Pläne "begrüßen" Politiker und Besucher in Ruppertshains Kirche, die zur Kita werden soll.
+
Pläne "begrüßen" Politiker und Besucher in Ruppertshains Kirche, die zur Kita werden soll.

Ausschüsse:

Ruppertshain: Keine Entscheidung bei "Polit-Talk" im Gotteshaus

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
    schließen

Kita-Umzug in Kirche: Politiker haben einige Fragen, aber ihre Tendenz geht zur Freigabe der städtischen 1,5 Millionen.

Ruppertshain. Dort, wo normalerweise Pfarrer Josef Peters predigt, hat Michael Trawitzki als Sitzungsleiter Platz genommen. Vor dem Altar steht eine Leinwand, in den Bänken nahmen zwar auch Kirchenleute Platz, aber zudem viele Kommunalpolitiker und interessierte Bürger. Es ist schon eine besondere Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses und des Sozialausschusses an diesem Mittwochabend in der Ruppertshainer Kirche. Doch es ist auch ein wichtiger Termin: Hier geht es um rund 3,85 Millionen Euro. So viel sollen der Umbau des Gotteshauses samt Umzug der benachbarten Kita dorthin sowie die Gestaltung eines separaten Sakralraums für Gottesdienste kosten. Und die Stadt soll sich mit 1,54 Millionen beteiligen - der Hälfte des Kita-Projektes.

Wegen dieser stolzen Summe haben noch einige Parlamentarier Bauchschmerzen - da kommt die Sitzung an Ort und Stelle mit Präsentation gerade recht. Doch nach gut zwei Stunden ist die Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen. Schon am Montag, 14. September, im Parlament zu entscheiden - das geht einigen dann doch zu schnell. Deshalb wird das Votum auf den Oktober vertagt. Das Bistum sagt zu, bis dahin weitere Details zu liefern und Fragen zu beantworten.

Einige kann Peter Steinhauer aus der Finanzabteilung des Bistums bereits in seiner Präsentation klären. Die Kita aus dem Jahr 1958 habe nur noch eine eingeschränkte Betriebserlaubnis, eine Sanierung sei wirtschaftlich nicht vertretbar. So kam die Kirche auf ein "ungewöhnliches Projekt": Umzug in die Kirche, die 1965 erbaut wurde und nicht unter Denkmalschutz steht. Die Hülle des Gebäudes und der markante Solitär-Turm sollen erhalten bleiben, erläutert Steinhauer. Dabei sei das Urheberrecht des Erbauers, auf das dessen Erben noch zwölf Jahre Anspruch haben, zu beachten. Nach Absprache seien aber neue Fenster in den Außenwänden möglich, um viel natürliches Licht in die Kita zu lassen, berichtet Architekt Helmut Mohr später.

In Deutschland sei das Projekt nicht einzigartig, weiß Steinhauer. Für das Bistum habe es aber schon "Pilotcharakter". Deshalb habe die Kirche seit 2016 mit der Stadt eng zusammengearbeitet, sämtliche Unterlagen dort als Bauherr präsentiert. So hat es mehrere Gutachten zu Schadstoffen und dem Dach gegeben. Das Haus ist in Ordnung, die Nutzung gering. 40 bis 50 sonntägliche Gottesdienst-Besucher sind es. Bei rund 1000 Katholiken in Ruppertshain ergibt sich laut Steinhauer eine Quote, die leider normal für das Bistum sei, weiß er. Auf der anderen Seite verwalte Limburg rund 1500 Gebäude mit einem Planversicherungswert von etwa 1,5 Milliarden Euro. Da ist das Bistum froh über andere, nachhaltige Nutzungen. Auch das Kita-Team im Bistum habe sich von der Idee überzeugen lassen.

Steuerungsgruppe vorgesehen

Für das Projekt müssen die Kirche profanisiert und der Sakralraum wieder geweiht werden. Dort ist Platz bis 90 bis 100 Gäste, ausreichend für Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten, so die katholische Gemeinde St. Franziskus. Den Bereich verantwortet die Kirche, das soll bei Betriebskosten getrennt abgerechnet werden, so Steinhauer. Um sie zu senken, wird eine Pelletheizung eingebaut. Rund 1000 Quadratmeter nutzt die Kita, 250 die Kirche. Der Kindergarten-Außenbereich mit den weiterhin links angeordneten Parkplätzen kommt wie bisher auf rund 570 Quadratmeter.

Den schauen sich die Politiker und Besucher in einer Sitzungspause an. Architekt Mohr erläutert, dass die Kinder vor und rechts unterhalb der Kirche spielen können. Eine Rutsche vom innen eingezogenen ersten Stock mit dem Turnraum sollte nach unten führen, was aus statischen Gründen nicht geht. Rutschen können die Kleinen vom oberen aufs untere Außengelände.

Vor der Kirchentür läuft die kurze politische Diskussion. Zur alten Fassade mit neuen Fenstern sagt Pfarrer Klaus Waldeck: "Die Kirche wird Veränderung erfahren, aber das Wesen nicht verändern. Das Tageslicht ist uns wichtiger, als dass der Bau genau so bleibt, wie er ist." Mit den Naturlicht-Flächen liegt die Gemeinde weit über Norm. Das Dach wiederum hält laut der Gutachten "noch 40, 50 Jahre", betont Mohr.

Die Frage, ob nicht ein Teil der Kirche für die Kita abgetragen werden könne, ist schnell erledigt: Da steht das Urheberrecht entgegen. Abgerissen wird dann aber die alte Kita, wo zur Finanzierung Wohnraum geplant ist. Es gibt aber auch Ideen für einen Dorfplatz dort, eine Entscheidung ist nicht gefallen. Und die Kirchengemeinde ist zu guten Gesprächen mit der Stadt wegen ihrer Fläche bereit.

Was macht diese Lösung so teuer?

Doch eine Frage kann nicht ganz beantwortet werden: "Was macht diese Lösung besonders teuer?", will CDU-Mann Michael Jung wissen. Eine neue Kita auf der "grünen Wiese" habe die Stadt in Münster zuletzt günstiger gebaut. "Wir wollen die Kostentreiber verstehen, um zu Steuergeldern ,Ja' sagen zu können", so Jung. Kritik kommt von FDP-Mann Trawitzki: Die Kita komme gerade recht, um die Kirche erhalten zu können. Es sei eine politische Entscheidung, zur markanten Kirche zu stehen, so Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW). Die Gemeinde sei nicht verpflichtet, eine Kita vorzuhalten, die Stadt schon, sieht er eine mehrfache "Win-Win-Situation". Alles werde nach neuen pädagogischen Standards umgesetzt. Um die Kosten genau im Blick zu haben, soll eine Steuerungsgruppe eingerichtet werden. Unter dem Strich sieht die Mehrheit das Vorhaben wohl positiv. Die CDU bekannte sich gleich am Abend noch dazu, alle anderen Fraktionen haben nun noch etwas mehr Bedenkzeit. Vielleicht hilft bei der Entscheidung ja auch Steinhauers Ankündigung, dass Zuschüsse von bis zu 100 000 Euro für jede der drei Kita-Gruppen noch drin seien.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare