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Präventionsrat in Kelkheim: Aus Vier mach Zehn

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Von: Frank Weiner

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Rosemarie Sprungk, Hannsfriedrich Braun, Renate Schessner, Karl-Heinz Sprungk, Klaus Fingerhuth, Rainer Brackmann, Walter Reuss, Ulrike Langendorf und Rolf-Egon Burger (von links) sind die Sicherheitsberater.
Rosemarie Sprungk, Hannsfriedrich Braun, Renate Schessner, Karl-Heinz Sprungk, Klaus Fingerhuth, Rainer Brackmann, Walter Reuss, Ulrike Langendorf und Rolf-Egon Burger (von links) sind die Sicherheitsberater. © Hans Nietner

Der Präventionsrat hat fleißig um beratende Unterstützung der Bürger geworden. Denn der Betrug gegenüber älteren Menschen ein „gewaltiges“ Problem. Das haben viele Kelkheimer schon am eigenen Leib erfahren.

Dieser Fall hat Ulrike Langendorf einfach nur wütend gemacht. Eine Nachbarin der Kelkheimerin, eine ältere Dame, sei mal von einer Person bis zu ihrer Haustür verfolgt worden. Dann habe der Fremde ihr noch angeboten, den Rollator nach oben zu tragen – und bei dieser Gelegenheit das Portemonnaie der Seniorin gestohlen. „Das war dreist. Da ist mir die Idee gekommen, mich zu engagieren“, sagt die 58-Jährige. Und es passte ins Bild, dass die Stadt just zu diesem Zeitpunkt weitere Seniorensicherheitsberater per Anzeige suchte. Ulrike Langendorf macht nun gerne im Team mit, „um alle älteren Leute zu sensibilisieren“.

Schwaches Glied stärken

Und diese Mannschaft hat jetzt viele Verstärkungen bekommen. Waren es zum Start im Sommer erst vier Berater, so ist diese Zahl jetzt binnen weniger Wochen auf zehn angestiegen. Ein Verdienst vor allem von Jürgen Moog, selbst Kelkheimer, aber auch einer der Geschäftsführer im Präventionsrat des Main-Taunus-Kreises. Er hat sich das Projekt der Seniorensicherheitsberater, das vom Land angestoßen wurde, auf die Fahnen geschrieben und wirbt fleißig in der Sache. So wie bei den Hornauern Rosemarie und Karl-Heinz Sprungk. Sie kannten den ehemaligen MTK-Polizeichef schon. Und als er sie mal am Gartentor traf, war die Sicherheit in Kelkheim (siehe „Info“) schnell ein Thema. Rasch waren beide nach Moogs Anfrage mit im Boot. „Die Senioren sind mit die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft. Sie müssen gestärkt werden“, betont Rosemarie Sprungk. „Man lernt auch daraus“, ergänzt ihr Mann. Beide waren schon mal in einen Betrugsfall verwickelt, reagierten aber clever und hielten die Ganoven so lange hin, dass sogar die Polizei eingeschaltet werden konnte. „Die Erfahrungen möchten wir weitergeben“, sagen die Sprungks.

Auch Rolf-Egon Burger wurde von Jürgen Moog angeworben – an einem Infostand auf dem Marktplatz. Das sei für ihn so etwas wie eine „Initialzündung“ gewesen, sich des Themas anzunehmen. Da er – beruflich wie privat – schon immer „sicherheitsbewusst“ gewesen sei, habe er sich fürs Mitmachen entschieden, sagt der 72-Jährige. Und nutzt jetzt jede Gelegenheit, die Menschen anzusprechen, wenn sie allzu arglos mit ihrem Hab und Gut umgehen. „Man achtet plötzlich ganz anders auf die Umwelt“, weiß Burger. Das kann Rainer Brackmann aus Fischbach bestätigten. Auch er wurde am Infostand für die Tätigkeit begeistert, auch er berät gerne in Sachen Sicherheit. Denn ihn ärgere es, wenn vertrauensselige, ältere Menschen so schamlos ausgenutzt werden.

Neu mit im Boot ist außerdem Bernd Sievers aus Münster. „Alte Hasen“ von Beginn an sind hingegen Hannsfriedrich Braun, Walter Reuss, Renate Schessner und Klaus Fingerhuth. Braun hat als Seniorensicherheitsberater sogar schon zwei Vorträge gehalten und mit Schrecken festgestellt: Die älteren Menschen seien fast alles Betroffene. „Das ist viel schlimmer, als ich es mir ausgemalt habe.“ Er wolle nun den Menschen die Angst nehmen und ihnen Tipps fürs richtige Verhalten in Zukunft geben.

Was genau zu tun ist – es kann auch im neuen Faltblatt des MTK-Präventionsrates nachgelesen werden. Jürgen Moog ist mit der Entwicklung in Kelkheim und im Kreis bereits zufrieden. Es gibt bereits 600 Präventionsprojekte im Kreis, knapp 50 in der Möbelstadt. Fast 100 Seniorenberater seien im MTK seit Juni geschult worden. Jeder solle über seine privaten Netzwerke dann die Menschen informieren, „das ist großflächiger, als das die Vorträge der Polizei tun können“. Moog weiß: „Wir müssen in die Haushalte.“ Denn das Problem mit den Betrugsfällen gegenüber Senioren sei „gewaltig“, das Konzept klar: „Ältere Menschen müssen auf Augenhöhe mit älteren Menschen sprechen.“

(wein)

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