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Einem Einbrecher eins auf die Nase zu geben, ist nicht strafwürdig.

Hofheimer muss nichts mehr befürchten

Notwehr: Verfahren eingestellt

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Dem Einbrecher, der auf frischer Tat ertappt wurde, Nase und Kiefer zu brechen, war „verhältnismäßig“, sagt die Staatsanwaltschaft.

So einigen Bürgern waren im November letzten Jahres Zweifel an unserem Rechtssystem gekommen. Und selten hatte ein Artikel im Höchster Kreisblatt so viel Resonanz hervorgerufen. Das war geschehen: Da hatte ein Hofheimer im Keller eines Mehrfamilienhauses in der Neugasse einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt und dem Bürschchen eine verpasst. Und das nicht zu knapp. Nase und Kiefer waren gebrochen. Der 17 Jahre alte Einbrecher aus Kelkheim kam ins Krankenhaus, Nase und Kiefer waren gebrochen, die Anzeige wegen eines Einbruchsversuch folgte vermutlich. Doch auch der Hausbewohner bekam die Hand des Gesetzes zu spüren. Gegen den Hofheimer erging noch am Tatort Anzeige wegen Körperverletzung.

Zu der Strafanzeige seien seine Kollegen verpflichtet, wenn sie den Eindruck haben, dass hier eine Straftat vorliegen könnte, erklärte damals der Sprecher der Polizei Main-Taunus, Daniel Kalus-Nitzbon, dass die Beamten absolut korrekt gehandelt hatten. Dass hier eine Körperverletzung vorlag, daran gab es in dem aktuellen Fall auch kein Vertun. Der Bewohner hatte damals ja ganz offen eingestanden, dass er den Einbrecher geschlagen habe.

Drei Monate dauerte es, bis die Staatsanwaltschaft Frankfurt kürzlich entschieden hat: Das Verfahren wegen Körperverletzung wurde eingestellt, sagte die Sprecherin der Justizbehörde, Nadja Niesen. Die Richter hätten entschieden, dass der Bewohner aus Notwehr gehandelt habe. Kontrovers war unter den Lesern und auch Juristen diskutiert worden, ob der Bewohner bei seinem Schlag, der so heftig war, dass er seine Hand leicht verletzt hatte, das Gebot der Verhältnismäßigkeit gewahrt hatte. Ja, sagt die Oberstaatsanwältin, hat er. Er habe ja kaum ein anderes Mittel in dem Moment gehabt, als seine Faust. Dass er recht heftig zugeschlagen hatte, sei wohl damit zu erklären, dass der Hofheimer Angst gehabt hatte, als er auf der Kellertreppe dem Einbrecher begegnete, der auch noch einen Schraubendreher in der Hand hatte.

Der Einbrecher war übrigens ein polizeibekanntes „Früchtchen“, das bereits mehr als 200 Straftaten auf dem Kerbholz hatte, zumeist Einbrüche in gewerbliche Räumlichkeiten und Wohnungen, aber auch Fahrräder und Fahrzeuge waren vor ihm nicht sicher. Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vervollständigten die Bandbreite seiner Straftaten, von denen er die meisten in seiner Heimatstadt Kelkheim, aber auch in anderen Kommunen des Main-Taunus-Kreises begangen hatte. Die ersten übrigens mit 11 Jahren.

Ob der inzwischen 17 Jahre alte Kelkheimer sich für den Einbruchversuch verantworten muss und wie die Tat angesichts seines langen Strafregisters bewertet wird, dazu gab es von der Staatsanwaltschaft keine Angaben: „Dazu sagen wir nichts“, sagte gestern Nadja Niesen und verwies darauf, dass es sich um einen Jugendlichen handelt, der den besonderen Schutz des Jugendstrafrechts genießt.

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