Völker Böttger hinter einer Auswahl seiner vielen Gläser, die sogar andere Formen haben.
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Völker Böttger hinter einer Auswahl seiner vielen Gläser, die sogar andere Formen haben.

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Ruppertshain: Ein "durstiger" Ausflug weckte sein Sammelfieber

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Volker Böttger ist zweifacher Apfelweinkönig, keltert selbst und hütet viele besondere Gerippte.

Ruppertshain. Er trinke nur ein Glas Apfelwein am Tag, sagt Volker Böttger. Und holt das passende Gerippte hervor: Es ist ein Zwei-Liter-Glas, zeigt der Ruppertshainer schmunzelnd. Auch wenn er sich diese Menge sicher nicht täglich gönnt, so bestimmt das Stöffche einen Teil seines Lebens: Böttger keltert, ist zweifacher Apfelweinkönig in Kelkheim und sammelt Gläser. Bei ihm dominiert das Thema, ein alter Bembel-Kalender hängt an der Wand, ein gefüllter Behälter steht bereit, und die gut 350 Gläser sind in der Vitrine sofort ein Blickfang.

Mal 400, aber mal auch 2500 Liter

Die Böttgers und das Keltern - es ist eine Familientradition. Schon sein Opa Hans und Oma Emma haben aus den Äpfeln der eigenen Streuobstbäume Äppler gemacht. Seine Eltern Inge und Peter sind noch dabei. Mit den Söhnen Nicolas und Justin steht die vierte Generation längst bereit. Er sei schon als Bub mit an den Bäumen gewesen, erinnert sich der 54-Jährige. Als er den Führerschein hatte, habe er die Äpfel zum Keltern zum Rudi ans Gasthaus "Zum kühlen Grund" transportiert. Inzwischen hat Böttger eine eigene Presse, ist die Familie noch etwas professioneller aufgestellt. In diesem Jahr sei die Ernte eher bescheiden gewesen, dann gibt es vielleicht nur 400 Liter. In den besten Zeiten waren es 2500. Einige Sorten wie Boskopp oder Schafnase werden gemischt. Die Bäume auf der Wiese werden gepflegt und, wenn fällig, eben ausgetauscht, berichtet er.

Ein Fassanstich mit der ganzen Familie im Januar oder Februar ist dann Pflicht. Eine möglichst lange, kühle und dunkle Lagerung hält Böttger für sehr wichtig. Zudem sei die Sauberkeit der Gefäße das A und O. "Es ist kein Hexenwerk", findet der Ruppertshainer, der seine Freundin Kerstin längst begeistert hat. Birnen oder Quitten beizumischen, das sei für ihn ein "No-Go". Und er will den Apfelwein "lange stehen lassen, damit er schön klar wird".

Offensichtlich hat Böttger das richtige Prozedere gefunden, denn 2018 und 2019 wurde er Kelkheimer Apfelweinkönig. Beim Stadtmarkt hatten sich die Bürger für sein Stöffche entschieden. Er selbst findet es interessant, "wie schwierig es doch ist, den eigenen Apfelwein herauszuschmecken". Das hänge ganz stark von der Probe davor ab. Bei einem Wettbewerb in Sachsenhausen habe er mal die Reihenfolge selbst bestimmen können. Das sei gut, um zu sehen: "Wie gut sind die anderen? Auf welchem Niveau liegt man da?"

Böttger wurde bereits angesprochen, ob er den Ebbelwoi verkaufen wolle. An seinem Haus an der Robert-Koch-Straße würde sich vielleicht ein kleiner Hofladen anbieten. Doch bisher sei das kein Thema, kommen nur Freunde und Bekannte als Geschenk in den Genuss. Vielleicht aber wird die Palette größer: Die Familie hat sich erstmals an Apfelessig herangetraut, dazu Trester mit Wasser und Zucker versetzt. Böttger ist gespannt. Auch einen Apfelsekt will er, nach einem ersten Versuch, noch einmal angehen. Trinkgefäße hat er jedenfalls dafür genug. Rund 350 Gläser seien es derzeit, wobei die Sammelleidenschaft entfacht ist. Die Vitrine soll vergrößert werden, damit mehr Gerippte zur Geltung kommen. Da finden sich dann Werbegläser von der Frankfurter Neuen Presse ("Lesestöff'che"), Kaufhof, Horton und dem "Fluggi-Land" des Flughafens direkt neben Raritäten wie einem Glas mit der Wirtin vom Gimbacher Hof, dem "alten Maintaler" von Höhl, den es nicht mehr gibt, oder dem der Kelterei "Matsch und Brei". Einige Gefäße sind genoppt, andere haben die Form eines Bierhumpens. Auf einem Thron hat Böttger stets das aktuelle Exemplar platziert.

Kontakt mit Sammler Krause knüpfen

Wie er zum Sammler geworden ist? Als junger Mann habe er mal beim Museumsuferfest in Frankfurt "viel Durst gehabt". So marschierte er von Stand zu Stand, konnte sein Apfelwein-Pfandglas dort aber jeweils nicht abgeben. Den Weg zurück über die Meile scheute er am späten Abend - nahm dann also sieben Gläser mit nach Hause. Aus dem Keller wanderten sie später zur Präsentation nach oben - und Böttger nutzt jede Gelegenheit, Nachschub zu erwerben. Kontakt knüpfen will er nun mit dem Kelkheimer Helmut Krause, der bereits mehr als 1100 Gläser gesammelt und ein kleines Apfelwein-Museum eingerichtet hat. Vielleicht können die passionierten Stöffche-Fans bei einem guten Gläschen ins Tauschgeschäft kommen . . .

Kelkheim-Motive: Gimbi-Wirtin, OGV Fischbach.

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