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Handwerker mit Verantwortung

Seit 25 Jahren betreibt Frank Gröger seine HNO-Praxis

Frank Gröger freut sich über ein harmonisches Team, übt aber auch Kritik am System.

Dass Hals-Nasen-Ohren-Arzt Frank Gröger seit genau 25 Jahren seine HNO-Praxis in Kelkheim hat – es ist einem gemütlichen Bier nach dem Fußball zu verdanken. In der Betriebssportgruppe der Höchster Kliniken spielte der damalige Arzt der HNO-Abteilung mit Wolfgang Drossard. Der hatte sich mit einer Praxis als Internist selbstständig gemacht und sagte zum Ex-Kollegen Gröger: „Mensch, komm doch nach Kelkheim.“ Der gebürtige Saarländer kam – und zwar in die direkte Nachbarschaft an die Altkönigstraße. Dort, wo früher ein Tengelmann-Supermarkt war, zauberte das Team von Gröger in Eigenregie seine HNO-Praxis hin.

Weg wollte der 57-Jährige nie. „Mir hat der Standort immer gut gefallen.“ Dabei war er mal kurz davor. Zusammen mit Drossard und dessen Partner Markus Thomas-Morr traf sich Gröger gerne zum Kaffee. Eines Tages entstand die Idee, in Kelkheim ein Ärztehaus zu bauen. Der HNO-Mann wurde zu Thomas Horn vorgeschickt. Der Bürgermeister habe zwar die vorgeschlagene Fläche hinter dem Bahnhof abgelehnt, dafür aber den heutigen Standort in der Stadtmitte vorgeschlagen. So kam es – doch Gröger war nicht mehr mit im Boot. Zu groß seien ihm zum Beispiel die Haftungsfragen erschienen, räumt er heute ein.

Und so feiert seine Praxis das Jubiläum in den liebgewonnen, ersten Räumen, die alles zu bieten haben. Einige Utensilien machen das Domizil besonders: Vor allem Handpuppe Willi, die Kindern die Angst vorm Arzt nehmen soll. Dann sind da in der Vitrine medizinische Geräte von damals und heute, die sich laut Gröger kaum verändert haben. Und es gibt an der Rezeption Mutmacher-Bücher und CDs zu kaufen. Die Geschichten stammen aus der Feder von Birgit Gröger, die früher intensiv in der Praxis mitgearbeitet hat, mit Bereichen mit Allergie- und Hörtest, Beratung und Rezeption irgendwie das „Mädchen für alles“ war. Heute ist sie wieder an Grundschullehrerin und Autorin aktiv. Brigit Gröger hat ihren Mann in Franken im Schulbus kennengelernt und weiß, warum die Praxis so gut läuft: „Wir haben ein super, super tolles Team. Die halten zusammen, sind sehr kooperativ.“ Ihr Mann schätzt seine fünf Mitarbeiterinnen ebenfalls sehr. „Das ist das, was mir so einen Wahnsinns-Spaß macht. Die Patienten merken, dass es harmoniert.“

So gab es für Gröger vor allem Höhen. Und wenn, dann Tiefen auf hohem Niveau. Vor Jahren seien es mal 30 Prozent mehr Patienten gewesen. Rund 100 Hilfesuchende an einem Tag – „das war anstrengend“. Heute ist er mit anderen Zahlen zufrieden: etwa 5000 Fälle im Jahr, 60 bis 70 pro Tag. Insgesamt haben wohl rund 50 000 verschiedene Gesichter seine Räume gesehen. Dabei spielen die Kinder eine Hauptrolle. Rund 10 000 kleine Patienten habe er seit Eröffnung wohl operiert, ihnen die Mandeln oder Polypen rausgenommen. „Das ist doppelt so viel wie im Durchschnitt“, sagt Gröger. Auch manchen prominenten Gast hatte er – und zwar aus der Welt des Fußballs. Durch Kontakte zu Eintracht Frankfurt ließen sich Weltmeister und Pokalsieger hier in die Ohren schauen. Trikots mit Unterschriften hat der Eintracht-Fan, der Mitglied auf Lebenszeit ist, im Flur stolz aufgehängt.

Dabei hat Frank Gröger seine ersten Gehversuche als Arzt im Frankenland gemacht. In Werneck im Kreis Schweinfurt wurde die Handwerker-Familie früh heimisch. Der Bub ging zu den Maltesern, leistete Rettungsdienste auf dem Fußballplatz – wenn er nicht selber kickte. Die Ausbildung dort sei „schon beeindruckend“ gewesen, erinnert er sich. Zudem sei er mit Knochenbrüchen und Schürfwunden oft in ärztlicher Behandlung gewesen – also stand fest: Er will Mediziner werden. Mit einem ordentlichen Abitur hatte er Glück, bekam einen Studienplatz in Würzburg zugelost. Im praktischen Jahr die nächste Fügung: Er wurde in die HNO der Uni-Klinik gesteckt – und fühlte sich gleich wohl. Denn schließlich sei er handwerklich schon immer aktiv gewesen – und diese Aufgabe ähnle sich: „Wir können auch ganz viele Probleme mit den Händen lösen. Als Kinder haben wir früher Radios gebaut. Was anderen mache ich nicht, wenn ich Polypen raus nehme. Das ist ein Handwerk“, betont Gröger.

„Wie die eigene Familie“

Das möchte der Kelkheimer, der wie seine Frau für die FDP im Stadtparlament sitzt, allen anbieten. Just beim Kreisblatt-Gespräch schaut am freien Mittwochnachmittag noch ein Patient vorbei. Der hat sich zwar im Tag geirrt, bekommt aber spontan Hilfe. „Man hat als Arzt eine gewisse soziale Verantwortung. Wir behandeln jeden so wie die eigene Familie.“ Dass hier jeder schnell einen Termin bekomme und täglich Zeiten für Notfälle reserviert sind – es ist Teil der Philosophie. Nicht zu vermeiden seien daher Wartezeiten, betont seine Frau. Wenn ihr Mann noch dazu offen Wahrheiten sage, komme das nicht immer gut an.

Trotzdem ist Gröger rundum zufrieden. Es habe sich alles gefügt. Als er nach dem Studium nach Höchst wechselte, weil ihm dort sein alter Chef und Mentor Professor Karl Foet eine Chance gab und er schon am zweiten Tag Mandeln operieren durfte. Als er sich beim Sprung in die Selbstständigkeit vor der Reform als einer der letzten Mediziner den Standort noch aussuchen durfte. Und vielleicht ist die Nachfolge geregelt, denn sein Sohn Max (26) ist als Arzt in Ausbildung derzeit in der HNO der Frankfurter Uni-Klinik. Auch seine Tochter Hannalea (22) geht mit Psychologie grob in die Richtung.

In die Zukunft blickt Gröger mit gemischten Gefühlen. Dass es reine HNO-Praxen für Privatpatienten gibt und diese ohne Beschränkung eröffnen können, sei eine Krux. Auch er brauche lukrative Privatzahler, um für Kassenpatienten da sein zu können. Allgemein mischen ihm im Gesundheitswesen zu viele profitorientierte Konzerne mit. „Gesundheit muss öffentlich bleiben – aber mit einer gewissen Freiheit“, fordert er. Jetzt ist erstmal Feiern angesagt – mit den vielen Patienten, die zu Teil seit 30 Jahren bei ihm sind. Es werden sicher Anekdoten erzählt. So wie jene, als ein Patient mit Ohrgeräuschen kam – und Gröger eine Minispinne fand. Oder sein Spruch, wenn verzweifelte Patienten mit Nasenbluten kommen: „Bleiben Sie ruhig. Das ist ein Zeichen des Lebens.“

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