Im Juni 2019 wurden die Pläne für die Kita in der Ruppertshainer Kirche vorgestellt.
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Im Juni 2019 wurden die Pläne für die Kita in der Ruppertshainer Kirche vorgestellt.

Politik:

Ruppertshain: Mehr als 3,8 Millionen Euro für das Kita-Kirche-Projekt

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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FDP hat viele Fragen und sieht Pläne inzwischen kritisch.

Ruppertshain. In dieser Woche legen die politischen Ausschüsse wieder los. Ein Thema dürfte dort neu ins Visier geraten, das bisher vor allem hinter den Kulissen besprochen wurde. Die Katholische Kirchengemeinde St. Franziskus plant, den maroden Ruppertshainer Kindergarten "Sancta Maria" abzureißen und die Einrichtung in die Kirche umziehen zu lassen. Ein seltenes, aber nicht mehr unumstrittenes Projekt. Denn vor allem die Kosten stoßen nun der FDP-Fraktion auf. In der Vorlage für den Sozial- (26. August, 20 Uhr) und den Haupt- und Finanzausschuss (27. August, 20 Uhr, jeweils Plenarsaal) werden die Kosten mit nun 3,85 Millionen Euro beziffert. Davon entfallen knapp 3,1 Millionen auf die Kita und 760 000 Euro auf einen Sakralbereich, der erhalten bleiben soll. Die Hälfte für den Kindergarten, gut 1,5 Millionen, müsste die Stadt beisteuern. Das soll nun die Politik absegnen.

Vieles stößt der FDP auf. Nur die Gesamtkosten mitzuteilen und nur Entwurfspläne auszuhändigen, das nimmt sie "mit Verwunderung zur Kenntnis", sagt Fraktionschef Michael Trawitzki. "Denn nach über zweieinhalb Jahren Vorarbeit, die ausschließlich im Magistrat stattfand, ist es eine Zumutung, mit so wenig Informationen ein solch außergewöhnliches Projekt zur Beurteilung vorzulegen." Die FDP sieht das Thema zudem im Bauausschuss. Dort nicht zu beraten, sei "rätselhaft, denn hier sitzen die Fachleute, die eine solche Maßnahme und die Kosten für die Stadt am besten beurteilen können", so Trawitzki. Bürgermeister Albrecht Kündiger betont, die Stadt sei nicht Bauherr und nimmt zu anderen Kritikpunkten Stellung (Text rechts). Probleme listet die FDP aus ihrer Sicht auf:

Eine lange Liste an Sorgenpunkten

Wie sich die Gesamtkosten von fast 4 Millionen Euro zusammensetzen, bleibe offen. Wichtig seien zum Beispiel Angaben zu Brandschutzmaßnahmen.

"Da die Kirche in einer Zeit gebaut wurde, in der schadstoffreiche Baustoffe verwendet wurden, sollte durch ein entsprechendes Gutachten belegt werden, dass dieser Problematik ausreichend Rechnung getragen wurde", fordern die Kelkheimer Liberalen.

Es sei nicht klar, ob das Bistum mit dem Sakralbereich einverstanden ist oder es sich hier um einen Wunsch der Kirchengemeinde handelt. Das Bistum hat die Kirche auf eine "rote Liste" gesetzt, so dass sie nicht förderungswürdig ist. "Der Sakralbereich soll eine Größe haben, die für kirchliche Feste wie Kommunion, Taufe, Hochzeit nicht geeignet ist", hat die FDP erfahren.

Es liege keine Information vor, dass die Kirche vom Bistum entweiht wurde oder wird. Dies sei jedoch Voraussetzung für die Nutzung als Kindergarten. "Ein solches Verfahren kann sich bis zu drei Jahren hinziehen", weiß Trawitzki nach den Recherchen durch Stadtrat Heinz Kunz. Somit dürften die Kosten steigen.

Auch gebe es keine Angaben zu Unterhaltungs- und Nebenkosten.

Die FDP hat Ende 2017 den Beschluss mitgetragen, ein Projekt "Kindergarten in der Kirche" zu prüfen. "Seit dieser Zeit gab es viele - leider inoffizielle - Informationen über die Probleme, die bei einer solchen Nutzungsänderung und dem damit verbundenen Umbau auftreten können, so dass wir heute dieses Projekt eher zurückhaltend bewerten", so die FDP. Ohne Antworten werde es nun keine Zustimmung geben. Daher regt die FDP an, zu prüfen, ob der Kita-Neubau an alter Stelle nicht eine bessere Alternative ist. Es gebe "Sicherheit, ein Gebäude zu beziehen, das über lange Zeit den notwendigen Ansprüchen gerecht sein wird". Ob ein "veraltetes Kirchengebäude, das nun eine neue Funktion erhalten soll, dies erfüllen kann, erscheint zumindest fraglich".

Bürgermeister hat "sehr gutes Gewissen dabei"

"Das muss man politisch wollen oder nicht wollen", sagt Bürgermeister Albrecht Kündiger zum Umzug des Ruppertshainer Kindergartens in die Kirche. Es sei wichtig, die "Kirche zu erhalten, weil sie prägend ist", den Gottesdienst-Raum für 90 Personen zu schaffen, der für die Katholiken und sogar Protestanten eine wichtige Rolle spiele. Und natürlich müsse die Stadt die Kita-Plätze vorhalten. Das alles sei sie der engagierten Kirchengemeinde "schuldig", findet Kündiger.

Würde die Stadt auf der "grünen Wiese" eine Kita bauen, wäre das teurer als die 1,5 Millionen Anteil, zumal er kein Grundstück habe, so der Bürgermeister. Allerdings sei die Stadt nicht der Bauherr, weshalb sie die Zahlen von der Kirche erhalte. Die gesamte Aufschlüsselung könne aber eingesehen werden und sei im Rathaus genau geprüft worden. Auch die Gutachten zu Schadstoffen seien "ausreichend". Kündiger: "Ich habe ein sehr gutes Gewissen dabei."

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