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Ruppertshain: Mehr Speicherplatz beugt dem Wassernotstand vor

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Von: Frank Weiner

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Wassermeister Christian Schmitt erläutert dem Ersten Stadtrat Dirk Hofmann und Horst Schmidt-Winterstein (li.) den neuen Hochbehälter.
Wassermeister Christian Schmitt erläutert dem Ersten Stadtrat Dirk Hofmann und Horst Schmidt-Winterstein (li.) den neuen Hochbehälter. © Michel

Stadt ruft trotzdem bereits auf, das Gut sorgsam zu nutzen.

Ruppertshain. Erster Stadtrat Dirk Hofmann und Rathaussprecherin Christine Michel haben sich jetzt den gerade in Betrieb genommenen Wasserspeicher im Hochbehälter Ruppertshain angeschaut. Dabei haben sie anhand der Daten ablesen können, dass Ruppertshain und Eppenhain 30 Kubikmeter Wasser verbraucht haben, aber nur 22 nachgeflossen seien, berichteten sie. Deshalb gibt das Rathaus bereits den Appell heraus, dass die Kelkheimer mit ihrem Trinkwasser vernünftig haushalten sollten. "Es ist trotz der jetzt größeren Bevorratung nicht unendlich verfügbar."

Mit dem neuen Speicher will sich die Stadt für Engpässe, wie es sie in den heißen Sommern 2018 und 2019 gab, besser wappnen. Wenn die Bürger denken, "sie können aus dem Vollen schöpfen", liegen sie laut Hofmann falsch. Es sei weiter die Maßgabe, "behutsam mit dem Wasser umzugehen" und zu schauen, ob wirklich der Pool wieder gefüllt, der Rasen komplett gewässert werden müssen.

Mit einer Investitionssumme von rund 580 000 Euro hat die Stadt die Wasserspeicherkapazität in dem Hochbehälter um 200 erhöht, so dass nun 800 Kubikmeter Trinkwasser dort bereitgestellt werden können. Der alte Teil wurde von der Firma Franz über eine neue Bauweise verbunden. "Die Wasserspiegel kommunizieren miteinander", berichtete Wasserwerksmeister Christian Schmitt. Er zeigte Hofmann den Wasservorrat und erklärte im Beisein vom Stellvertretenden Leiter Axel Huppert und Dietmar Schmidt Winterstein vom Ingenieurbüro Lattisch, wie leicht die Rohre zu erreichen sind.

Idee für Wasser-Tag, Broschüre kommt

Zum Einbau der Röhren in den Hang mussten etwa 2000 Kubikmeter Erde bewegt werden. Ein Teil des Aushubs wurde zum Verfüllen der Baugrube zwischengelagert, der Rest abgefahren. Vorab wurde der alte Behälter durch den Einbau einer neuen Pumpstation aufgerüstet, was rund 55 000 Euro gekostet hat. Mit dem Pumpwerk wird Trinkwasser zum Hochbehälter Atzelberg, gefördert. Zusätzlich wurden Teilabschnitte der Verbindungsleitungen zum Atzelberg und von der Aufbereitungsanlage Schloßborner Straße erneuert, für rund 115 000 Euro. Die Erneuerung weiterer Leitungsabschnitte sind in Planung und werden zum Teil in diesem Jahr noch umgesetzt, informiert die Stadt.

Laut Hofmann will die Kommune mehr tun und ein noch stärkeres Bewusstsein schaffen, "über was für ein Gut wir da sprechen". So gebe es die Idee von Schmitt, in Kelkheim einen "Tag des Wassers" zu veranstalten, um die Anlagen und ihre Funktion vorzustellen. Zudem werde demnächst eine Nachhaltigkeitsbroschüre in der Stadt verteilt. Ziel sei es, dass die Menschen noch sorgsamer mit dem Nass umgehen, damit die Stadt nach den beiden kritischen Jahren mit extrem hohem Verbrauch und Lautsprecher-Mahnungen zum Sparen nicht erneut einen Notstand ausrufen muss.

Die allgemeine Entwicklung ist durchwachsen: Seit 30 Jahren sinkt der Verbrauch in deutschen Haushalten. "Im Jahr 1990 lag der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Bürger bei 147 Litern pro Tag. Zwischen 2007 und 2017 schwankte er zwischen 121 und 123 Litern pro Tag und Kopf. 2018 stieg der Wert auf durchschnittlich 127 Liter Wasser an." Das hat das Magazin "Chip" einmal zusammengetragen. Das Statistische Bundesamt nennt aktuell 128 Liter. Das Magazin führt noch einen Ländervergleich an: US-Bürger verbrauchen demnach durchschnittlich 295 Liter Wasser pro Tag und Kopf. In Österreich werden 162 und in Norwegen 260 Liter Trinkwasser verwendet.

Auf Nachfrage hat sich Hofmann die Kelkheimer Zahlen für 2021 geben lassen. Etwa 1,35 Millionen Kubikmeter Wasser wurden verbraucht. Knapp zwei Drittel davon, rund 887 000 Kubikmeter, muss extern beziehen. Bei 29 724 Einwohnern ergibt sich ein Jahresverbrauch von 45,35 Kubikmetern pro Einwohner und 0,12 am Tag - 120 Litern. Womit die Stadt unter dem Schnitt liegt.

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