Ärztin Isabelle Clessienne nimmt den Abstrich beim Hornauer Raphael Borst.
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Ärztin Isabelle Clessienne nimmt den Abstrich beim Hornauer Raphael Borst.

Hochwasser

Münster: Verdienter Service für die Vorzeige-Helfer

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Corona-Test für 400 Feuerwehrleute, DRK, Malteser und THW. Einsatzkräfte loben auch die Bürger.

Münster. Die Schlange reicht durch das Treppenhaus bis vor das Feuerwehrgebäude. Zig Helfer aus der Region warten hier auf einen wichtigen Moment, die meisten in zivil, einige haben Dienstkleidung von Feuerwehr, DRK, Maltesern oder THW an. Sie alle gehen zum Corona-Test im Feuerwehrhaus Münster. Und sie haben noch eins gemeinsam: Sie haben von Freitag zum Teil bis Sonntag beim Hochwasser in Teilen des Main-Taunus-Kreises tatkräftig geholfen, Keller und Tiefgaragen ausgepumpt, Gebäude gesichert, Helfer versorgt und am Ende das Material sauber gemacht.

Da allein in Kelkheim und Liederbach mehr als 500 Einsätze zu meistern waren, mussten die Kameraden unter Hochdruck arbeiten. Da konnte nicht immer die Schutzmaske getragen werden, da schwitzten sie aber oft Seite an Seite. So kam den Kelkheimer Wehrleuten der Gedanke, doch einen Corona-Test zu machen. Bürgermeister Albrecht Kündiger nahm das gerne auf und leitete über den Main-Taunus-Kreis drei Testtage für 417 angemeldete Helfer ein, bei der sich die Münsterer Wehr wiederum sehr engagiert. Landrat Michael Cyriax und Kreisbeigeordnete Madlen Overdick heben das große Engagement der Kräfte im Unwettereinsatz hervor. Das zeige ein weiteres Mal, wie sich Bürger auf ihre Feuerwehren und Hilfsorganisation verlassen können. Die Tests seien ein Beitrag dazu, dass der Einsatz, bei dem naturgemäß Abstandsgebote nicht eingehalten werden können, keine schlimmen Folgen hat.

"Das kennst du nur noch vom Opa"

Auch Raphael Borst ist gekommen. Er ist Feuerwehrmann in Hornau, wo die Flut schlimm gewütet hat. So etwas habe er noch nie erlebt: "Das kennst du nur aus den Erzählungen vom Opa." Die "Wassermassen" seien mächtig gewesen. Beeindruckt hat ihn auch, "wie sich die Bürger selbst geholfen haben", sagt Borst, nachdem er bei Ärztin Isabelle Clessienne und Helfer Marco Gottfried von der Feuerwehr Münster eine Speichelprobe abgegeben hat. Die Medizinerin aus Kriftel meistert die drei Test-Tage mit ihren Kollegen Stefan Weier, Thilo Munk und Armin Beck, wofür es als Dank eine flüssige Stärkung der Stadt gibt. Clessienne hält die Aktion für sehr sinnvoll und gut organisiert. Sie könne sich eine gewisse Infektionsgefahr schon "gut vorstellen, in engen Kellern, mit aufgeregten Menschen".

Einer davon war Feuerwehrmann Holger Hesse aus Kelkheim-Mitte. Das sei ziemlich anstrengend gewesen, habe er so noch nicht erlebt, räumt er ein. Er habe Menschen gesehen, deren Wohnung überflutet war und die nur noch ihre Kleidung am Leib hatten. Seinen eigenen Keller mussten seine Brüder freibekommen, denn Feuerwehr gehe vor, betont Hesse, der die Test-Aktion sehr gut findet. So wie auch Raphael Borst. "Es ist ein Einfaches für jeden, daran teilzunehmen." Letztlich, um die Einsatzbereitschaft zu sichern. Borst war Freitagnacht bis 4 Uhr am Parkhaus in der Stadtmitte im Pump-Einsatz. Nach seinem Corona-Test geht's erneut ins Gerätehaus, nach der "Materialschlacht" wieder die Fahrzeuge bestücken.

In Liederbach ist Marisa Karp direkt nach ihrer bestandenen Prüfung zur Notfallsanitäterin zum Einsatz fürs Rote Kreuz gefahren. Sie habe die Wehrleute verpflegt, mit für deren Sicherheit gesorgt und so ein Hochwasser noch nie erlebt. Ihr DRK-Chef Reinhold Hofmann kommt in Gummistiefeln zum Test, steht doch der Keller der Seniorenbegenungsstätte unter Wasser. Sie bleibe erstmal zu, sagt er.

Den Einsatz wussten auch fast alle Bürger zu schätzen. Klaus-Peter Hahn hat in der Leitzentrale in Münster geholfen. Morgens um 7 Uhr habe eine Frau angerufen und ganz freundlich gefragt, wann die Wehr komme. "Auch wenn sie sich selbst geholfen haben, haben sie Danke gesagt", ergänzt sein Münsterer Kamerad Patrick Schütz. "Alle hatten Verständnis. Es gab keinen, der unfreundlich war. Schön, dass die Menschen im Ausnahmezustand einen klaren Kopf haben." Die gute Nachbarschaftshilfe heben alle hervor. Schütz und Hahn wissen von Familien, die nach ihrem persönlichen Hochwassereinsatz dann noch draußen bei einem Bier zusammensaßen.

Einsatzkräfte fühlen sich wertgeschätzt

Das kann Oliver Pitsch nur bestätigen. Bei seinem ersten Einsatz habe er zunächst einen Apfel und ein Glas Wasser bekommen, sagt Liederbachs Gemeindebrandinspektor. Er freut sich über die hohe Wertschätzung auch in den Sozialen Medien, wo es hin und wieder schon mal Kritik an lauten Blaulicht-Einsätzen gebe. "Es gab spät in der Nacht noch einen lächelnden Blick und ein aufmunterndes Wort, obwohl sie schwer getroffen waren", sagt Pitsch.

Ebenso lobt Pitsch die Corona-Testaktion: Das sei "absolut toll und fürsorglich". Denn selbst die komplexen Hygienepläne "treten bei größeren Einsatzlagen an die Grenzen". Ein Test bringe auch den Familien der Kräfte eine "immense Sicherheit", so Pitsch. In den Sozialen Netzwerken überschlägt sich das Lob der Bürger für die Helfer: "Ihr seid die Besten", "Wahre Helden", "Das verdient unser aller Respekt und Anerkennung", "Danke an alle Unermüdlichen". Die Kelkheimer Feuerwehr gibt dieses Lob emotional zurück: "Wir sind begeistert, wie positiv ihr unsere Arbeit wahr nehmt und schätzt. Es ist toll, wie unsere Kräfte an den Einsatzstellen behandelt wurden. Ein Kaffee, etwas Schokolade oder Gummibärchen waren keine Seltenheit. Diese vielen netten Worte und Gesten stärken uns und zeigen mal wieder was für ein schönes, abwechslungsreiches und manchmal auch anstrengendes Hobby wir haben und warum wir dieses so gerne ausüben. Auch die Nachbarschaftshilfe der Betroffenen hat super geklappt. Dies zeigt, dass in schweren Zeiten alle zusammen halten. Darauf können alle stolz sein." Frank Weiner

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