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„Unsere Lieblings-Bäckerei soll bleiben“: Baustelle weckt Zukunftsängste

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Von: Frank Weiner

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Bürgermeister Albrecht Kündiger bespricht mit Bäckermeister Thomas Ungeheuer die Situation, wenn die Robert-Koch-Straße vermutlich ab Herbst saniert wird.
Kein Betrieb soll in Großbaustellen-Zeit schließen. © wein

Eine Großbaustelle in Ruppertshain (Taunus) treibt Kunden und Betreiber einer traditionellen Bäckerei die Sorgenfalten auf die Stirn.

Ruppertshain – Weil es umfangreiche Baumaßnahmen in Ruppertshain bei Kelkheim geben soll, fürchten Unternehmen um ihre Existenz. „Unsere Lieblings-Bäckerei soll bleiben!“ Die kleine Mitteilung mit dieser Überschrift hängt an der Theke in der Bäckerei Ungeheuer. Ein Kunde ruft darin die anderen Freunde Ruppertshainer Backwaren dazu auf, doch zur „Rettung“ des Geschäfts beizutragen. Mit den Unterschriften soll für einen „lösungsorientierten Austausch“ der Unternehmer mit der Stadt und der Behörde Hessen Mobil geworben werden.

Wenn die Robert-Koch-Straße umfangreich saniert wird, sei Bäcker Ungeheuer teilweise von der Außenwelt abgeschnitten oder schwer erreichbar. Die Unterschriften-Sammler wollen auf keinen Fall, "dass der letzte ,echte' Bäcker im Umkreis sein traditionsreiches Handwerk aufgeben" muss. "Das wäre ein großer Verlust für uns alle."

Großbaustelle im Taunus weckt Sorgen um Bäckerei: Unterschriften von Bürgern gesammelt

Binnen weniger Tage seien schon mehr als 200 Unterschriften zusammengekommen, zeigt Ines Ungeheuer beim Besuch dieser Zeitung auf die vielen Zettel. Das hat sich natürlich auch bis ins Rathaus zu Bürgermeister Albrecht Kündiger herumgesprochen. Der fackelt nicht lange und besucht kurz nach dem Erhalt der Information die Ungeheuers an ihrem Ruhetag. Die wichtigste Nachricht schickt er vorweg, wiederholt sie mittendrin und am Ende sowie später im Ausschuss (Text rechts) noch einmal: Die Bäckerei werde hier sicher keine zwei Monate, auch gewiss keine zwei Wochen unerreichbar sein.

Vielleicht müssten während der Arbeiten mal für einen oder zwei Tage individuelle Lösungen gefunden werden. "Aber ich garantiere Ihnen, dass die Anlieferung gewährleistet ist." Es sei alles mit der Bauleitung abgesprochen, dass alle Betriebe, auch Ärzte, das Lokal, der Obst- und Gemüseladen, während der Sanierung weiter existieren können. Dass Kunden ein paar Meter mehr laufen müssten, das sei während einer solchen Maßnahme kaum zu verhindern, so Kündiger.

Straßensperrung. (Symbolbild)
Ruppertshainer Großbaustelle sorgt für Unmut. (Symbolbild) © Christoph Hardt/ IMAGO

Wegen Straßenbau in Ruppertshain (Taunus): Angst vor fehlenden Bäckerei-Kunden wächst

Als Ines und Thomas Ungeheuer den Bürgermeister an ihrem Ruhetag empfangen, ist gerade wieder eine große Lieferung Mehl ausgeladen worden. Die Lastwagen hätten ihre festen Routen, sorgt sich der Chef um die Flexibilität während der Bauzeit. Er würde daher gerne die Anlieferung auf der anderen Hausseite ermöglichen und ein Geländer dafür entfernen. Der Bürgermeister zeigt sich offen, mit dem Bauamt werde es Lösungen bei kniffligen Fällen geben, kündigt er an - auch wenn die eigentlichen Arbeiten diese Stelle wohl erst in gut einem Jahr erreichen werden. Für den grundsätzlichen Baubeginn rechnet die Stadt mit Anfang September, wobei der Bürgermeister bei den Prognosen noch vorsichtig ist.

Die Ungeheuers und ihre Kunden machen sich bereits jetzt Sorgen. Sie denken während der Bauphase schon daran, einen mobilen Verkaufswagen vielleicht oben am Zauberberg aufzustellen. "Hier am Ort zu überleben, ist eh schon schwer", verweist der Bäcker- und Konditormeister auf gestiegene Preise für Energie und Rohstoffe. Ein Doppelzentner Mehl habe mal 35 Euro gekostet, jetzt habe die Mühle eine Tendenz von bis zu 80 Euro angekündigt, weiß der Chef.

Großbaustelle in Ruppertshain (Taunus): Schwierige Zeiten und Nachfolge

Doch die Ungeheuers haben sich in genau 103 Jahren einen Namen gemacht. Wenn Raimund Dorn in Münster Ende 2022 aufhört und an Heislitz übergibt, sind sie der letzte in Kelkheim selbst produzierende Bäcker. Zuvor haben die Kollegen Neuhaus in Ruppertshain und Wittekind in Fischbach geschlossen oder an Heislitz aus Kriftel übergeben. In Königstein endete vor wenigen Jahren die Geschichte der Bäckerei Hees. Auch für den Betrieb Ungeheuer ist keine Nachfolge in Sicht. Es kämen viele Kunden längst aus den umliegenden Orten, weiß Ines Ungeheuer und sorgt sich: Meiden diese Käufer dann die Bäckerei, wenn die Ortsdurchfahrt zur Großbaustelle wird?

Weitere Themen in Ruppertshain (Taunus): Raser und Parkplätze

Der Bürgermeister kann die Sorgen nachvollziehen. Er hat selbst früher mal Brot ausgefahren und weiß auch um diese Problematik. Doch er will sich nun verstärkt kümmern. Die Ruppertshainer freuen sich zwar auf eine irgendwann runderneuerte Straße, wie auch die Ungeheuers betonen. Sie haben aber auch rechtzeitig nun Alarm geschlagen, damit die wenigen Betriebe weiter existieren können. Da sind die Raser auf der Straße oder die zweckentfremdeten Parkplätze vor der Tür eher noch die kleineren Probleme.

Großbaustelle in Ruppertshain (Taunus): Baubeginn im September geplant

Auch im Ausschuss für Infrastruktur wurde der Umbau der Straße thematisiert. Bürgermeister Albrecht Kündiger sicherte dort den Firmen ebenso zu, dass die Erreichbarkeit gewährleistet werden soll. Er sprach von einer "gewissen Unruhe" aufgrund der nahenden Baustelle, die "Sorge ist schon spürbar". Wie Bauamtsleiter Patrick Büttner präzisierte, seien die Unterlagen für die Ausschreibung fertig. Dort sei als Baubeginn der 5. September angegeben.

Nach den ersten Planungen, die von der Stadt im August 2021 vorgestellt wurde, sollte der Startschuss im Juli/August 2022 fallen. Kelkheim war ins Förderprogramm des Landes gerutscht, nachdem es zuvor Jahre vergeblich gehofft hatte. Die Bauabschnitte 1 und 2 betreffen den Ortseingang aus Fischbach bis vor die S-Kurve im Ortskern. In Runde 3 kommt der zentrale Bereich ums Alte Rathaus mit viel Platz und einer 7,50 Meter breiten Fahrbahn sowie dem Nadelöhr an der Bäckerei an die Reihe. Das Finale ist die gerade Strecke bis hoch zum Zauberberg. Zwei Jahre Bauphase sind eingeplant.

Im Ausschuss gab es noch den Vorschlag, vielleicht dieses Projekt zeitlich mit dem umstrittenen Bauvorhaben am Ortsausgang Lorsbach plus einjähriger Sperrung der L 3011 zeitlich zu koordinieren. Kündiger und Ordnungsamtsleiter Torsten Kleipa rechnen mit viel mehr Verkehr, wenn es dort 2023 losgehen soll. Aber die Ruppertshainer warten auf ihr Projekt, dort werde nichts gebremst. (Frank Weiner)

Auch in Kelkheim gehen Planungen voran. Der Bürgermeister von Kelkheim hat jüngst verlauten lassen, dass es vier neue Straßennamen geben soll und ein Großprojekt gestoppt wird.

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