Prozess

Parfümdiebstahl endet für Kelkheimer hinter Gittern

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Einmal Unterschlagung, einmal Schwarzfahren, ansonsten Diebstahl und unerlaubter Drogenbesitz – klassische Beschaffungskriminalität. 19 Mal ist der 34 Jahre alte Kelkheimer bereits vorbestraft, jetzt kommt der 20. Eintrag ins Sündenregister. Wieder geht es um Diebstahl – wieder, um damit Drogen zu finanzieren.

Ein 34 Jahre alter Kelkheimer muss für sechs Monate hinter Gitter. Zur Überzeugung des Königsteiner Amtsgerichtes, aber auch aufgrund seines Geständnisses hat der Mann in einem Drogeriemarkt in der Möbelstadt zwei Flakons mit teuren Herrendüften im Wert von fast 200 Euro an der Kasse vorbeigeschmuggelt, war aber entdeckt worden. Die Beute wollte er gegen Drogen eintauschen.

Der Mann ist seit Jahren heroinsüchtig. Therapien führten zu nichts, da er sie immer abgebrochen hat, um sofort wieder rückfällig zu werden. Dem Gericht vermittelte er aber den Eindruck, dass er derzeit „clean“ ist, wozu die Teilnahme an einer Substitutionskur mit Methadon beigetragen haben dürfte.

Zwei Versuche

Zur Aufklärung des jüngsten Falls von Diebstahl hat keiner mehr beigetragen als „Kommissar Zufall“: Die Leiterin der Königsteiner Filiale des Drogeriemarktes hat den Angeklagten am 25. Juli beobachtet, wie er in dem Laden gezielt ins Regal gegriffen hat. Dorthin, „wo die teuren Düfte stehen“. Er nahm zwei Flakons Chanel-Parfüm für jeweils 108 Euro. Die Chefin, noch nichtsahnend, erbot sich, den Mann zur Kasse zu begleiten und den Kauf mit ihm abzuwickeln, sie wollte ihm sogar noch „ein paar Pröbchen schenken“. Daran hatte der Mann jedoch kein Interesse, er verließ das Geschäft, ohne etwas zu kaufen.

Dumm für ihn war, dass er nicht wusste, dass die freundliche Dame auch die Kelkheimer Filiale leitet und alle zwei Tage zwischen Königstein und Kelkheim pendelt. Als er sich am 27. Juli im Kelkheimer Drogeriemarkt nach teuren Düften umsah, von denen zwei im Gesamtwert von 200 Euro sein Gefallen fanden und in seiner Tasche verschwanden, schnappte die Falle zu: Die Filialleiterin erkannte ihren Königsteiner „Kunden“.

Der Aufforderung, mit ihr ins Büro zu kommen und dort einer Taschenkontrolle zuzustimmen, sei er freundlich und ohne Ausflüchte nachgekommen. Auch das Erscheinen der Polizei schien ihn nicht zu beunruhigen. Bei der Durchsuchung stellte sich heraus, dass die Tasche mit Aluminiumfolie ausgekleidet war, die verhindert, dass gegen Diebstahl gesicherte Ware in der Kassenzone Alarm schlägt.

Viel Entlastendes für den Angeklagten konnten Amtsanwältin und Richterin nicht anführen. Immerhin habe er ein Geständnis abgelegt und sei auch wenige Tage nach seiner letzten Haftentlassung pünktlich zum Prozess erschienen. Dass seine im Fränkischen lebende Mutter bereit ist, ihren Sohn bei sich aufzunehmen, wo doch schon dessen Bruder ebenfalls wegen Diebstahls- und Drogendelikten in Haft ist, reiche für eine positive Sozialprognose nicht aus, sagte die Richterin. Für eine Strafaussetzung sehe sie bei der hohen Rückfallgeschwindigkeit – der Mann stiehlt immer wieder, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren – keinerlei Raum. Gerade einmal zwei Wochen nach dem letzten Therapieabbruch habe er in Königstein und Kelkheim ins Regal gegriffen.

Eingeschränkte Schuld

Allerdings billigte das Gericht dem Mann suchtbedingt eingeschränkte Schuldfähigkeit zu. Wie aus einem Polizeiprotokoll hervorgeht, hat er bei seiner Festnahme Entzugserscheinungen gezeigt. Die Anwältin hatte zwar nicht auf eine Geldstrafe gehofft, aber auf Bewährung. Ihr Mandant sei auf dem Weg in die richtige Richtung, weshalb man ihm eine letzte Chance geben sollte. Im Knast gewinne er bestimmt nicht den Abstand zur Szene, der nötig wäre, damit er sein Leben in den Griff bekommen kann.

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