2,5 Millionen Euro

FDP ist die Sanierung des Pfarrzentrums zu teuer

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Kosten, die zu niedrig angesetzt sind. Zuschüsse, die noch nicht geflossen sind. Und ein Saal, der nicht gebraucht wird: Das sind einige Argumente der FDP.

Gestern Morgen haben Fraktionschef Michael Trawitzki und Stadtrat Heinz Kunz geschaut, ob die Plakate richtig sitzen. Seit wegen Tagen macht nun die FDP in der Stadt deutlich, wie sie zum Bürgerentscheid am 28. Oktober steht. „Nein zu einer teuren Sanierung des früheren Pfarrzentrums in der Feldbergstraße“ ist auf den Plakaten zu lesen. Sie können zwar in der Menge nicht an die Bürgerinitiative heranreichen, die für ein „Ja“ beim Entscheid wirbt. Aber sie sind größer und fallen daher ebenfalls schnell ins Auge – trotz des Plakatwaldes in Verbindung mit der gleichzeitigen Landtagswahl.

„Geld spielt keine Rolle? Für uns schon!“ – mit diesem Slogan vertritt die FDP nun öffentlich ihre Meinung, auf eine Sanierung des ehemaligen Pfarrzentrums an der Feldbergstraße zu verzichten. Dabei stützt sie sich auf die vielen Risiken bei den Kosten und der Finanzierung, die im Raum stehen. „Und die letztendlich die Stadt, also der Steuerzahler, zu tragen hätte“, sagt Trawitzki. Für die FDP macht er eine Rechnung auf, die sich auf Fakten, eigenen Einschätzungen und Erfahrungen stützt. Die Liberalen gehen nun bei der Sanierung des Gebäudes samt eines Einzugs des Museums von der Frankfurter Straße von Gesamtkosten von rund 2,5 Millionen Euro aus. Da seien die etwas weniger als 900 000 Euro für den Kauf von Haus und Grundstück von der Katholischen Kirche, plus eine Sanierung von 1,6 Millionen. Hier hatte der Kelkheimer Architekt Tobias Gillenkirch in seinem Gutachten vom April 2017 noch 1,2 Millionen genannt. Für „sehr unrealistisch“ hält die FDP diese Summe. So gebe es längst Preissteigerungen im Baugewerbe, zudem seien Gewerke nicht aufgeführt, sagt Trawitzki und nennt Klimatisierung und Lüftungstechnik, Einbruchsschutz oder Maßnahmen gegen die bekannte Feuchtigkeit im Keller. Auch sei das Außengelände mit 200 000 Euro zwar beziffert, jedoch nicht eingerechnet. Zuletzt halten die Liberalen 38 000 Euro für „Unvorhergesehenes“ beim Bau für zu niedrig. So veranschlagen sie unterm Strich 400 000 Euro an Zusatzkosten, „die früher oder später von der Stadt aufzubringen wären“. Das werde wohl eher noch übertroffen, so Trawitzki, denn auch der wichtige Bereich des Brandschutzes sei noch nicht thematisiert.

Zweiter großer Kritikpunkt der Freidemokraten ist die Argumentation der BI, auf erhebliche Zuschüsse zu setzen. Es gebe „bisher keine einzige Zusage“, so die FDP. „Das Risiko, dass diese dann doch nicht fließen werden, trägt natürlich die Stadt.“ Er ergebe daher keinen Sinn, eine Sanierung nur um der Fördergelder willen vorzunehmen.

Nächster FDP-Knackpunkt: die Folgekosten. Für ein Museum mit Kulturzentrum wurden 12 000 Euro genannt. „Diese Kosten fallen in dieser Höhe bereits jedoch jetzt schon an, und das bei einem Leerstand des Gebäudes und ohne regelmäßige Unterhaltungsmaßnahmen, die eigentlich notwendig wären“, hat die FDP über den Eigentümer, die Städtebauliche Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft, erfahren.

Parteichef Patrick Falk sagte im Parlament, dass die Stadt den großen Saal im Pfarrzentrum nicht als weiteren Veranstaltungsort brauche. Viele Räume stünden zu einem guten Teil leer. Dass Bürger schöne Erinnerungen an diese „gute Stube“ haben, kann Trawitzki verstehen. Dennoch habe die Katholische Kirche auf eine Sanierung verzichtet und lieber in Hornau neu gebaut. „Hier wurden scheinbar die Risiken erkannt, die in einer solchen Sanierung stecken.“ Stadtrat Kunz ergänzt, das Haus sei sicher nicht so erhaltenswert wie seinerzeit das Alte Rathaus in Münster: „Der Vergleich hält nicht.“

Die FDP spricht sich daher weiterhin für eine Bebauung des Areals aus, wobei die Art offen sei. Das könnten auch ein Mehrgenerationenhauses oder günstige Reihenhäuser in Erbpacht sein. In jedem Fall möchte sie das Geld für Pfarrzentrum und Museum gerne anders ausgeben – für Kindergärten, Vereine, soziale Einrichtungen sowie die Unterhaltung von Straßen, Gebäuden und Anlagen. Laut Trawitzki ist keine gemeinsame Initiative mit der UKW geplant. UKW-Chefin Doris Salmon hat aber angekündigt, dass auch die Gruppe aktiv werden will. Ein Informationsblatt und eigene Plakate sind geplant. Mit Infozetteln und Marktständen ist die FDP noch dabei.

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