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Bekanntes Hotel „ist weg“: Hier wohnten einst Kohl, Merkel & Co.

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Von: Frank Weiner

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Tristesse: Nach Gästen schaut es im Waldhotel derzeit nicht aus. Die Parkplätze sind leer, die Rezeption ist nicht besetzt.
Tristesse: Nach Gästen schaut es im Waldhotel derzeit nicht aus. Die Parkplätze sind leer, die Rezeption ist nicht besetzt. © wein

Das Waldhotel in Kelkheim steht offensichtlich leer. Es war ein Haus der Prominenz. Nun könnte dort im Stadtteil Münster Wohnraum entstehen.

Kelkheim-Münster - "As of December 19, 2021, it's over! The Waldhotel closes." Übersetzt: "Am 19. Dezember ist es vorbei. Das Waldhotel schließt." Diese Information war bis vergangenen Freitag noch als Internet-Eintrag bei der Suche nach dem Waldhotel in Münster (Main-Taunus-Kreis) zu finden. Jetzt nicht mehr. Vermutlich wurde sie gelöscht. Der ehemalige Eigentümer aber bestätigt dieser Zeitung immerhin telefonisch den Sachverhalt. "Das Hotel ist weg." Es stehe leer. Mehr wolle er dazu nicht sagen.

Waldhotel in Münster geschlossen: Gäste und Personal nicht zu sehen

Dass "Unter den Birken" wohl keine Gäste mehr beherbergt werden, ist nicht zu übersehen. Trostlos sieht es dort aus, von einem Hotelbetrieb keine Spur. Die Klingel funktioniert noch, aber es reagiert niemand. An der Tür ist immer noch ein Hinweis angebracht: Sollte das Hotel nicht besetzt oder der Schlüssel vergessen worden sein, kann eine Telefonnummer angerufen werden. Dort ist niemand zu erreichen, ein Anrufbeantworter geschaltet. Ein Rückruf bleibt trotz gesprochener Nachricht aus.

Weitere Informationen sind nicht bekannt. Es deutet aber alles darauf hin, dass ein bekanntes, vor Jahren sehr geschätztes kleines Hotel mit zehn Doppelzimmern und elf Einzelzimmern Geschichte ist und bleibt. Der Kelkheimer Bürgermeister Albrecht Kündiger bestätigt Überlegungen, "ein Wohnhaus daraus zu machen", fügt an: "Da spricht eigentlich nichts dagegen." Denn das Waldhotel liegt mitten in einem ruhigen Münsterer Wohngebiet, auch die nötigen Stellplätze wären sichergestellt. Auch ihm lägen Informationen vor, dass das Hotel nicht fortgeführt werden könnte.

Helmut Kohl nach dem CDU-Valentinstreffen zu Besuch im Waldhotel bei Familie Keller mit Ute (rechts), Ilka und Alfred Peter.
Helmut Kohl nach dem CDU-Valentinstreffen zu Besuch im Waldhotel bei Familie Keller mit Ute (rechts), Ilka und Alfred Peter. © privat

Aber der Rathauschef macht deutlich, dass er den endgültigen Abschied des Waldhotels sehr bedauern würde. "Für Kelkheim wäre es ein absoluter Verlust, keine Frage. Die Leute sind doch immer gerne dahin gegangen", weiß er. "Das war ein mittelständischer Betrieb, der reingepasst hat." Die Stadt habe ohnehin nicht so viele Hotels oder Pensionen.

Die Geschichte des Hauses kennt kaum einer besser als Alfred Peter Keller. Mit seiner Frau Ute führte er das Waldhotel von 1993 bis 2013. Gebaut worden sei es Anfang der 1950er-Jahre von Karl Becker. Keller weiß noch, dass die Nachbarn 1954 alle bei dem Hotelier vor einem der wenigen Fernseher im Ort saßen und den Fußball-WM-Titel beim "Wunder von Bern" miterlebten. Beckers Sohn Gerd, ein bekannter Gastronom in der Region, übernahm die Herberge und gab sie später an die Kellers weiter.

Promis besuchten Hotel in Münster: Hier schliefen Merkel, Kohl & Stoiber

Ute Keller hatte noch mal eine Hotelfachlehre gemacht und im Parkhotel in Frankfurt gearbeitet. So kam das Interesse der Kelkheimer am Münsterer Haus zustande. Als Seminarhotel der Deutschen Bank konnten sie schnell Fuß fassen, hätten hier einige Vorstände erlebt, erinnert sich Keller, der lange Vorsitzender der CDU und Stadtrat war. Er führte viele Jahre Regie bei den Valentinstreffen der Union, holte bekannte Politiker in die Stadt. Und wo übernachteten Angela Merkel, Helmut Kohl, Ursula von der Leyen Edmund Stoiber, Friedrich Merz und Co.? Im Waldhotel. Dort gibt es im Eingangsbereich noch heute Erinnerungsfotos an prominente Gäste.

Ute und Alfred Keller sowie Anke und Roland Koch begrüßten Angela Merkel noch als Bundesministerin im "Salon Theres" im Hotel.
Ute und Alfred Keller sowie Anke und Roland Koch begrüßten Angela Merkel noch als Bundesministerin im "Salon Theres" im Hotel. © privat

Natürlich bedauern die Kellers das Aus für ihr einstiges Hotel sehr. Ute Keller betont, das Haus sei hier mit einem besonderen Charme im Vergleich zu den großen Bettenburgen geführt worden. Das hätten alle Reisenden sehr geschätzt - aber eben besonders auch die Prominenten. Normalerweise boten sie nur Frühstück an. Doch bei Veranstaltungen standen Ute und Peter Keller dann immer selbst in der Küche.

"Meiner Frau tut es im Herzen weh", sagt Keller und erinnert sich an eine ebenso herzliche Geschichte: Zwei Wintergärten haben sie früh anbauen lassen, als Trennung von Rauchern und Nichtrauchern. Und für einen Gastraum innen suchten sie einen Namen: Peter Keller wollte die "Staufenstube", seine Frau in Erinnerung an ihre Mutter "Salon Theres". Zur Abstimmung wurden die Nachbarn eingeladen - und als sie den Vorschlag von Ute Keller hörten, war ihr Mann mit seinem Kreuzchen für die Stube ganz allein.

Waldhotel in Münster schließt: Steht Abriss bevor?

Nach den Kellers übernahmen Sonja und Emiljano Peter für fünf Jahre das Haus bis zum Verkauf Ende 2017. "Mir blutet so ein bisschen das Herz, wir haben viel Herzblut reingesteckt", sagt der Kelkheimer. Er habe sogar gehört, dass Haus solle abgerissen werden und Wohnraum weichen. "Das hat uns geschockt", so Peter, der mit seiner Frau dort einen Teil der Fernsehreihe "Mein himmlisches Hotel" drehen ließ. Das Hotel sei gut gelaufen, es hängen "viele Erinnerungen" an den Wänden, die hoffentlich noch gerettet werden können, sagt Peter. Er hat die Galerie etwas erweitert, sich mit Komiker Bülent Ceylan, Ministerpräsident Volker Bouffier, Minister Tarek Al Wazir und Friedrich Merz ablichten lassen. Und weitere bekannte Gäste wie die Schauspieler Karin Dor oder Winfried Glatzeder hier empfangen. Gleich zu Beginn haben sie das Haus komplett renoviert.

Interessant: Ihre Facebook-Seite ist noch aktiv, der letzte Eintrag ist der Weihnachtsgruß 2017. Ansonsten ist nicht mehr viel über das Waldhotel zu finden. Bei bekannten Portalen im Internet heißt es: "Leider ist es gerade nicht möglich, diese Unterkunft auf unserer Seite zu buchen." Oder: "Kein Hotel für die Hotel-ID vorhanden."

Sonja (Mitte) und Emiljano Peter mit den Schauspielerinnen Karin Dor, Marianne Rogée, Martina Dähne, die Gäste waren.
Sonja (Mitte) und Emiljano Peter mit den Schauspielerinnen Karin Dor, Marianne Rogée, Martina Dähne, die Gäste waren. © privat

Beim Verein Taunus-Touristik-Service wird im Netz allerdings noch immer geworben: "Herzlich Willkommen im Waldhotel Kelkheim. Das familiär geführte Garni-Hotel bietet Ihnen ein stilvolles Ambiente in persönlicher Atmosphäre. Die ruhige Lage am Rande der Stadt Kelkheim mit einer guten Verkehrsanbindung eignet sich hervorragend für Besucher der Frankfurter Messe, aber auch für alle Erholungssuchenden." Das alles dürfte inzwischen Geschichte sein. Ein neuer Eigentümer war bisher nicht ausfindig zu machen und hat sich auch bei der Stadt nicht mehr konkret über seine Zukunftspläne geäußert.

8 Häuser mit 309 Betten in Kelkheim

Laut einem aktuellen Bericht des Statistischen Landesamts Hessen wurden für Kelkheim im November 2021 acht geöffnete Beherbergungsbetriebe gemeldet. Sie boten zusammen genau 309 Schlafgelegenheiten. In dem Monat gab es in der Möbelstadt gut 2000 Übernachtungen, das waren rund 30 Prozent weniger als im Oktober davor. Die Gäste blieben im Schnitt 2,2 Tage in den Hotels und Pensionen.

Die Statistik weist auch die Zahlen von Januar bis November aus. Demnach waren es in Kelkheim fast 21 000 Übernachtungen - ein Minus zum Vorjahr von gut 14 Prozent bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 2,6 Tagen. Zum Vergleich: Spitzenreiter bei den Übernachtungen ist Bad Soden mit fast 70 000 im Vorjahr, das auch mit 13 die meisten Betriebe hat. Bei den Betten liegt Eschborn mit 1683 vorn. Im gesamten Kreis sind es 77 Firmen in der Branche, 6369 Betten und 312 784 Übernachtungen gewesen.

In Kelkheim gibt es bekannte Häuser wie das Schlosshotel am Rettershof in städtischem Eigentum oder das Arkaden-Hotel in der Stadtmitte. Hinzu kommen ein paar kleine Pensionen, die besonders für Geschäftsreisende und Arbeiter genutzt werden.

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