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Frank Börner hat die Kugel fest im Blick und verpasst ihr mit Präzision im Snooker Century Club Kelkheim den richtigen Drive.

Nischensport

Snooker: Mit Präzision die Kugel "einlochen"

Die Snookerfreunde Kelkheim treffen sich regelmäßig zum „Gentlemen’s-Sport“, dessen Ursprünge im 15. Jahrhundert liegen. In Indien von britischen Kolonialkräften erfunden, ist das Spiel in Großbritannien populär, in Deutschland eher ein Nischensport. Treffen und Turniere des Kelkheimer Clubs sollen das „Snookern“ populärer machen.

Der Kelkheimer Privatclub Century Snooker, gegründet 2005 von Peter Bogutzki und Clive Assender in 2005, zeichnet sich durch die klassischen Merkmale eines nach englischem Vorbild konzipierten Clubs aus: dunkle Holzverkleidung an den Wänden, gedämpftes Licht und acht 12-Fuß-Tische, jeder 1500 Kilogramm schwer. Die Variante des Präzisionssports Billard unterscheidet sich aber nicht nur durch die weitaus größeren Tische. Die Kugeln sind kleiner, die „Queues“ genannten Spielstöcke länger und die Taschen, in denen die Bälle versenkt werden, abgerundet. „Dies alles führt dazu, dass Snooker schwieriger zu spielen ist als Billard“, erklärt Clubmitglied Les Collins, der seit über zehn Jahren dabei ist. Der Amerikaner steht regelmäßig an einem der mit feiner, grüner Wolle bespannten Tische und spielt seine „Frames“, die ähnlich dem Satz im Tennis sind.

Seine Snooker-Passion teilt Collins mit gut 50 weiteren Mitgliedern, die den Club Dank einer Chipkarte täglich besuchen können. „Für die Öffentlichkeit ist der Club immer donnerstags und freitags geöffnet. Dann dürfen Gäste unsere Tische nutzen“, erklärt Jürgen Rott. Er hat gemeinsam mit Klaus-Dieter Gühne die Turnierleitung des Century-Snooker-Turniers übernommen. Wer zuerst zwei Frames gewinnt, ist Sieger. 16 Spieler, jeweils zwei pro Tisch, stehen konzentriert im Dämmerlicht. Die Beleuchtung fördert das Ziel des Spiels, den Ball gemäß den Regeln so zu spielen, dass ihn der Gegner nicht direkt versenken kann.

Auch Frank Börner und Ulrich Modrach mischen mit. Sie wurden per Los einem Spieltisch zugeteilt. Der Kelkheimer Börner spielt seit 25 Jahren Snooker. „Niemals professionell, aber immer in der Freizeit“ nutze er den Sport zum Abschalten. Er schätze die Ruhe und Atmosphäre. Außerdem lerne er beim Snooker Gleichgesinnte kennen. Börner und Modrach spielen zum ersten Mal zusammen, unterhalten sich leise und gepflegt zwischen ihren Frames. „Wir schätzen das Ambiente. Ich spiele über zwölf Jahre Snooker, aber auch Billard. Allerdings sind Billardhallen häufig heruntergekommen“, findet der Offenbacher Modrach. Um Billard in vergleichbaren Räumen zu spielen, müsse er durchaus 50 Kilometer Fahrweg in Kauf nehmen.

Snooker besteche nicht nur durch qualitativ hochwertigere Spielorte. Als Konzentrationsspiel erfordere es Taktik, Präzision und strategisches Denken, wissen die beiden Spieler. Darüber hinaus ist Snooker wie wenige andere Sportarten durch Korrektheit und Contenance geprägt. Das betrifft nicht nur die Kleidung, auch von den Spielern wird ein in jeder Hinsicht vorbildliches Verhalten erwartet. Ein Spieler sollte zum Beispiel ein Foul selbst anzeigen, auch wenn es der Mitspieler nicht bemerkt hat. Die Strafen bei Regelverstoß sind hart und können bis zur mehrjährigen Sperrung bei Profispielern führen. Hinsichtlich der Bekleidungsvorschriften trägt man den obligatorischen Binder und eine Weste. Auch Frank Börner hat sich in dunkler Hose, weißem Hemd und Weste wie ein Profi gekleidet. „Für ein Turnier macht man sich auch mal fein. Dann fühlt man sich ein bisschen wie ein echter Profi“, sagt er. Eine bessere Spielleistung böte das Outfit nicht, aber er wolle mit angemessener Kleidung die Arbeit der Organisatoren würdigen.

Neben den gepflegten Tischen, deren Spielfeld regelmäßig mit einem speziellen Dämpfer glattgebügelt wird, haben Turnierleitung und Spieler ein abwechslungsreiches Fingerfood-Buffet zusammengetragen, das dem Niveau der Sportart ebenbürtig ist. Eine Torte im Snooker-Tisch-Design wartet auf die Spieler im Anschluss, und Blätterteighäppchen halten die Finger sauber.

In erster Linie wolle der Kelkheimer Privatclub den

Spaß am Spiel

fördern, betonen die Organisatoren Rott und Gühne. Clubmitglied Silvio Napoletano hat Pokale gesponsert. Seit der Clubgründung Mitglied, freut er sich, wenn ehemalige Billardspieler zum Snooker überlaufen. So mancher spielte seit der Jugend Billard, ist aber jetzt Mitglied im Snooker-Club. „Mittlerweile spielen wir kaum noch Billard. Hier ist es gepflegter, und auch die Leute sind nett und unterhaltsam“, sagen etwa die Spieler Harald und Wolfgang. Aber es muss auch Sieger geben. Am Ende gewinnt Sebastian Mohri vor Harald Weck und Gianluca Greco dieses Turnier.

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