künftigem Starkregen als Barriere dient." Und nun die weitere Hiobsbotschaft: Der Kreis schätzt die Dauer der Arbeiten auf sechs Monate, so Latsch. Die Kosten werden mit 335 000 Euro angegeben.

Die Eichendorff-Halle entstand in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre. Das Dach wurde 2014 saniert, Brandschutz, Elektro und Beleuchtung 2017 saniert und modernisiert. "Der Hallenboden und auch die Sanitärbereiche wurden im Lauf der Jahre stark abgenutzt", sagt Latsch. "Wir hatten ohnehin damit gerechnet, dass wir mittelfristig den Hallenboden erneuern müssen."

Stefan Haid, Leiter der Eichendorffschule, ist natürlich nicht erfreut über das Problem. Die Schule habe die Halle zuletzt maximal mit einer Gruppe von 15 Schülern nutzen können. Nun müsse sie auf die benachbarte Waldsporthalle und den Sportplatz ausweichen. Zum Glück werde das Wetter ja besser, blickt Haid voraus.

Auf dem Sportplatz kann auch die TSG Münster wieder Training anbieten (Text rechts). Doch für die Hallensportler der Handballer wäre das lange Aus der Sportstätte ein Riesenproblem. Natürlich bremst Corona den Verein, der nach einer Wölbung im Boden das Problem erstmals reklamiert hatte, fast komplett aus. Vorsitzender Peter Schreiber mag sich das Szenario gar nicht ausmalen: Der Verein dürfe im Mai wieder Handball spielen - und dann sei die Halle gesperrt. Er habe sich vom Kreis sagen lassen, dass Schimmel im Boden sehr wahrscheinlich sei und die Sportstätte dann dicht bleiben müsse.

Auch Schreiber nennt die Waldsporthalle als Ausweichstätte. Doch das reicht bei vielen Teams nicht aus. So hat die TSG die Fühler zur Kreissporthalle in Kriftel ausgestreckt. Ein weiteres Problem: In der A-Jugend-Bundesliga wird mit Harz gespielt, diese Freigabe gibt es aber nur für die Eichendorff-Halle. Das Saisonende ist dort offen, und die Qualifikation der Ersten Männermannschaft für die 3. Liga wird ohne Harz gespielt. Schreiber sieht in der Halle noch andere Ecken, wie die Duschen, die erneuert werden sollten und denkt mittel- bis langfristig an eine neue Halle. Das wolle er im Zuge der neuen Baustelle zumindest einmal ansprechen. Und sagt: "Das Wohnzimmer Eichendorff-Halle fehlt halt."

Das Wasser steht schon in den Löchern im Hallenboden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare