Eine Liebe hinter Gitterstäben: Susan Küßner als Mala und Nikolas Kipp als Edek. Im Hintergrund beobachtet Kapo (Dirk Zill) die Szene.
+
Eine Liebe hinter Gitterstäben: Susan Küßner als Mala und Nikolas Kipp als Edek. Im Hintergrund beobachtet Kapo (Dirk Zill) die Szene.

Theater "Domino"

Trauer und Angst, Mut und Liebe

Die vier Schauspieler und ihr Regisseur sind im Proben-Endspurt und verstehen es gut, die unterschiedlichsten Emotionen auf die Bühne zu bringen.

Von Robin Kunze

„Es ist eine echt schöne Geschichte“, verrät Edek (gespielt von Nikolas Kipp), „abgesehen vom Ende“. Vor einem grauen Stahlgatter, an dem in großen Lettern die Überschrift „ARBEIT MACHT FREI“ prangt, erzählt er seinem Zellengenossen seine Lebensgeschichte. Inmitten des Zweiten Weltkriegs und unter der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten findet Edek in Mala (Susan Küßner) seine große Liebe – hinter den Gittern des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.

Das Stück „Mala und Edek – eine Liebe in Auschwitz“ erzählt die Erlebnisse des jungen Paares, das gemeinsam trotz hoffnungsloser Lage allen Widrigkeiten entgegen tritt. Die Handlung des Stücks, das der britische Autor Marc O’Connor 2005 uraufführte, basiert auf wahren Begebenheiten, Mala Zimetbaum und Edek Galinski sind historisch belegte Persönlichkeiten. „Beim Ankleben der Plakate traf ich eine Polin, die mir ganz aufgeregt berichtete, dass sie die Geschichte der beiden kennt“, erzählt Regisseur Volker Zill, der das Stück nun mit einem Theater „Domino“ aufführen wird. Außerdem erfuhr er gerade von älteren Mitbürgern, dass es aufgrund der ungeschminkten Thematik des Stückes durchaus Vorbehalte gibt.

Auch für das kleine Ensemble selbst, das durch Dirk Zill und Leonard Mink komplettiert wird, war der Stoff nicht leicht zu verdauen. „Bei einigen Szenen sträuben sich mir immer wieder die Haare und mir kommen die Tränen“, erklärt Dirk Zill. „Ich habe anlässlich des Stückes auch ein wenig privat recherchiert“, ergänzt Susan Küßner, „da kamen dann Geschichten zum Vorschein, die man so noch nicht kannte“. Seit Dezember vergangenen Jahres laufen die Proben – und auch für erfahrene Darsteller wie die „Domino“-Gruppe war es nicht immer einfach, sich von den Rollen und ihrem Schicksal zu distanzieren. Auf der Bühne machen sie dies ganz zu Beginn und noch einmal am Schluss, in dem sie aus ihren Rollen schlüpfen und das Geschehene kommentieren. „Komplett realistisch können wir die Geschehnisse auch nie darstellen“, sagt Leonard Mink, „letztlich sind wir nur Schauspieler“.

Doch schon bei der Probe zeigt sich, dass das Quartett es sehr gut versteht, die Emotionen zu vermitteln. Es ist eine Geschichte, die von Trauer, Verzweiflung, Wut und Angst erzählt, genauso aber auch von Hoffnung, Mut und Liebe. „Unser Land ist gelähmt von dieser Nazi-Pest!“, schreit Edek etwa auf die Frage seines Zellengenossen, warum denn niemand aus der Bevölkerung den Inhaftierten zu Hilfe eilt. Auch wenn die Geschichte aus der Sicht der Häftlinge erzählt wird, thematisiert wird der Gefühlszustand einer ganzen Nation – vom wegschauenden Bürger bis zum teilnehmenden SS-Soldaten.

Es werden immer wieder Rückblenden verwendet, in denen Stück für Stück ein größeres, Ganzes zusammengesetzt wird. Dazwischen ist viel Raum für den Blick ins Innenleben von Edek, Mala und ihren Leidensgenossen.

Sechs Aufführungen

Auch, oder vielleicht gerade weil es nicht die leicht verdauliche Unterhaltungskost ist, verspricht die Premiere am Freitag, 10. April, 20 Uhr, spannende Unterhaltung. Die weiteren Termine: 11., 17. und 18. April um 20 Uhr sowie 12. und 19. April um 16 Uhr. Karten zum Preis von 10 Euro (ermäßigt 8, für Schülergruppen 5 Euro) für die Vorstellung in der Eichendorffschule Münster, Lorsbacher Straße, sind unter der E-Mail-Adresse karten@theater-domino.de oder unter der Telefonnummer (0 61 95) 96 94 15 erhältlich. Nach der Premiere gibt es außerdem die Möglichkeit, mit den Darstellern ins Gespräch zu kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare