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Jubel bei der UKW um Chefin Doris Salmon (schwarze Jacke) und die Stadträte Wolf-Dieter Hasler (l.) und Stefan Thalheimer (mit Schal). Auch wenn sie heute noch ein paar Prozente verlieren sollte, ist sie Nummer 1.

UKW mit Abstand stärkste Fraktion

Die "schwarze" Stadt wird "grün"

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Die Wählerinitiative legte 16 Prozent zu, während die CDU 15,2 Prozent verlor. Der zweite große Verlierer ist die SPD, die mehr als 10 Prozent einbüßte. Die FDP steigerte sich, die Freien Wähler ziehen nach der Pause vermutlich mit drei Kräften ins Parlament ein. Die Wahlbeteiligung stieg sogar leicht von 49,9 auf 50,7 Prozent.

Es war 18.37 Uhr, als im Plenarsaal das erste Kommunalwahl-Ergebnis aus der Stadtmitte auf dem Bildschirm stand: 46 Prozent für die UKW und nur 24,7 für die CDU. Wahlamtsleiter Torsten Kleipa nannte es ein „sehr überraschendes Ergebnis“, doch die wenigen UKW-Leute im Saal wollten noch keinen Trend erkennen. Hätten sie es mal getan: Denn an diesen Zahlen, die an einen Erdrutsch erinnern, sollte sich kaum noch was ändern. Die UKW wurde mit Abstand stärkste Fraktion im Rathaus. Sie kam auf 43,1 und legte 16 Prozent zu. Fast ebenso viel verlor die CDU auf der Gegenseite. Sie rutschte auf 30,1 Prozent ab und ist nur noch zweite Kraft. Diesen Rang hatte viele Jahre die SPD inne, jetzt ist sie nur noch Nummer 4, verlor mehr als 10 Prozent von 19,5 auf 9,4. Dritter im Bunde ist die FDP, die sich steigerte – auf 11,4 Prozent. Und wieder mit dabei sind die Freien Wähler (FW), die nach fünf Jahren Pause aus dem Stand auf sehr ordentliche 6 Prozent kamen.

Die „Wahlsiegerin“ kam erst spät ins Rathaus. Dann wurde UKW-Fraktionschefin Doris Salmon erst mal von allen Seiten geherzt. Die genauen Zahlen wusste sie noch gar nicht. Das Kreisblatt verschaffte Abhilfe. „Das ist nett“, so ihr erster Kommentar, um dann gewohnt tiefstapelnd hinzuzufügen, dass rund 40 Prozent der Wahlzettel ja noch nicht ausgezählt seien.

Zum Sieg ließ sich Salmon aber doch gerne gratulieren. „Das sind schon hohe Erwartungen. Aber wir glauben, wir können sie erfüllen.“ Eine neue Politik, „ökologisch anders und sozial gerechter“, sei nun möglich. Die Gründe? Der Bürgermeister-Effekt habe „ein bisschen“ eine Rolle gespielt. „Aber wir hatten ein UKW-Team, das den Leuten gesagt hat, wir meinen es ernst. Wir sind für die Kelkheimer da und nicht für Eigeninteressen.“ Zudem hätten sich die Wähler „nicht von der Schmutzkampagne der CDU beeinflussen lassen“. Bei den Stadtteiltreffen ist laut UKW-Mann Robert Stögbauer, der zuvor mit einem lauten „Yippiajeh“ in Erinnerung an seine Indianer-Geschichte zum Bürgermeister-Wahlkampf in den Saal einzog, zudem rübergekommen: „Es wird sich gekümmert, wir haben ein offenes Ohr.“ Wie geht’s weiter mit 19 Sitzen? Salmon betonte, mit der SPD gebe es „viele Schnittmengen“; dennoch seien wechselnde Mehrheiten eine gute Alternative, strebt die UKW nicht zwingend eine Koalition an.

Von solchen Gedanken ist die CDU nun meilenweit entfernt. Als Parteichef Thomas Weck den Saal betrat und den anderen Wahlverlierer, SPD-Chef Hans-Walter Müssig, begrüßte, machten beide gute Laune zu weniger gutem Spiel. „Warum soll es mir schlecht gehen?“, fragte Weck. Doch wenig später analysierte er klar: „Das war nicht zu erwarten in dieser Deutlichkeit. Das Konzept der UKW ist aufgegangen, dem Bürgermeister eine Mehrheit zu verschaffen.“ Die CDU habe ihre Ideen „nicht in der Bevölkerung platzieren und rüberbringen“ können. Zudem sei nach der Bürgermeisterwahl nicht genug Zeit für eine Erneuerung gewesen. Die Marschroute, eine neue CDU präsentieren zu wollen, habe „nicht so gegriffen“. Nun ist die Union auf mehr Kooperation denn je angewiesen, was Weck bewusst ist: „Wir müssen gemeinsam gucken, das Beste für Kelkheim zu verantworten.“ Für Gespräche ist die CDU offen, sie werde nichts ausschließen – auch nicht Schwarz-Grün.

CDU-Stadtverordnetenvorsteher Alexander Furtwängler, dessen Posten mit diesem Wahlergebnis nun auf der Kippe steht, sah das Ergebnis als „Erfolg von Kündiger“ und sagte: „Er hat der UKW Riesen-Rückenwind gegeben, unter dem Motto ,Erfolg macht sexy‘“. Dabei sei es schwer für die CDU gewesen, „einen Neuanfang zu finden.“ Furtwängler: „Aber wir werden sehr demokratisch damit umgehen.“

Sprach’s und wurde von SPD-Frau Julia Ostrowicki geherzt, die tröstete: „Es trifft euch ja noch viel härter als uns.“ Die SPD habe diese Verluste „nicht verdient“, fand sie und betonte: „Der Bürgerwille sagt Rot-Grün.“ Parteichef Müssig ist sicher, dass „von uns viele zu den Grünen gegangen sind“. Er habe den UKW-Sieg schon vorhergesehen, und die CDU habe es nicht geschafft, ihre Wähler zu mobilisieren. Sein Parteikollege Klaus-Dieter Franz ergänzte: „Der Politikwechsel kommt.“ Spitzenkandidat Horst Schmidt-Böcking gab zu: „Unser Fehler war, dass wir nicht deutlich gesagt haben, was wir wirklich wollen.“ Ein Ziel sei erreicht: die CDU/FDP-Mehrheit zu brechen.

Das sah auch FDP-Fraktionschef Heinz Kunz: „Wir können mit dem Ergebnis zufrieden sein, aber der große Bruder hat Federn gelassen.“ Die Liberalen seien für „eine vertrauensvolle und keine schlechte Politik“ belohnt worden. „Mit dem fünften Sitz bin ich sehr zufrieden“, erklärte Spitzenkandidat Patrick Falk und adelte die UKW für „einen guten Wahlkampf“. Parteichef Ramin Peymani wieder lobte die Liberalen für eine „klare Linie und stringente Kampagne“, während die SPD die Quittung dafür bekomme, zuletzt gar nicht sichtbar gewesen zu sein. Für Gespräche in alle Richtungen ist die FDP nun offen.

Das gilt auch für die Freien Wähler, deren Chefin Ivaloo Schölzel „baff und komplett überrascht“ war: „Drei Leute, das ist etwas, womit man arbeiten kann“. Das konnten Nora Zerenner und Robert Wintermayr unterschreiben. „Wir haben Fraktionsstatus und freuen uns auf die Arbeit“, sagten sie. Entspannt genießen konnte Albrecht Kündiger den Abend. Er war einer der Ersten im Saal und atmete auf, dass der „unfaire Wahlkampf“ der CDU „nicht zum Tragen kam“. Er freue sich über stärkere Rückendeckung, habe damit „beim besten Willen nicht gerechnet“ und kündigte an, „nicht vom Ziel des Zusammenarbeitens abrücken“ zu wollen. Allerdings sei die Zeit der Blockade nun zum Glück vorbei.

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