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Dort, wo Gottesdienste sind und zuletzt die Politik mal tagte, werden künftig Kinder betreut.

Stadtparlament

Ruppertshain: Wegweisendes "Ja" zu Pionierprojekt im Bistum

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Nur Freie Wähler gegen Umzug von Kita in die Kirche - Stadtverordnete geben 1,5 Millionen Euro frei.

Ruppertshain. Die katholische Kirche St. Matthäus ist gerettet, der Kindergarten "Sancta Maria" auch. Das Stadtparlament hat grünes Licht für ein Projekt gegeben, das in Deutschland selten und im Bistum Limburg bisher einzigartig ist. Denn die in die Jahre gekommene Kita soll in das Gebäude der benachbarten Kirche umziehen. Ein sakraler Bereich im Gotteshaus soll aber erhalten bleiben. Die Politik hatte sich zunächst schwergetan mit der Freigabe des städtischen Anteils von mehr als 1,5 Millionen an den Kosten von 3,85 Millionen Euro. Doch nach einer Sondersitzung in der Kirche und zwei Präsentationen sowie Antworten des Bistums im Ausschuss stand eine deutliche Mehrheit von UKW, CDU, FDP und SPD. Einzig die Freien Wähler stimmten dagegen, während sich vier CDU-Leute enthielten.

Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) sprach von "einem guten Tag". Und zählte noch einmal alle Vorteile auf. "Die Pädagogen freuen sich auf die Möglichkeiten, die der neue Kindergarten bietet." Neben den drei Gruppen seien weitere durchaus möglich, sollte es mit Kita-Plätzen in den "Bergdörfern" Ruppertshain und Eppenhain mal eng werden. Für den Anteil von 1,5 Millionen hätte die Stadt zudem keinen neuen Kindergarten auf der "grünen Wiese" bauen können.

Kirchenerhalt wichtig für das Ortsleben

Die Kirche bleibe erhalten, das sei wichtig für das Ortsleben, das in kleineren Dörfern heute oft verlorengehe. Zur Verbesserung könnte auch die Planung des Geländes drumherum beitragen, wenn die alte Kita dann abgerissen ist. Hier sieht Kündiger "städteplanerisch eine große Möglichkeit". Der Verein "Stimme für Ruppertshain" hat dort einen Dorfplatz vorgeschlagen, die Kirche sich offen dafür gezeigt. Offen für das Projekt war letztlich auch die größte Fraktion UKW. "Unsere Bedenken, die wir am Anfang hatten, sind beiseitegeschoben worden", sagte Birte Reiter. Das Vorhaben gebe "beidem eine Chance": der Kita und der Kirche. Drei große Gruppenräume mit jeweils rund 60 Quadratmetern seien besonders, die pädagogische Leitung finde das Projekt "total klasse". Und es komme durch die bodentiefen, neuen Fenster auch genügend Licht in die Räume, so Reiter.

Bei der FDP konnten laut Fraktionschef Michael Trawitzki hingegen nicht alle Bedenken ausgeräumt werden. Sie spekuliert, "dass nicht das Wohl der Kinder, sondern der Erhalt der Kirche im Vordergrund gestanden hat". Und verweist auf das Thema Helligkeit sowie nicht geheizte Bereiche rund um den Turnraum im Obergeschoss. Möglichkeiten, in kleineren Gruppen zu spielen, hätten die Kinder nicht, so Trawitzki. Der Bürgermeister habe sich in drei Jahren der Planung sehr zurückgehalten. Er hätte zumindest einen Vorschlag für einen Neubau auf der "grünen Wiese" machen müssen, kritisierte der FDP-Mann. Dennoch stimmte die Fraktion zu, damit "die Kinder zeitnah die Kita haben".

"Wir haben ein gutes Konzept. Es bleibt ein attraktives Kirchengebäude erhalten und es gibt für die Kinder eine wirklich gute Unterbringung", betonte CDU-Fraktionschef Dirk Hofmann. Er hofft allerdings, dass die Kosten nicht ausufern und die städtische Beteiligung zu deckeln sei.

Auch die SPD sieht das Vorhaben sehr positiv. Fraktionschefin Julia Ostrowicki sieht "den Charme, dass die Kirche erhalten bleibt". Mit Neubauten habe Ruppertshain nach der Kosten-Explosion bei der neuen Schule ja keine guten Erfahrungen gemacht. Es sei nun zwar "baulich nicht das absolut Gelbe vom Ei", aber "eine interessante Lösung", so Ostrowicki.

"Raumkonzept nicht überzeugend"

Zu diesem Zeitpunkt deutlich dagegen sprachen sich die Freien Wähler (FW) aus. Laut Fraktionschefin Ivaloo Schölzel sei das "Raumkonzept nicht überzeugend". Es sei baulich "ein Kompromiss an den Altbau, da hätten wir für die Kinder was Besseres erreichen können". Es seien für drei Kita-Gruppen keine 1000 Quadratmeter insgesamt nötig. Das überdimensionierte Vorhaben sei eine "Ungleichbehandlung mit anderen Kitas", führte Schölzel aus. Vor allem aber hätten sich die FW eine ausführlichere Diskussion mit einer Alternativ-Planung für ein neues Haus gewünscht.

In einer Mitteilung forderten die Freien Wähler die Politik und das Bistum Limburg dazu auf, "die Beschlussfassung zu verschieben, bis Alternativen umfassend diskutiert und berechnet wurden". In dem Papier regten sie zudem an, den Zuschuss der Stadt Kelkheim nur auf die gesetzlich benötigte Kita-Fläche von maximal 600 Quadratmetern auf rund 800 000 Euro zu deckeln. Sonst könnten andere Träger das gleiche Recht später beanspruchen. Insgesamt wurde mit der Planung "der Eindruck erweckt, dieser Vorschlag sei alternativlos", was die FW anders sehen und deshalb als Einzige ihren Widerstand aufrechterhielten.

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