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Gegenwart und Zukunft nebeneinander: Links der tägliche Verkehr am Bahnübergang . . .

Untersuchungsergebnisse liegen vor

Neue Straße bringt neuen Verkehr - Politik vor kniffliger Entscheidung

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Mit Verkehrszählungen und Berechnungen hat das Ingenieurbüro BPR Dr. Schäpertöns Consult den Verkehr mit Blick auf ein Neubaugebiet und vor allem den möglichen Feuerwehrstützpunkt untersucht. Die Ergebnisse machen die Sache nicht leichter.

Beim Pressetermin räumte Bürgermeister Albrecht Kündiger gestern offen und ehrlich ein: Die vielen Tausend Zahlen aus der Verkehrsuntersuchung für das Gebiet „Hornau West“ mit einem neuen Feuerwehrstützpunkt und die „Gagern-Spange“ habe er so nicht durchschaut. Doch die Zusammenfassung seiner Fachleute im Rathaus sehr wohl: Als Fazit geht das Ingenieurbüro BPR Dr. Schäpertöns Consult davon aus, das eine neue Straße für Kelkheim auch neuen Verkehr anziehen würde. Kündiger spricht von einer „deutlichen Zunahme“, will aber weitere Details nicht vorweg nehmen. Denn die Untersuchung wird am Montagabend im Verkehrsausschuss genau vorgestellt und diskutiert (siehe Text rechts).

Noch keine Wertung

„Wir müssen überlegen, inwieweit es zu verantworten ist“, sagt Kündiger. Eine Wertung aus seiner Sicht möchte er noch nicht vornehmen. Zunächst soll sich die Politik ein Bild von den Zahlen, wissenschaftlichen Überlegungen sowie Annahmen machen. Denn sicher ist das natürlich nicht, dass neuer Verkehr mit der „Gagern-Spange“ nach Kelkheim kommt. Doch anzunehmen sehr wohl, findet Kündiger. Denn die Fahrer aus dem Hintertaunus oder sogar dem Raum Limburg suchen sich schon den für sie schnellsten Weg Richtung Frankfurt, auch um die Autobahn zu umgehen. Da ist eine neue Querverbindung ein gefundenes Fressen.

Die „Gagern-Spange“ soll den Gagernring in Hornau mit der Fischbacher Straße in Kelkheim verbinden, um so das Nadelöhr des Bahnübergangs zu umgehen. Zwischen den neuen Mehrfamilienhäusern am Ring wurde extra eine Lücke gelassen, um dort die Straße per Unterführung ins Gebiet „Hornau West“ leiten zu können. Es ist mit rund 10 Hektar Kelkheims größte Baulandreserve im Flächennutzungsplan. Mit einer neuen Straße biete sich eine Bebauung durchaus an, und zwar hinter dem Berliner Ring, sagt Kündiger. Das ganze Areal komme für ihn aber keinesfalls für Häuser in Frage. Ein wichtiges Argument für die neue Straße wäre ein weiteres Großprojekt: Denn die drei Feuerwehren aus Kelkheim-Mitte, Hornau und Fischbach können sich einen gemeinsamen Stützpunkt in jenem Areal zwischen den Stadtteilen vorstellen. Die Stadtverordneten haben einen entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst, aber auch die Verkehrsuntersuchung in Auftrag gegeben. Die Feuerwehr könne wohl nur an diesem gemeinsamen Standort gebaut werden, wenn auch der Gagernring und die Fischbacher Straße angebunden werden, betont Kündiger. Sonst seien die Rettungsfristen nicht einzuhalten und der Bahnübergang ein zu großes Hindernis. „Dann müssen wir das nicht weiter verfolgen.“ Eine Stichstraße vom Gagernring zum Feuerwehrstützpunkt und möglichen Wohnhäusern sei zwar auch denkbar. Sie würde dann zumindest keinen neuen Verkehr anziehen. Wiederum „politisch schwierig“ durchzusetzen sei eine Straße, die nur für die Feuerwehrleute gedacht ist. Die Stadt könne den Bürgern wohl kaum sagen: „Ihr dürft hier nicht durchfahren.“

Die Untersuchung wiederum soll in Teilen auch als Grundlage für eine Machbarkeitsstudie einer großen Umgehungsstraße genutzt werden, sagt Kündiger. Auf Antrag der FDP hatte sich eine politische Mehrheit noch mit CDU und SPD dafür entschieden, dafür immerhin 100 000 Euro in den Haushalt 2018 einzustellen. Nun liegen erste Ergebnisse vor. Doch der Bürgermeister, als UKW-Mann Gegner einer sogenannten „Fischbach-Spange“ zwischen dem Ausbau-Ende der B 8 und der B 455 bei Fischbach, macht deutlich: Vom Land Hessen kämen keine Zeichen für eine Unterstützung. „Viele Äußerungen sind gegenteiliger Meinung“, betont er. Und deshalb sei er enttäuscht vor allem über „Teile von FDP und SPD“, die hier „falsche Hoffnungen“ wecken. Kündiger: „Man kann nicht so einfach über Naturschutzgebiete hinweggehen.“ Das Vorgehen sei „fahrlässig“.

„Vorauszusehen“

Klar war für den Bürgermeister und die Politiker aber immer: Es müssen erst alte Verkehrsprobleme gelöst werden, um wieder neuen Wohnraum im Außenbereich zu schaffen. Der Schuss der Studie könnte nun allerdings nach hinten losgehen, wenn die neue Straße tatsächlich neuen Verkehr anzieht. Und Kündiger weiß mit Blick auf die Ergebnisse, seien sie im Detail noch so kompliziert: „Das war vorauszusehen.“

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