Der Rücktritt vom Rücktritt

Nach dem Bürgerentscheid: Vorstand des Museumsvereins macht weiter

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Museumsverein und Politik wollen nach dem deutlichen „Ja“ für einen Erhalt des alten Pfarrzentrums Fahrt aufnehmen. Die UKW richtet ihr Augenmerk indes auf den bezahlbaren Wohnraum und bringt einen alten Zankapfel wieder ins Spiel.

Dass der Bürgerentscheid zum alten Pfarrzentrum Feldbergstraße zuletzt das vorherrschende Thema war, wurde auch in den Tagen nach dem klaren Ergebnis deutlich. Die Bürgerinitiative hatte mit 54,7 Prozent den Abriss verhindert und den Umzug des Museums dorthin durchgesetzt. Bald danach meldeten sich Gewinner wie Verlierer, die Stadtspitze (siehe Text rechts) und der Museumsverein zu Wort.

Neuigkeiten gibt es vor allem von den ehrenamtlichen Museumshelfern. Vorsitzender Jürgen Moog schrieb an die Mitglieder und verkündete den Rücktritt vom Rücktritt: „Da der Rückzug unseres Historikers Rüdiger Kraatz und mein angekündigter Rücktritt lediglich ein Zeichen setzen sollte gegen den Verbleib des Museums in der Frankfurter Straße und die Ausrichtung als Heimatmuseum, ist dies durch die neuen Perspektiven im ehemaligen Pfarrzentrum obsolet.“ Der gesamte geschäftsführende Vorstand werde sich „weiterhin nach Kräften für die Weiterentwicklung des Stadtmuseums einsetzen“. Zudem will der Verein nun Gespräche mit der BI über eine gemeinsame Zusammenarbeit aufnehmen. Die Gruppe hat schon angekündigt, dass sie bei den Diensten im neuen Museum personell unterstützen wird. Moog lobt den Einsatz der Initiative für eine „historische Leistung“. Nun seien die Weiterentwicklung zu einem „Kulturzentrum mit Mitmachmuseum“ und ein Umzug vom derzeit nicht barrierefreien Standort möglich.

Moog regt nun eine zügige Planung der Sanierung an der Feldbergstraße an, Anträge für Zuschüsse müssten gestellt, Architekt und Museumsdesigner nach Ausschreibungen beauftragt werden. Für die weitere Nutzung sollten Jugendarbeit, Kulturgemeinde, Volkshochschule, Schulen, Schreinereien und Vereine eingebunden werden. „All dies ist Aufgabe der Stadt“, so Moog. Der Verein berate gerne – und hat schon ein Gespräch mit Bürgermeister Albrecht Kündiger zur Marschroute vereinbart.

Auch politisch kommt das Thema schon wieder in Schwung. Die SPD freut sich, „dass Kelkheim nun ein adäquates Stadtmuseum an einem neuen, besser geeigneten und vor allem barrierefreien Standort bekommen wird“, sagt Fraktionsvorsitzende Julia Ostrowicki. Der Weg, die Bürger entscheiden zu lassen, sei „voll eingeschlagen“. Die Ausgestaltung des Gebäudes als kultureller Treffpunkt für die Kelkheimer sei nun wichtig.

Für ein wenig Verwunderung hat sie mit der Forderung nach einer Obergrenze der Sanierungskosten von 1 Million Euro gesorgt – da sie nämlich vorher von Architekt Tobias Gillenkirch schon auf rund 1,2 Millionen Euro beziffert worden waren. Gegenüber dem Kreisblatt präzisiert Ostrowicki ihren Ansatz. Die SPD strebe einen „offenen Wettbewerb von Projektentwürfen“ an, damit hätten andere Kommunen schon gute Erfahrungen gemacht. Die Architekten – wozu sie nicht mehr Gillenkirch und sein vieldiskutiertes Gutachten zählt – sollten nur wenige Vorgaben erhalten. Wichtig sei es aber, jene Vorgaben umzusetzen, die für Zuschüsse notwendig seien. Ostrowicki: „Wir denken daran, einen anderen Blick zu entwickeln.“ In dem auch die Bürger eine wichtige Rolle spielen sollen durch eine rege Beteiligung. Vielleicht sage ja dann ein heimischer Malermeister, dass er Arbeiten günstiger anbietet. Aus Kostengründen werde nicht jeder Wunsch aus dem Feinkonzept umsetzbar sein, weiß die SPD-Chefin.

Auch die UKW, die sich mit der FDP bezahlbaren Wohnraum gewünscht hätte (etwa in Form eines Mehrgenerationenhauses), mahnt eine Finanzkontrolle an: „Gefordert sind jetzt die Initiatoren des Bürgerbegehrens sowie die Parteien CDU und SPD, die sie unterstützten“, sagt Fraktionschefin Doris Salmon: „Erstens, dass der genannte Kostenrahmen von 1,2 Millionen Euro nicht überschritten wird, zweitens, dass die versprochenen Zuschüsse, Sponsorengelder und Spenden auch tatsächlich fließen, und drittens, dass sich weder der laufende Unterhalt noch das zum Betrieb dauerhaft nötige Personal als Pferdefuß in der Euphorie des Wahlerfolgs erweisen.“ Das Bürgerbegehren wertet die UKW mit rund 15 000 Wählern als „positiven Beleg für die Demokratie“. Das große Engagement der BI verdiene „Anerkennung“, für die Gegenargumente hätten sich aber „ebenfalls viele Menschen eingesetzt“, sagt Salmon.

Die UKW will sich jetzt an anderen Standorten der Realisierung von bezahlbarem Wohnraum widmen. „Auf dem ehemaligen Feuerwehrgelände an der Zeilsheimer Straße in Münster besteht dazu nun weiterhin eine gute Gelegenheit“, so Salmon. Sie fordert alle anderen Parteien auf, „dort jetzt ihren Worten Taten folgen zu lassen“. Dies könnte zumindest ein Schritt auf dem Weg zur Lösung dieses drängenden Problems sein.

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