Das mögliche Baugebiet "Vor dem Schlämmer".
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Das mögliche Baugebiet "Vor dem Schlämmer".

Stadtplanung:

Münster: "Vor dem Schlämmer": Extrarunde für Baugebiet

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Verfahren gestoppt, Koalition denkt an "Abspecken".

Münster -Das Neubaugebiet "Vor dem Schlämmer" steht nicht in Frage. Auch die neue Koalition aus CDU, SPD und FDP will dort weiterhin Einfamilienhaus-Bebauung sowie bezahlbaren Wohnraum in Mehrfamilienhäusern schaffen. Doch sie möchte mit dem seit vier Jahren laufenden Projekt noch mal eine Extrarunde drehen, um die Anwohner und Eigentümer stärker einzubeziehen. Deshalb stimmte das Bündnis im Bauausschuss zwar zu, das bisherige Verfahren nach den gescheiterten Gesprächen mit einigen Eigentümern zu stoppen. Aber sie lehnte es auch ab, gleich in ein offizielles Bebauungsplanverfahren mit einer amtlichen Flächenumlegung einzutreten.

Stoppen? "Gepudert mit Klammerbeutel"

"Wir wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, es zu stoppen", betonte Thomas Horn für die CDU. Aber die Koalition wolle das Baugebiet "nicht konfrontativ", sondern im Kompromiss mit Betroffenen in Münster umsetzen. Die im aktuellen, vom Parlament beschlossenen acht Mehrfamilienhäuser mit drei Etagen plus Staffelgeschoss seien doch "ein Knackpunkt" und "sehr konfliktbehaftet", weshalb die Koalition nun Änderungen anstrebt, so Horn, der zu einer angedachten "Feinjustierung" sagte: "Wir werden auch abgespeckt genug bezahlbaren Wohnraum schaffen."

Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) gefiel das gar nicht. Der Magistrat hatte beschlossen, ins offizielle Bebauungsplan-Verfahren einzutreten. Er lobte die Arbeit in vielen Gesprächen für das "richtige Puzzlespiel". Es lagen 18 unterschriebene Vorverträgen mit Eigentümern vor, 8 weitere Ordnungsnummern haben nicht zugestimmt. Dabei handele es sich faktisch um fünf Familien, sieht Kündiger den "überwiegenden Teil", der mitmachen würde. Die Höhe der Häuser sei klar festgelegt und werde nicht über die Bebauung an der Königsteiner Straße hinausgehen, trat er auch Sorgen der Anwohner entgegen.

"Ich merke, dass Sie Notausgänge suchen"

Und er machte deutlich, dass hier bezahlbarer Wohnraum weiter mit einem Anteil von 30 Prozent entstehen soll. Es seien drei Gebäude dafür vorgesehen, ihre Lage direkt in Richtung Straße sei bereits definiert. "Ich habe bisher das Gefühl gehabt, dass alle Fraktionen dahinter stehen. Aber ich merke schon, dass Sie verschiedene Notausgänge suchen, um da rauszukommen. Es wird nie jemand Beifall klatschen, wenn gebaut wird." Doch in diesem Fall, wenn es wegen der Kritik von Eigentümern und Anwohnern "unangenehm wird, dann werden die Knie der Koalition weich", wurde er deutlich. Wolfgang Coy, UKW-Kollege von Kündiger, betonte noch, die Bedenken der Anwohner würden im Bebauungsplan ja mit zwei Offenlagen dann ausreichend berücksichtigt.

Die Mehrheit hingegen sieht aktuell noch einige Fragen unbeantwortet und will die Meinungen der Betroffenen sowie der Bürgervereinigung Alt-Münster stärker aufnehmen. Jürgen Schnabel (CDU) weiß von "vielen Bedenken" und will zum Beispiel über die Geschossigkeit der Mehrfamilienhäuser noch einmal reden. Auch FDP und SPD wünschen sich Angaben zur Anzahl und Größe der Wohnungen in den Mehrfamiliengebäuden. Es ist in dem 3,3 Hektar großen Gebiet Platz für rund 300 Neubürger laut Konzept vorgesehen. Der Bürgermeister bot der Koalition noch an, sie könne einen Fragenkatalog einreichen, der dann beantwortet werde, um das Verfahren auf dem Weg zu lassen. Doch die Mehrheit wollte das Baugebiet in die Warteschleife schicken.

Die Verwaltung um Bauamtsleiter Patrick Büttner betonte, es gehe ja erst einmal darum, das weitere Bebauungsplanverfahren in Gang zu setzen. Details wie Größen, Aufteilung könnten später geklärt werden. Außerdem könne die Kommune auf Vorarbeiten des bisherigen Verfahrens zurückgreifen - somit seien einige der bisher ausgegeben 137 000 Euro auch nicht umsonst gewesen, so Büttner. Der Bürgermeister erinnerte, das Neubauvorhaben sei eine Idee der damaligen Stadtplanerin Nicole Rauber-Jung im Rathaus gewesen. Ziel sei es, die Umlegung so schneller voran zu bringen und letztlich die Planungskosten auf die Eigentümer umlegen zu können. Schon damals galt die Aussage: Macht nur einer nicht mit, wird nicht gebaut.

"Scheitern mit Ansage" gegen breiten Konsens

CDU-Mann und Altbürgermeister Horn fand es nicht verkehrt, hier mal ins Risiko zu gehen. Zurückblickend nennt er es aber ein "Scheitern mit Ansage". Kündiger konterte seinen Vorgänger prompt: "Wir waren mit breiter Mehrheit der Ansicht, dass es der richtige Weg war." Schon zuvor lieferten sich die beiden Rathauschefs ein kleines Scharmützel. Horn erinnerte an den teuren Stadtentwicklungsplan, in dem für den "Schlämmer" eigentlich Einfamilienhaus-Bebauung geplant war. Kündiger wies Horn auf seinen Beruf als Direktor der Planungsverbandes hin - und gerade der habe seine Einstellung zum Bauen zuletzt deutlich geändert, fordere nun den bezahlbaren Wohnraum im großen Stil.

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