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Peter Stevens mit den Forschern Ben (6), Frederik (6), Laura (5) und Paula (5, von links) beim Farbtest im Labor der „Kinderträume“.

Engagierter Kelkheimer

Peter Stevens ist 80 und bietet noch naturwissenschaftliche Versuche im Kinderhaus „Kinderträume“

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Vor einigen Wochen hat Peter Stevens seinen 80. Geburtstag gefeiert. Müde wird der Mitbegründer der FWG deshalb aber nicht.

„Wisst ihr was das ist?“, fragt Peter Stevens. „Kohlrabi, aber in lila“, ruft Ben. „Kohlsorten gibt es verschiedene“, so Stevens. Laura hat den Geistesblitz: „Rotkohl“, sagt sie. Und schon gibt es das erste Lob von Lehrmeister Stevens. Aus dem Rotkohl, der in der schwäbischen Heimat seiner Frau Blaukraut heiße, hat der Kelkheimer Saft gemacht. Damit bittet er die jungen Naturwissenschaftler aus dem Kinderhaus „Kinderträume“ nun ins Labor. Dort geben Laura (5), Paula (5), Frederik (6) und Ben (6) dem Kohlsaft neben Wasser noch Essig, Seifenlauge, Waschpulver und Zitrone bei. Siehe da: Der Rotkohl färbt sich – von Rot über Blau bis zu Grün. Dass die sauren Beigaben Essig und Zitrone für die gleiche rote Färbung sorgen – das haben die Forscher jetzt gelernt.

Natur, die Wissen schafft

Peter Stevens ist im Kinderhaus schon einige Zeit als „MINT-Botschafter“ in Aktion. Er betreut diese Forschergruppe gerne. Es solle „der Lebenswelt der Kinder angebunden werden und Neugierde wecken“, betont er. Chemische Formeln haben da nichts zu suchen, wohl aber nennt er Begriffe wie Verdünnen oder Seife. Die Natur als Wissenschaft, die Wissen schafft, zu begreifen – das ist ein Ziel. Die kindliche Begeisterung für diese Themen und wecken und am Leben zu halten, das sei wichtig, betont Regina Gerock, die mit ihrem Mann Martin die drei Kinderhäuser in Kelkheim, Bad Soden und Schneidhain führt. Dass sie Chemie-Experte Stevens kennenlernten, sei ein Glücksfall. Wobei der Lehrer sagt: „Es soll keine Zaubervorstellung sein.“

Destillateur, dann Lehrer

Jungen Menschen die Naturwissenschaften nahe bringen – das ist Stevens ein Anliegen. Vor wenigen Wochen hat er seinen 80. Geburtstag gefeiert, wird aber längst nicht müde. Stevens stammt aus Kiel, lernte dort Destillateur, machte seinen Chemie-Techniker und blieb als Assistent an der Fachhochschule. Dort habe er die Experimente in Vorlesungen vorbereitet – „bis hin zu Nitroglycerin“, erzählt er den Kindern. Dass dies hochexplosiv ist, finden sie spannend. Ähnlich interessant ging Stevens’ Karriere weiter. Er wurde Chemie-Ingenieur, fand einen Job im Ruhrgebiet – und sattelte noch mal um. An der TH Darmstadt studierte er Erziehungswissenschaften und Politik, wollte Berufsschullehrer werden. Die Hessen suchten – und als Nummer 78 von 80 Personen bekam er den Studienplatz. Seine Berufung fand er schließlich an der Paul-Ehrlich-Schule in Höchst, zudem am Lehrerseminar Frankfurt. Als es die Ärzteschwemme gab, habe er Mediziner zur Berufsschullehrern umgeschult, erzählt Stevens, der seit 1969 in Kelkheim seine Heimat hat.

Dort engagierte er sich auch politisch, war erst bei der FDP und dann 1982 Gründungsmitglied der Freien Wähler. Sechs Jahre war er Stadtverordneter, gehört zudem seit 1991 dem Naturschutzbeirat des Main-Taunus-Kreises an. So waren der Umweltschutz und der Kampf gegen die Verkehrsprobleme seine wichtigsten Themen. Stevens hat einige Vorschläge zum Generalverkehrsplan eingebracht. Andere Ideen, wie eine gemeinsame Auto-Nutzung der Pendler in Richtung Frankfurt samt Parkplatz zum Umsteigen, verliefen im Sande. Und eine große Umgehungsstraße ziehe noch mehr Verkehr an, sieht er dieses Projekt kritisch. Stevens selbst ist ohnehin lieber mit dem Rad unterwegs. Fit hält er sich zudem mit dem Lehrersport an der ehemaligen Schule und in der „Speckbauchriege“ der TuS Hornau.

40 Jahre engagierte er sich auch als Prüfer bei der IHK, 13 Jahre als Schöffe am Amtsgericht Frankfurt. Noch heute ist er als Seniorexperte Chemie in Aktion – unter anderem eben bei den „Kinderträumen“. Die Kinder zahlen es ihm mit großem Interesse zurück. Paula findet es toll, „dass er mit uns experimentiert“. Kein Wunder, bei diesen tollen naturwissenschaftlichen Themen. Beim nächsten Mal wolle er mit den Steppkes Kristalle züchten – dann ziehen sie sich wieder ihre weißen Kittel an und dürfen sich schon mit Fünf als Nobelpreisträger von Morgen fühlen.

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