Heidi Stögbauer mit der Fotografie ihrer Vorfahrin in der Aula der Eichendorffschile (EDS) Kelkheim.
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Heidi Stögbauer mit der Fotografie ihrer Vorfahrin in der Aula der Eichendorffschile (EDS) Kelkheim.

Geschichte einer Fischbacherin

Das Schicksal der Anna Schmitt

Eichendorffschüler beschäftigen sich mit der Nazi-Diktatur und mit und deren Konzentrationslagern. Aus ihren Erkenntnissen formten sie in Bühnenstück, das sich mit einer Ausstellung gut ergänzt.

Von Robin Kunze

Ganz schlicht an einer Wäscheleine im Foyer der Eichendorffschule hängen die Dokumente – Register, amtliche Briefe, Verzeichnisse. Sie erzählen die Geschichte der Kelkheimerin Anna Schmitt, die 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.

"Unglaublich"

„Von Fischbach nach Auschwitz“ taufte Historikerin Heidi Stögbauer diese Ausstellung, die sie vor der Premiere des Theaterstückes „Mala und Edek“ präsentierte. „Es ist unglaublich, was sich aus dieser Zeit an Schriftstücken noch alles finden lässt“, erklärt Stögbauer. Vor acht Jahren begann sie mit ihrer Forschung über Holocaust Opfer aus dem Main-Taunus-Gebiet und stieß dabei auf Anna Schmitt, die, wie sich später herausstellte, die Schwägerin ihrer Großtante war.

Über den „International Tracing Service“ (ITS; zu Deutsch: „Internationaler Suchdienst“) gelangte Stögbauer an wertvolle Dokumente, die Stück für Stück den Weg Anna Schmitts von Fischbach nach Auschwitz offen legten. Eines dieser Dokumente, ein Register für Mitmenschen jüdischen Glaubens, zeigt etwa, dass im Zeitraum von Juli bis September 1938 insgesamt 243 Juden im Main-Taunus-Kreis lebten. Viele davon lebten in Hofheim, Flörsheim und Bad Soden, in der Kelkheimer Spalte findet sich dagegen nur ein Eintrag: Anna Schmitt. „Aus einer Heiratsurkunde geht hervor, dass sie zunächst in Frankfurt heiratete“, berichtet Stögbauer. „1933 zog sie dann mit ihrem Mann Emil nach Fischbach.“ Wahrscheinlich habe das Ehepaar dort Schutz vor der Erfassung durch die Gestapo gesucht.

Doch Emil Schmitt wurde für eine Straftat verurteilt und kurz darauf inhaftiert. „Es muss sich um ein kleines Vergehen gehandelt haben, für das man heute höchstens eine Bewährungsstrafe bekommen würde“, erzählt Stögbauer. Sich zu verstecken war nun schwierig, und es trat der schlimmste Fall ein: Einem Brief des Landrats vom 19. Mai 1943 ist zu entnehmen, dass Anna Sara Schmitt in Schutzhaft genommen wurde und mit einer Rückkehr nicht zu rechnen sei.

„Eine Transportliste belegt dann, dass Anna Schmitt Ende September 1943 vom Frankfurter Hauptbahnhof aus nach Auschwitz gebracht wurde“, sagt Stögbauer. Eine am 11. November ausgestellte Sterbeurkunde dokumentiert Schmitts Tod am 15. Oktober.

Drei Vorstellungen

Gerne würde Heidi Stögbauer auch mehr über Anna Schmitts Geschichte vor der Zeit der Nazi-Diktatur berichten, ist diesbezüglich aber realistisch. „Ich weiß, dass sie mit ihrem Ehemann eine wohl gute Ehe in Frankfurt führte“, berichtet die Historikerin, „viel mehr lässt sich heute aber wohl nicht mehr finden.“ Die Suche gibt sie allerdings nicht auf. „Man will ja der Holocaust-Geschichte immer ein Stück Leben entgegensetzen“, so Stögbauer.

Genau dies tat das Theater Domino bei der anschließenden Premiere ihres neusten Stückes „Mala und Edek“. Es erzählt die historisch belegte Geschichte eines Paares, das im Konzentrationslager Auschwitz den Tod fand. Das Kammerstück schafft es dabei sehr gut, mit nur wenigen Mitteln einen Eindruck vom Innenleben der Auschwitz-Gefangenen zu vermitteln.

Drei Vorstellungen an der Eichendorffschule wird es noch geben. Am kommenden Freitag und Samstag hebt sich der Vorhang jeweils um 20 Uhr, am darauffolgenden Sonntag bereits um 16 Uhr. Der Eintritt in die Eichendorffschule (Lorsbacher Straße 28) kostet 10 Euro (ermäßigt: 8 Euro). Die kleine Ausstellung zu Anna Schmitt läuft parallel. Nach den Vorstellung folgt jeweils eine Gesprächsrunde.

Karten und weitere Informationen gibt es unter der E-Mail Adresse karten@theater-domino.de oder unter der Telefonnummer (0 61 95) 96 94 15.

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