Lade-Station in der Garage: Espi und Karan Multani haben den Pizzeria-Fuhrpark komplett auf E-Autos umgestellt.
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Lade-Station in der Garage: Espi und Karan Multani haben den Pizzeria-Fuhrpark komplett auf E-Autos umgestellt.

Energiewende:

Münster: Rote E-Flitzer als sichtbarer Beitrag zum Klimaschutz

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Pizzeria "Da Antonio" stellt Fuhrpark um.

Münster. Wie sieht die Energiewende, wie der Klimaschutz aus? Wo ist er direkt zu greifen? Welche Beispiele zum Einstieg in diese Welt gibt es? Fragen, die sich viele Menschen stellen, wenn die Politiker mal wieder eher abstrakt über das Thema reden und erst blumige Wünsche und Forderungen aufstellen. In Münster gibt es ein betriebliches Beispiel, wie Umweltschutz jetzt in einem großen Schritt gelebt wird.

400 Kilometer am Tag nun mit E-Mobilität

Die Pizzeria "Da Antonio" möchte zeigen, wie ein Umstieg gelingen kann. In diesen Tagen haben die Brüder Espi und Karan Multani ihren Fuhrpark für die Auslieferungen komplett auf Elektromobilität umgestellt. Die drei roten Flitzer des italienischen Restaurants sind in der Stadt längst bekannt, der Lieferservice schon seit Jahrzehnten ein wichtiges Standbein. Nun tragen die neuen Autos das "E" als Zusatz am Nummernschild und stehen damit für die Energiewende. Drei rote VW Up sind es, die von der Firma jetzt für drei Jahre geleast wurden. In der Garage können sie an den eigenen Wallboxen nachts geladen werden, wenn die Mitarbeiter ihre vielen Liefertouren beendet haben. Da kommen schon gut 400 Kilometer an einem Tag zusammen, am Wochenende mehr, weiß Karan Multani, wie sehr die Wagen bisher mit ihrem Kurzstrecken-Gestank die Umwelt belasteten. Nun kommen die Gefährte zudem ganz leise daher, was auch die Restaurant-Gäste im Außenbereich bei den ständigen Ausfahrten freuen dürfte.

Vor drei Jahren seien sie von der E-Mobilität nicht so überzeugt gewesen, räumt Espi Multani ein, der wie sein Bruder das Studium des Wirtschaftsingenieurs abgeschlossen hat. Doch die Technologie habe sich gut entwickelt, das Angebot für ein Unternehmen mit knapp 30 Mitarbeitern sei machbar gewesen. Auch Energieversorger Syna gab grünes Licht. Denn noch immer kann es ein Problem werden, wenn zu viele Ladestationen viel Strom in einem Quartier ziehen, das technisch dafür noch nicht ausgerüstet ist. Das Thema haben Stadt und Politik immer wieder als Herausforderung angesprochen.

Für die Familie Multani lief alles glatt. Sie vertrauen auf Elektroautos und wollen ihre privaten Fahrzeuge nach und nach umstellen. Hier sehen sie einen Haken: Für lange Strecken reiche der Akku noch nicht. Zudem sei die Planung einer Reise schwerer - vor allem, weil es nicht genug Ladesäulen gebe, sehen die Brüder hier Nachholbedarf. Mit ihrem Beispiel aber wollen sie schon vorangehen. "Vielleicht ist bei anderen auch der Ansporn da, jetzt umzusteigen", hofft Karan Multani. "Wir wollen die Leute davon überzeugen." In der Stadt sei das Thema zum Teil angekommen, die Verwaltung habe ja schon E-Autos im Car-Sharing, loben die Unternehmer. Sie kennen aber keinen Gastronomie-Kollegen, der bisher aktiv geworden ist.

Mehr geht immer - auch bei "Da Antonio". Die Multanis sprechen das schwierige Thema Verpackungen an. Sie haben Hunderte davon an einem Tag. Bio-Plastik nutzen sie, Packungen aus Zuckerrohr aber würden sie rund 90 Cent kosten. "Dann kann ich keine Spaghetti mehr für 6 Euro machen", sagt Karan Multani. In dem Segment wünschen sie sich innovative Entwicklungen, während E-Mobilität "viel, viel größere Schritte mache", finden sie.

Ihr Vater fing vor fast 50 Jahren hier an

Der 29 Jahre alte Espi und sein drei Jahre jüngerer Bruder sind in Deutschland geboren. Ihr Vater Sujan Singh kam vor 47 Jahren aus Indien nach Deutschland, hat 1992 die kleine Pizzeria "Da Antonio" im Eckhaus übernommen. Der Lieferservice hielt das Geschäft damals hoch. Später wurde ein verfallener Hof nebenan abgerissen, es entstand 2018 ein Neubau mit Wohnungen und Lokal. Dass die Brüder trotz ihres Studiums hier einstiegen, wurde ihnen fast in die Wiege gelegt. Sie hätten schon als Kinder nach der Schule geholfen. Da sie mit dem Neubau eine sehr gute Perspektive sahen, wagten sie den Schritt in die Gastronomie. Und nun ist der nächste ökologische Fußabdruck gesetzt: mit dem eigenen sichtbaren, in Rot rollenden Beitrag zum Klimaschutz.

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