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Christa Wittekind, Norbert Weck und Hiltrud Bracht (von links) freuen sich über den Sieg, werden aber weiter mit anpacken.

Erhalt des ehemaligen Pfarrzentrums

Nach dem Bürgerentscheid kommt auf die Initative eine Menge Arbeit zu

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Der Entscheid brachte am Ende offiziell 54,7 Prozent „Ja“-Stimmen. Auf diesem Erfolg ausruhen möchte sich niemand.

Die Nacht war kurz – für Wahlhelfer, Sieger und Verlierer. Denn erst gegen 1.30 Uhr stand Montag früh das vorläufige Endergebnis des Bürgerentscheids fest. Es unterscheidet sich nur unwesentlich von dem, was das Kreisblatt bei Redaktionsschluss um 1 Uhr vermeldet hatte: Nach 21 von 24 Wahllokalen waren es 54,6 Prozent „Ja“-Stimmen für den Erhalt des ehemaligen Pfarrzentrums Feldbergstraße, verbunden mit dem Umzug des Museums dorthin. Nach dem Ende der Auszählung hatten 54,7 mit „Ja“ votiert. Das erforderliche Quorum von 5620 Stimmen wurde mit 7952 klar und deutlich übertroffen. Die Gegner kamen auf 6594 Kreuze. Die Wahlbeteiligung lag bei immerhin 70 Prozent.

Beim Blick in die Wahllokale (siehe Tabelle) gibt es Auffälligkeiten. Die Befürworter eines Abrisses samt Bau von bezahlbarem Wohnraum gewannen nur 4 der 24 Bezirke – und dabei in Münster auch nur einen deutlich. Die Bürgerinitiative Kelkheim, die über ein Bürgerbegehren den Entscheid erst möglich gemacht hat, siegte gleich mehrfach hoch. Bestwert waren die 64,5 Prozent aus Kelkheim-Mitte, gefolgt von einem Hornauer Bezirk (60,4). Das verwundert nicht, ist dort im Stadtteil doch die Keimzelle der BI – und hier hat sie auch besonders viele Mitstreiter wegen der Nähe zum alten Pfarrzentrum. Auf fast 60 Prozent kommen auch zwei Münsterer Wahllokale – hier wiederum hat BI-Aktivposten Reinhard Herr kräftig die Werbetrommel gerührt. Und auch die Befürchtungen der Gruppe, in den „Bergdörfern“ sowie Fischbach wegen einer gewissen räumlichen Distanz zum Projekt massiv zu verlieren, bestätigte sich nicht: Nur Eppenhain ging an die Gegner.

Nun heißt es aber für die BI: nicht feiern und ausruhen, sondern Ärmel hochkrempeln. Denn sie hat sich mit ihrer Prognosen zu Zuschüssen für die Sanierung des Gebäudes schon ein Stück aus dem Fenster gelehnt. Das weiß auch Sprecher Thomas Zellhofer. Er ist erst einmal dankbar für die unerwartet große Unterstützung, die BI werde sich aber ganz gewiss nicht auflösen, sondern aktiv weiter arbeiten. So sieht ein Papier als dritten Schritt nach Bürgerbegehren und -entscheid die Bürgerbeteiligung vor: Hier will die BI Anteile „für die Herstellkosten eines Raumes oder Gewerkes des zu sanierenden Objektes“ verkaufen, um Geldspenden und Erlöse aus Vermächtnissen werben. Schon mit bis zu 300 000 Euro rechnet Zellhofer hier. Zudem sollen Fördertöpfe über die Stadt oder die unterstützenden Parteien CDU und SPD, etwa beim Kreis, angezapft werden. Bei einer CDU-Veranstaltung hatte Staatsminister Boris Rhein bereits Zuschüsse in Aussicht gestellt. „Jetzt können wir loslegen, wir werden pushen“, erklärt Zellhofer. Dass Reinhard Herr zum Beispiel für die Sanierung der Marienkapelle Münster zum Teil unerwartete Gelder einwerben konnte, ist der BI ein motivierendes Beispiel. Sicher ist für Zellhofer nur: Die Initiative soll kein eingetragener Verein werden. Ihre Helfer sollen aber beim ehrenamtlichen Betrieb des Museums stark eingebunden werden – einige Zusagen gibt es schon.

Der Museumsverein ist unterdessen laut dem Vorsitzenden Jürgen Moog „glücklich“ über das Votum. „Das ist eine tolle Sache, was die BI erreicht hat. Das war eine Energieleistung.“ Moog will nun weiter intensiv mit der Gruppe zusammenarbeiten. Heute trifft sich der Vorstand des Museumsvereins und berät, wie es nun weiter geht. „Das Wichtigste ist geschafft. Es muss nun einiges geschehen, müssen Anträge gestellt werden“, weiß Moog.

Bürgermeister Albrecht Kündiger will nun dieses Projekt als Chef der Verwaltung „sorgfältig“ umsetzen. Ihm schwebt eine „Konkretisierung“ der Pläne für eine Sanierung des alten Pfarrzentrums vor, seien doch die letzten Zahlen mit einer Schätzung von rund 1,2 Millionen Euro „sehr in Zweifel gezogen“ worden. Die neuen Werte müssten „nachvollziehbar und belastbar“ sein, die beiden vorausgegangenen Untersuchungen darin eine Rolle spielen. Die Städtebauliche Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft als Tochter der Stadt und Eigentümern habe 860 000 Euro zur Verfügung. „Alles, was darüber liegt, muss der städtische Haushalt aufnehmen“, betont Kündiger und setzt deshalb bei der Spenden- und Zuschuss-Akquise auch auf die Initiative der BI. Insgesamt ist der Bürgermeister mit dem Ergebnis zufrieden, denn er war stets für den Erhalt des Gebäudes. „Ich kann mir vorstellen, dass wir da was Schönes draus machen werden.“ Kündiger wünscht sich, dass nach den Streitigkeiten im Wahlkampf „Gräben zugeschüttet werden“. Erste Zeichen gab es gleich am Wahlabend. Und Maximilian Alter (UKW) schrieb danach auf der städtischen Facebook-Seite „Gratulation an die ,Ja‘-Initiative. Wir bei der UKW hatten mit dem Grundstück (und dem Geld) anderes vor, werden jetzt aber die Entscheidung vorbehaltlos umsetzen. Für bezahlbaren Wohnraum werden wir uns möglichst zügig nach Alternativen umsehen.“

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