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Sonja Marschall hat einige Zeit am Laptop verbracht und ihr erstes Buch geschrieben. Nun ist sie auf Verlagssuche.

Mit 15 schon Autorin

Sonja Marschalls Buch gibt dem Krebs ein Gesicht

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Wie kommt ein junges Mädchen darauf, ein Kinderbuch über Krebs zu schreiben? Das hängt mit einem von Sonja Marschalls Hobbys zusammen.

„Das Blut besteht aus vielen Bausteinen, ein bisschen wie ein Legohaus. Es hat weiße und rote Legosteine. Aber bei dir fehlen viele von den Steinen. Darum bist du so blass. Die Krankheit heißt Blutkrebs.“ Mit diesen kindgerechten Worten erklärt die Mama ihrer Tochter Lotte die Leukämie. Das kleine Mädchen, das noch in den Kindergarten geht, ist daran erkrankt. Die Mama macht ihr Mut: Sie bekomme eine „Heilsoße, in der ganz viele kleine Bauarbeiter sind, die Chemomännchen“.

Dass die kleinen Arbeiter Erfolg haben – die Kelkheimerin Sonja Marschall kann diese gute Nachricht schon verraten. „Lotte schafft es zum Schluss“, sagt die 15-Jährige. Und feiert mit Freunden nach einer harten Zeit ein Fest. Sonja Marschall geht noch ans Taunusgymnasium in Königstein. Aber ist sie in jungen Jahren schon Buchautorin. „Lotte und die Chemomännchen“ heißt ihr Werk, das fast fertig ist und Anfang 2019 erscheinen soll. Es hat laut ihrer Recherche

Seltenheitswert

: Die Geschichte um Lotte soll Kindern anschaulich, verständlich, aber nicht verharmlosend die Krankheit Krebs mit all ihren Facetten erklären. So etwas gebe es für Jugendliche und Erwachsene, aber nicht für Kinder, sagt Sonja Marschall. Also hat sie sich an die Arbeit gemacht. Eine Illustratorin war mit Sonja Kurzbach bald gefunden, mit der José Carreras Leukämie-Stiftung und der Deutschen Kinderhilfe gewann sie zwei Unterstützer. Aktuell läuft die Suche nach einem Verlag.

Wie eine Jugendliche darauf kommt, ein Kinderbuch über Krebs zu schreiben? Sonja Marschall hat neben dem Cello-Spiel und Windsurfen vor allem ein Hobby: Babysitten. In der belebten Familienstraße, an der sie wohnt, lag das durchaus nahe. Teilweise betreute sie bis zu zehn Familien, oft Mehrlinge. Im Frühsommer 2017 war ein Mädchen aus diesem Kreis an Leukämie erkrankt. Und rasch kam der engagierten Kelkheimerin die Idee, ein kindgerechtes Buch zu schreiben. Denn ihre Botschaft ist klar: „Die fatale Meidung dieser Krankheit gegenüber Kindern endlich aufzugeben und dem Gegner ein Gesicht zu geben. Denn Wissen gibt Kraft!“ Sie ärgere sich darüber, dass die Volkskrankheit so abgeschottet werde und wolle offensiv damit umgehen. „Ich möchte in meinem Rahmen versuchen zu helfen, dieser Krankheit den Raum zu geben, den sie braucht.“

Das macht sie sehr professionell. Sie absolvierte Praktika in der Charité in Berlin und an der Uniklinik in Münster. Sie sprach mit Ärzten und gewann sie als Experten für ihr Projekt. Und sie ist inzwischen in diesem Bereich auch ehrenamtlich engagiert: im Familiencafé des Vereins „Hilfe für krebskranke Kinder“ in Frankfurt. Dazu hat sie auch eine Reportage geschrieben. Sie habe dort einfach mal angefragt, wollte etwas tun. Hier treffen sich Familien, die ein Kind durch den Krebs verloren haben. Trauerbegleiterinnen unterstützen sie. Sonja Marschall ist dabei, kümmert sich meist um die Geschwisterkinder, malt, bastelt, spielt mit ihnen. Und erlebt bewegende Momente, wenn etwa für jedes verstorbene Kind eine Kerze angemacht und nach der Runde wieder ausgepustet wird. Oder wenn ein Zwillingsjunge dabei ist, der seinen Bruder verloren hat. „Das ist ein Schicksal, das berührt schon sehr“, sagt die 15-Jährige. Sie lasse sich schon darauf ein, versuche aber, ein bisschen Distanz zu wahren.

Natürlich hat Sonja Marschall schon Vorstellungen, wohin sie ihr beruflicher Weg führen soll. Sie sei schon als Kind mit dem Arztköfferchen herumgelaufen. Wahrscheinlich wolle sie daher Medizin studieren, später etwas im Bereich Sport- oder Kinder-Medizin machen. Oder vielleicht doch Autorin? Denn Ideen für weitere Bücher gibt es. So wie für Krebs kann sie sich kindgerechte Werke auch für andere Krankheiten vorstellen. Zunächst aber sucht sie den passenden Verlag und plant bereits erste Lesungen. Natürlich in der Heimat Kelkheim, aber es gibt sogar schon eine Anfrage aus Hamburg.

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