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Auf diesem Archivbild standen die Zeichen für das Pfarrzentrum noch auf Nicht-Abriss für das Pfarrzentrum an der Feldbergstraße.

Kulturzentrum oder Wohnraum?

Sonntag entscheiden die Bürger über das alte Pfarrzentrum Feldbergstraße

Jetzt geht’s um die Wurst: Am Sonntag ist Bürgerentscheid in Kelkheim. Kreisblatt-Redakteur Frank Weiner hat den Kontrahenten noch einmal eine Reihe von Fragen gestellt. An UKW und FDP als Träger des Stadtverordneten-Beschlusses zum Abriss des Pfarrzentrums Feldbergstraße und Neubau von bezahlbaren Wohnungen. Sowie an die Bürgerinitiative, die einen Bürgerentscheid erreicht hat, das Pfarrzentrum erhalten und das Museum einrichten möchte. Für UKW und FDP haben die Fraktionschefs Doris Salmon und Michael Trawitzki geantwortet, für die BI Sprecher Thomas Zellhofer.

Es wurde viel geschrieben und viel gesagt in den vergangenen Wochen. Nun bekommen Sie in 400 Zeichen noch mal einen kleinen Werbeblock, um eine letzte Botschaft loszuwerden.

DORIS SALMON: Wir freuen uns, dass unser Museum Interessierten Stadtgeschichte zugänglich macht. Wir sehen aber bei der Sanierung des maroden Gebäudes sehr große Risiken. Schon jetzt ist eine siebenstellige Summe aufgerufen. Wir möchten lieber Drängendes investieren: bezahlbaren Wohnraum, Kinderbetreuung und den ÖPNV.

MICHAEL TRAWITZKI: Die FDP war als einzige Fraktion von Anfang an gegen das Projekt, da wir frühzeitig die finanziellen Risiken erkannt haben, die mit der Sanierung zur Einrichtung eines Museums verbunden sind.

THOMAS ZELLHOFER: Der derzeitige Standort an der Frankfurter Straße ist nicht zukunftsfähig. Auch der Bürgermeister ist nicht gewillt, Hunderttausende Euro in ein fremdes Mietobjekt zu investieren. Der Ankauf des ehemaligen Pfarrzentrums 2014 zur Nutzung als Stadtmuseum war ein Glücksfall. Eine Wohnraumnutzung kommt einem politischen Wortbruch mit dem Bistum Limburg gleich. Kein Projekt ist finanziell so gut abgesichert wie diese Sanierung.

Welches Schlagwort ist Ihnen wichtig?

ZELLHOFER: Generationenübergreifendes Zukunftsprojekt.

SALMON: Verantwortungsbewusstsein.

TRAWITZKI: Kosten-/Nutzenverhältnis.

Der Bürgermeister hat an die Fairness appelliert, es wurde dennoch mit Argumenten, Zahlen und Tricks gestritten. Wie sehen Sie den „Wahlkampf“?

TRAWITZKI: Zumindest von unserer Seite aus fair: Wir haben stets sachlich unsere Position vertreten und können alle Aussagen belegen.

ZELLHOFER: Die Fairness und Sachlichkeit hat die BI Kelkheim 2018 eingehalten; die Inhalte des gedruckten Materials gaben keinen Anlass zur Kritik und sind belegbar. Der Wahlkampf der FDP und UKW hat Formen angenommen, die wir in dieser Art und Weise nicht erwartet haben. Er wird ideologisch geführt und mit einer rechtlich bedenklichen Vorgehensweise, wie „Störbannern“ unter den BI-Plakaten, auf denen der Urheber kaum erkenntlich ist. Das hat uns verärgert.

SALMON: Wir würden es nicht Wahlkampf nennen. Es geht um eine Sachfrage: Wollen wir uns ein größeres Museum leisten oder schaffen wir bezahlbaren Wohnraum? Wir haben versucht, die Kelkheimer sachlich über die Folgen eines Museumsumzugs zu informieren. Wir denken auch nicht, dass eine Seite die Grenzen der Fairness bewusst überschritten hat.

Hauptstreitpunkt sind die Kosten. Eine Frage nur an UKW/FDP: 2017 war ein gutes Haushaltsjahr mit Gewinnsteigerung von 500 000 auf 3,3 Millionen Euro. Warum ist Ihnen die Feldbergstraße trotzdem zu teuer?

SALMON: Ob die Ertragslage langfristig so bleibt, ist ungewiss. Zudem stehen weitere Investitionen an, in Kindergärten, Sportanlagen, ÖPNV und Feuerwehr. Für die Hessenkasse werden Ausgaben von jährlich mehr als 700 000 Euro fällig. Die Stadt sitzt auf 33 Millionen Fehlbeträgen. Um diesen Schuldenberg nicht unseren Kindern zu hinterlassen, muss jeder Euro mit Bedacht eingesetzt werden. Ein Prestigeobjekt ist da fehl am Platz.

TRAWITZKI: Da schließen wir uns der Meinung des Bürgermeisters an: Es handelt sich um einen außergewöhnlichen und voraussichtlich nicht wiederholbaren Anstieg. Er rechtfertigt keine Entscheidungen, die den Haushalt in den nächsten Jahren unnötig belasten.

Eine Kostenfrage nur an die BI: Was sagen Sie jenen Bürgern, die das Geld lieber in wichtige Dinge wie Kindergärten, Jugendarbeit, Sportstätten und Straßen stecken und dafür auf das neue Museum verzichten wollen?

ZELLHOFER: Das Stadtmuseum ist beim besten Willen auch mit den Berechnungen der FDP und UKW kein „Prestigeprojekt“. Es ist eine „Pflichtübung“, wie sie andere Kommunen im Main-Taunus-Kreis wahrgenommen haben, wie Bad Soden und Hofheim. Das Stadtmuseum Hattersheim nimmt Form an. Genannte Investitionen sind auch für uns von großer Wichtigkeit. Es geht uns nicht um ein entweder-oder , sondern um ein sowohl als-auch . Nur die Summe all dieser Angebote mit einem Stadtmuseum macht die Lebensqualität Kelkheims aus.

Beim bezahlbaren Wohnraum hinkt Kelkheim hinterher. Die Feldbergstraße könnte eine Teil-Lösung sein. Wo sehen Sie einen Ansatz?

ZELLHOFER: Diese Maßnahmen sind sehr wichtig und stärken das gesellschaftliche Verständnis in unserer Demokratie. Beispielhaft ist die Ausweisung des neuen Baugebiets „Schlämmer“. Die Gegenüberstellung der Kommunen im MTK von 2016 zeigt, dass sich Kelkheimer Politik in der Vergangenheit um bezahlbare Wohnraumbeschaffung intensiv gekümmert hat. Kelkheim hat eine Top-Position inne.

TRAWITZKI: Die Stadt muss froh sein über jedes Grundstück, auf dem sie Wohnraum schaffen kann. Denn nur so kann sie Einfluss auf die Vermietung und die Höhe der Miete nehmen. Dabei würde die Idee eines Mehrgenerationenhauses wichtige Punkte erfüllen: Wohnraum für Generationen, zentral gelegen, Nähe zum Mühlgrundpark und dem Kindergarten, barrierefreies Wohnen, staatliche Förderung.

SALMON: Erzieher/innen, Polizei, Pflegepersonal: Ganze Berufsgruppen sind bereits von den überteuerten Mieten betroffen. Manche Rentner oder jungen Leute ziehen weg, weil die Wohnungen hier zu teuer sind. Wir können sie nicht alle auf den Außenbereich oder gar andere Städte verweisen. Die Feldbergstraße ist ein Glücksfall – wie geschaffen für ein Mehrgenerationenhaus.

Wie stellen Sie sich eine zukunftsfähige Museumsarbeit in fünf Jahren vor?

TRAWITZKI: Wir würden uns freuen, wenn das Museum sich bei der weiteren Entwicklung am Gründungsgedanken orientieren würde: der Präsentation von Möbelhandwerk und Stadtgeschichte.

ZELLHOFER: Der Vertrag mit dem Bistum mit der einmaligen Chance der Verlagerung des Stadtmuseums muss umgesetzt werden. Es stehen weitere Ehrenamtliche im neuen Stadtmuseum zur Verfügung. Der guten Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinde Kelkheim kommt eine Schlüsselrolle zu.

SALMON: Wir freuen uns, dass es einen engagierten Museumsverein gibt, und schätzen seine Arbeit. Wir glauben aber, dass die Zukunftsfähigkeit eines Museums weniger von der Größe als von einer interessanten „Bespielung“ der vorhandenen Fläche abhängt. Das klappt aus unserer Sicht schon jetzt sehr gut.

Was machen Sie bei einer Niederlage?

SALMON: Wir empfehlen aus guten Gründen, mit „Nein“ zu stimmen. Wenn sich die Bürger anders entscheiden, sehen wir das nicht als Niederlage. Ein erfolgreicher Bürgerentscheid hat die Qualität eines endgültigen Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung, den wir auch umsetzen werden.

TRAWITZKI: Wir werden natürlich die Meinung akzeptieren. Mit Spannung warten wir, wie nach der Ausschreibung notwendiger Gewerke das Projekt mit den oberflächlichen Kostendeckungsvorschlägen auf den Weg gebracht werden soll.

ZELLHOFER: Wir rechnen fest mit einem überzeugenden Ergebnis. Alle Alternativmodelle wären keinesfalls kostengünstiger. Das muss allen bewusst sein.

Was möchten Sie der Gegenseite zum Finale noch mit auf den Weg geben?

ZELLHOFER: Wir geben nochmals zu bedenken, dass an vielen anderen Stellen bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann. Die Feldbergstraße für das Kulturzentrum mit Stadtmuseum ist ideal.

SALMON: Egal, wie der Bürgerentscheid ausgeht, unsere Hand bleibt ausgestreckt, um über die Zukunft des Museums zu sprechen.

TRAWITZKI: Dass bei kommunalen Entscheidungen Eigeninteressen zurückstehen sollten. Gerade, wenn es um finanzpolitische Entscheidungen geht, die künftige Generationen noch bezahlen müssen, ohne Nutzen daraus zu ziehen.

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