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Auf einer der kleinen Brücken feierten die Bürger die Renaturierung des Liederbachs in der alten Stadtmitte.

Einweihung in Kelkheim

Renaturierung des Liederbachs ist nun offiziell abgeschlossen

Zu der Einweihung des Teilstücks zwischen Liederbachstraße und Mühlstraße kamen neben zahlreichen Anliegern auch der ehemalige Bürgermeister Thomas Horn.

Die Liederbach-Renaturierung ist eines der größten Bauprojekte im Herzen der alten Stadtmitte. Sie ist die am Freitag offiziell abgeschlossen worden. Bürgermeister Albrecht Kündiger, der seit Sommer vergangenen Jahres im Amt ist, zollte bei der Einweihung des Teilstücks zwischen der Liederbachstraße und Mühlstraße im Beisein von vielen Anwohnern seinem Vorgänger Thomas Horn großen Respekt: Dieser wollte sich mit eigenen Augen von der Sache ein Bild machen und war gerne gekommen. Der Alt-Bürgermeister hatte sich schon vor langer Zeit für dieses Projekt starkgemacht. Es schlägt mit insgesamt 3,5 Millionen Euro zu Buche.

Die Stadt selbst muss davon allerdings nur 1,4 Millionen Euro übernehmen. Den Löwenanteil in Höhe von 2,1 Millionen Euro trägt das Land Hessen im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Verbaut worden sind dafür in den vergangenen drei Jahren an dieser Stelle insgesamt 1500 Kubikmeter Beton und 210 Tonnen Baustahl. 4500 Kubikmeter Aushub mussten aus dem Bachbett ausgebaggert werden, das jetzt auf der gesamten Teilstrecke wieder oberirdisch verläuft.

Früher lief der Bach unter der Schreinerei Diehl und dem angrenzenden Sägewerk hindurch. Die neue große Betonwanne sorgt obendrein dafür, dass der Liederbach in diesem Bereich nicht mehr für Überschwemmungen sorgen kann, wie das in der Vergangenheit immer wieder der Fall war.

„Ohne den Landeszuschuss hätten wir die Maßnahme nicht durchgeführt“, erinnerte Kündiger an das Prozedere bis zur endgültigen Entscheidung für die Maßnahme vor acht Jahren. Der neue Rathaus-Chef bedankte sich bei der Einweihung bei den Anwohnern für ihre große Geduld mit der Großbaustelle. Kündiger gab zu, dass er sich selbst noch im Bürgermeisterwahlkampf nicht habe vorstellen können, dass das „tatsächlich mal so eine tolle Sache werden würde“, wie es Bauamtsleiter Patrick Büttner in all den Jahren immer wieder gebetsmühlenartig betont hatte.

Kündiger ging sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnete den neugestalteten Bereich zwischen der Liederbach- und Mühlstraße als „innerstädtische Wohlfühlfläche“. „Und Frau Lauer hat jetzt sogar eine neue Brücke, die die nächsten 100 Jahre hält“, sagte der Bürgermeisterin. Die 97-jährige, die mit ihrem Haus in der Mühlstraße 17 während der Bauarbeiten zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten war, hatte alles von ihrem Fenster aus haarklein verfolgen können. Umso mehr freute sich die hochbetagte Anliegerin zusammen mit den Nachbarn über die kleinen Brücken zu den Häusern, die zusammen mit der großen Brücke über die Weberstraße fertig geworden sind. „Das hat sich gelohnt“, war sich Katharina Lauer zusammen mit dem Bürgermeister einig, der mit der Begrünung der Betonwanne im kommenden Frühjahr auch eine optische Aufwertung versprach.

Kündiger hatte aber auch einen Wermutstropfen zu verkünden. Denn mit dem Baustellenverkehr wird wegen des kleinen Neubaugebiets in der verlängerten Liederbachstraße noch nicht Schluss sein, dort sollen rund 16 Wohneinheiten entstehen. Auch das blaue Geländer am Liederbach hat für Diskussionsstoff gesorgt, weil die Farbe nicht jedermanns Sache ist.

Einige Beschwerden gab es anfangs auch wegen der ungewohnten Fließgeräusche auf dem freigelegten Stück des Liederbachs, die nach der Versetzung von einigen Wasserbausteinen aber wieder abgeklungen sind. Alles in allem ging es bei der Einweihung, für die die Stadt als Dankeschön an die Anlieger Brezeln und Bier spendiert hatte, deshalb ziemlich harmonisch zu. Denn auch die Glascontainer werden hier nicht vermisst. Sie mussten der Baustelle weichen und stehen jetzt am Mittelweg.

(wom)

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