AGs und Vorträge von Experten

Das Technik-Feuer neu entfachen

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Die Stiftung als Initiator sucht sogenannte „MINT-Paten“. Sie sollen jungen Leuten neue Motivation geben und die Schule in ihrem Korsett entlasten.

Als Kind hat Timo List gerne mit dem guten alten Chemie-Baukasten experimentiert – auch wenn hin und wieder mal etwas schief ging. Doch den Schülern von heute sei „ein guter Kosmos-Baukasten völlig fern“, weiß der Schulleiter der Gesamtschule Fischbach (GSF). Und deshalb ist er ziemlich begeistert von einer Initiative der Bürgerstiftung Kelkheim, die jetzt die sogenannten „MINT“-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) an den drei weiterführenden Kelkheimer Schulen stärker in den Fokus rücken möchte.

Wie das gelingen kann, hat die Stiftung gemeinsam mit den Leitungen und Lehrern von GSF, Eichendorffschule (EDS) und Privatgymnasium Dr. Richter (PDR) jetzt vorgestellt. Unter dem Titel „MINT-Initiative“ ist angedacht, Experten – vom ehemaligen Lehrer über den pensionierten Physiker bis zum amtierenden Professor – in diesem Bereich zu begeistern, um ehrenamtlich Arbeitsgemeinschaften, Vorträge und andere Projekte für Schüler anzubieten. Ein erstes halbes Dutzend Interessenten für eine „MINT-Patenschaft“ gebe es schon, sagt Kay Möller aus dem Stiftungsvorstand. Und sie hofft, dass sich durch die Präsentation des Vorhabens eine Reihe weiterer Experten finden.

Paul Boll ist einer von ihnen. Der Lehrer für Physik, Mathe und Informatik ging an der EDS nach 35 Jahren im Sommer 2015 in Ruhestand. Den genießt er auch sehr, hat sich aber ebenso gerne für die neue Idee der Bürgerstiftung begeistern lassen. Denn: „Ich war immer gerne Lehrer gewesen.“ Er wolle vielleicht nicht jede Woche eine AG leiten, aber den Schülern Angebote machen, die „eigenständiges Arbeiten“ abverlangen, wo sie fordernd an die Sachen herangehen und auch mal Fehler passieren dürfen. Dafür ist Boll sehr offen. Das könnte „den Ehrenamtlichen und den Schulen Spaß machen“, ist er überzeugt.

Die amtierenden Pädagogen der drei Schulen und die Vertreter der Stiftung können da nur zustimmen. Vorstandsmitglied Horst Schmidt-Böcking, der als Physikprofessor im Ruhestand selbst noch Vorträge für junge Leute hält, freut sich zwar über das Engagement der Schüler beim Stiftungswettbewerb der „MINT-Spitzen“. Doch die Zahl der Teilnehmer sei zurückgegangen, weshalb die Initiative die Aktion hinterfragte. Und von den Schuler erfuhr, dass außerhalb des Lehrplans aus personellen Gründen kaum noch Zeit für zusätzliche Arbeitsgruppen in den Naturwissenschaften bleibt. Doch gerade die Förderung von interessierten, begabten Kindern sei wichtig – oder könne damit neu entfacht werden, weiß die Bürgerstiftung.

Bei den Schulen rennt sie damit offene Türen ein. Denn es braucht laut List „zusätzliches, hochqualifiziertes Personal zur Unterstützung der Lehrkräfte“, auch das vertiefende Lehrmaterial lasse mitunter zu wünschen übrig – und den Schülern fehle selbst im modernen Smartphone-Zeitalter teilweise der Bezug zu naturwissenschaftlichen Fächern. Dabei gelte es, die Mittelstufler auch „fit für die Oberstufe“ zu machen. Vom 5. bis 7. Schuljahr haben die Kinder noch einen großen „Forschergeist“, weiß Kirsten Klug, Stellvertretende Schulleiterin der EDS. Dann werden die Inhalte schwerer, das Interesse lasse nach. Mit dem neuen Projekt sei es vielleicht möglich, die Schüler besser abzuholen. EDS-Lehrer Alexander Fischer weiß, dass Schüler zum Beispiel gerne Apps programmieren und schnelles Geld verdienen wollen. Da steigen sie in eine „Traumwelt“ ein – und verlieren etwa andere MINT-Inhalte aus den Augen. Marion Polydore, Leiterin des PDR, sieht ebenfalls den Zeitgeist als ein Hindernis. „Früher haben die Kinder draußen gespielt. Heute lässt man sie eine Kuh malen – und die ist lila.“ Schmidt-Böcking ergänzt, dass die Schüler „unter einem ganz anderen Druck“ stünden und weniger Luft für Forschung bei den Naturwissenschaften haben.

An Verbesserungen arbeiten die Schulen bereits. Bei der EDS gehen 700 Schüler in die Mathewettbewerbe, beim Projekt „Entdecken und Forschen“ wird über den Schulhorizont hinaus geschaut. Das PDR ist für seine Robotik-AG bekannt, wo inzwischen ältere Schüler die jüngeren betreuen. „Da kann man die Technik mit dem Lernen verbinden“, weiß Polydore. Zudem werde der Schulgarten gerade belebt, um die Biologie zu fördern. Die GSF wiederum richtet gerade ihren Wahlpflichtunterricht neu aus mit dem Schwerpunkt „MINT“ und Projekten wie einer Lego-AG oder einer 3D-Druck-AG. Auch der schulinterne Wettbewerb „Denk mit – mach mit“, in dem es diesmal um den Bau vor Murmelbahnen geht, ist ein Ansatz in diese Richtung. Doch das Personal ist knapp, weshalb die Bürgerstiftung offene Türen einrennt. So hat zum Beispiel Vorstandsmitglied Börries Kübel, Chemiker im Ruhestand, über den Verband Chemie-Vorträge von Pensionären angeboten. Da geht es dann um realitätsnahe Themen wie „Experimente mit Supermarkt-Produkten“. Kübel: „Chemie ist nicht nur was für den Elfenbeinturm.“ Schmidt-Böcking könnte die Schulen in das Uni-Projekt „Brücken schlagen“ einbinden, zudem kurzfristig Vorträge organisieren. Ein solches Projekt gibt es an der EDS mit dem Forum „Wissenschaft und Schule“ zu Themen wie Elektromobilität oder Krebsforschung.

Nach den Osterferien will die Bürgerstiftung loslegen. Sie sieht sich als Initiator und Vermittler, Geld soll nicht fließen. List möchte, dass es „kein Strohfeuer“ wird. Alle zusammen wünschen sich die Schulen kleine Arbeitsgruppen für ein Projekt, mit dem die Kelkheimer laut der Stiftung eine Vorreiterrolle im MTK übernehmen.

Interessenten könnten sich per Mail an info@buergerstiftung-kelkheim.de als „MINT-Paten“ an die Stiftung wenden.

(wein)

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