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Florian Heckenmüller (vordere Reihe, links) und Julian Reinhardt stehen künftig an der Spitze des Personalamtes. Der bisherige Leiter Horst Jäckel (hinten, links) und seine Stellvertreterin Hedda Kluck sagen ?Adieu?.

Personal- und Ordnungsamt

Stabwechsel in der „Schaltzentrale“

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Doppelwechsel an der Spitze des Personalamtes im Rathaus: Horst Jäckel und seine Stellvertreterin Hedda Kluck haben aufgehört, die beiden Nachfolger legen jetzt los. Sie haben bei den „alten Hasen“ viel gelernt.

Geht es nach den Vorlieben für Fußball, so wäre diese Konstellation eigentlich undenkbar gewesen: Köln-Fan Horst Jäckel hat sein Amt Eintracht-Anhänger Florian Heckenmüller überlassen – und, noch viel schlimmer: Schalke-Fan Hedda Kluck hat an Julian Reinhardt übergeben, der mit dem Erzrivalen Dortmund fiebert. Das Quartett steht für zwei Generationen im Personal- und Organisationsamt. So war es kein Problem für Bürgermeister und Eintracht-Fan Albrecht Kündiger und den Magistrat, diesen Wechsel Anfang 2018 zu vollziehen. Im Gegenteil: Der Rathauschef gerät regelrecht in Schwärmen, wenn nun zwei Eigengewächse dieses wichtige Amt in der Stadtverwaltung mit rund 20 Mitarbeitern übernommen haben.

Doch zunächst zum Abschied des treuen Duos. 27 Jahre war Horst Jäckel Chef des Personalamtes. Bereits 1984 kam er aus Glashütten, übernahm die Stadtkasse, dann vom späteren Sulzbacher Bürgermeister Herbert Uhrig das Kulturamt mit Sport und Vereinen. Kündiger bezeichnet Jäckel als „natürliche Autorität“, als „Institution“. Für ihn als Neuling habe er vor gut zwei Jahren eine ganz wichtige Rolle gespielt. Ähnlich wie Hedda Kluck, die schon 1975 im Fischbacher Rathaus anfing, 1977 mit der Gebietsreform nach Kelkheim wechselte und dort viele „Vize“-Posten im Ordnungs-, Liegenschafts- und Personalamt hatte. Die gebürtige Gelsenkirchenerin hatte bei der Staatsanwaltschaft Essen gelernt.

Das Duo ist mit seiner Philosophie immer gut gefahren. Jäckel, der aus Nordhessen stammt, beschreibt sie so: „Die Mitarbeiter sind das wichtigste Gut überhaupt in einem Betrieb.“ Es sei wichtig, den Kollegen „Perspektiven zu geben“. Nicht umsonst gibt es aktuell sage und schreibe 46 verschiedene Arbeitszeitmodelle bei der Stadt. Das mache zwar mehr Arbeit, die Mitarbeiter aber auch deutlich zufriedener, betont Jäckel. Lösungen seien nicht vor Gericht, sondern mit Blick auf jeweilige Bedürfnisse im Rathaus gesucht worden. „Das wurde praktikabel gelöst“, erklärt Jäckel.

Seine Kollegin Hedda Kluck nickt da zustimmend. Wie sie betont, sei auch die Ausbildung immer wichtig gewesen. Hier kommt das Duo Heckenmüller/Reinhardt ins Spiel. Beide machten ihre Lehre im Kelkheimer Rathaus, Hedda Kluck hat sie in dieser Rolle noch in bester Erinnerung und sagt: „Es ist gut, dass in der Ausbildung etwas hängen geblieben ist.“ Und wie: Florian Heckenmüller ist mit 36 Jahren nun der jüngste Amtsleiter im Rathaus. Er hat seinen Diplom-Verwaltungswirt und den Master of Public Administration gemacht. Seinen neuen Job wolle er mit „Freude, Demut und Respekt“ angehen. Es sei wichtig, sich in die Mitarbeiter hineinversetzen zu können. Mit Menschen umzugehen – das liegt dem Kelkheimer auch privat: Er ist Torwarttrainer von drei Mädchen-Teams des SV Fischbach und hat früher selbst zwischen den Pfosten gestanden. Seine Stationen im Rathaus waren das Haupt- und Rechtsamt, der Bereich Sport und Vereine sowie das Ordnungsamt.

Julian Reinhardt hingegen war bisher ein Mann der Zahlen und in der Kämmerei mit für die Aufstellung der Haushalte zuständig. Nun mehr mit Menschen zu arbeiten, das reizt den 33-Jährigen, der IT-Experte im Rathaus ist. In dieser Funktion werde auf die Stadt einiges zukommen mit Blick auf den „digitalen Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen“, weiß der Stellvertretende Amtsleiter, der in Kelkheim aufgewachsen ist, in Langenhain wohnt und bald Vater wird.

Bürgermeister Kündiger sieht das Personal- und Ordnungsamt als Schaltzentrale im Rathaus. Hier laufen viele Fäden zusammen – von den Mitarbeitern über die IT, den Reinigungsdienst, die Poststelle bis zu den Hausmeistertätigkeiten und den Raumvergaben. Seit 2017 ist hier die Stadtbibliothek angegliedert. Dieser Apparat funktioniere hinter den Kulissen der Politik „geräuschlos“, freut sich Kündiger. Es sei „ein Höchstmaß an vertrauensvoller Zusammenarbeit gegeben“.

Nicht zuletzt deshalb rücken Kräfte aus der eigenen Reihe nach. An dieser Struktur will der Bürgermeister vorerst nichts ändern. „Ich sehe keine Veranlassung, dass wir uns umorientieren müssen.“ Gute Aus- sowie Weiterbildung, und diese Eigengewächse dann nach vorne bringen – das soll weiterhin die Philosophie sein. Im Personalamt bleibt das eine

Mammutaufgabe

: Zu Beginn der Ära Jäckel und Kluck waren rund ums Rathaus etwa 200 Menschen beschäftigt, inzwischen sind es 330.

Das Duo betrachtet die weitere Entwicklung entspannt aus dem Ruhestand. Hedda Kluck (65) reist gerne, Horst Jäckel hat zu Hause eine Menge zu tun – zumal seine Frau noch ein wenig arbeiten muss, sagt der 63-Jährige. Zum Abschied erzählt er noch eine Anekdote, die das Klima verdeutlicht: Ein Mitarbeiter habe sich krank gemeldet, sei dann aber gemütlich in ein Kelkheimer Kiosk spaziert. Jäckel bekam das mit, stattete dem Kollegen dort einen Besuch ab. Eine Abmahnung sei unvermeidbar gewesen. Aber der Mitarbeiter habe es nach dem Gespräch eingesehen und das Vorgehen letztlich sogar gelobt, blickt Jäckel schmunzelnd zurück.

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