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Konzentriert bei der simulierten Fahrprüfung: Manuel Preikschat als Prüfer (von links), Carsten Zschäpe als Fahrlehrer und unsere Reporterin Joy Gantevoort als Prüfling.

Fahrschule

Unsere Reporterin macht den Test: Noch einmal in die Führerscheinprüfung

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Heute vor 125 Jahren fand in Paris die erste Fahrprüfung weltweit statt. Damals war die Prüfung natürlich anders aufgebaut als heute, doch Reporterin Joy Gantevoort hat es gewagt, die Prüfung noch einmal zu machen – und das ohne Vorbereitung.

„Oh mein Gott“, denke ich. Gleich geht es los. Erst Theorie, dann Praxis. Das letzte Mal hatte ich diese Situation vor acht Jahren. Damals habe ich meinen Führerschein gemacht und beide Prüfungen im ersten Anlauf bestanden – natürlich mit einer Menge Büffeln vorher. Dieses Mal habe ich mich bewusst gegen eine Vorbereitung entschieden – nach dem Motto „No risk, no fun“.

Also hinein in die Prüfungssituation: Ich befinde mich in der Fahrschule Carsten und Manuel in Okriftel. Vor mir steht Manuel Preikschat, er mimt den Prüfer für diese Simulation. Carsten Zschäpe spielt meinen Fahrlehrer. Es geht los mit der Theorie. Personalausweis abgeben, Handy weg und aus, nichts mit an den Platz nehmen, Jacke ausziehen, Finger weg vom Rechner. Denn mittlerweile muss jeder Prüfling genau kontrolliert werden, erzählen die beiden Fahrlehrer. „Es kommt zu immer mehr Betrugsversuchen, deshalb wird mittlerweile jeder, der geprüft wird, ganz genau angeschaut.“

Dann darf ich anfangen. Vor mir liegen 30 Fragen, 20 allgemeine Verkehrsfragen und 10 explizit zum Auto-Führerschein. Doch eines ist anders als bei meiner Prüfung damals: Es gibt Videos. Diese darf ich mir bis zu fünf Mal ansehen. Danach muss ich ein Frage zu der gezeigten Verkehrssituation beantworten. Selbstverständlich ist vorher nicht klar, worauf es dabei genau ankommt. Das heißt also Augen auf, wie im richtigen Straßenverkehr.

Fünf solcher Video-Fragen habe ich zu beantworten. Ansonsten sind es Fragen zu der Bedeutung von Straßenschildern oder zur Bremswegberechnung. Die habe ich mir zugegebenermaßen vorher angesehen, da ich keinen blassen Schimmer mehr hatte. Die Frage, wie sich der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung berechnen lässt, beantworte ich also richtig. Doch nach der halben Stunde Theorie-Prüfung – ja, ich habe sie komplett gebraucht – muss ich feststellen, das ich trotzdem 33 Fehlerpunkte habe. Zur Erinnerung: Maximal zehn sind erlaubt, um noch zu bestehen. „Gar nicht mal so schlecht für eine Prüfung aus dem Nichts“, muntert mich Carsten Zschäpe auf, bevor es zur praktischen Prüfung geht – die ich in der Realität ohne bestandene Theorie nicht antreten dürfte.

Da sitze ich nun im A3, stelle den Sitz ein, die Spiegel, das Lenkrad. Eben musste mein Fahrlehrer Carsten Zschäpe noch beweisen, dass das Auto piepst, wenn er durch Treten der Pedale in die Prüfung eingreift. Kurz denke ich noch daran, was Freunde mir rieten, als sie von der Simulation hörten: „Denk an den Schulterblick!“ Jetzt hat mein Fahrprüfer alias Manuel Preikschat ein paar Fragen, bevor ich losfahren darf. „Was tun Sie, wenn die Motorkontrollleuchte angeht?“ „Ich fahre rechts ran.“ „Nein, Sie fahren direkt zur nächsten Werkstatt. Und wo machen Sie die Heckscheibenheizung an?“ Ich zeige auf den Knopf am Armaturenbrett, auf dem ein Rechteck mit drei senkrechten gewellten Pfeilen zu sehen ist. „Gut, dann können wir losfahren.“

Also rolle ich rückwärts auf die Straße – Schulterblick und Blinker nicht vergessen! – und eine Runde durchs Wohngebiet. Das Rückwärtseinparken meistere ich problemlos. „Nur etwas zu schnell“, heißt es später. Dann soll ich wenden, auch das passt. Doch dann kommt sie: die Gefahrenbremsung. Hier ist es so, dass der Prüfling beschleunigt und sobald der Fahrlehrer „Jetzt“ sagt, voll auf die Bremse steigt. So weit, so gut.

Aber ich scheitere am Teil danach: „Fahren Sie bitte wieder an“, sagt Preikschat. Also was tue ich mitten auf der Straße stehend? Ich schaue in den Rückspiegel und fahre langsam an. „Bremsen Sie bitte ab und fahren erneut an.“ Irritiert mache ich noch einmal dasselbe. „So und jetzt wären Sie durchgefallen. Sie haben nicht geblinkt, bevor Sie wieder losgefahren sind, auch bei der zweiten Chance“, sagt Preikschat. Auch wenn ich enttäuscht bin, fällt die Anspannung von mir: Zum Glück kann ich meinen Führerschein trotzdem behalten.

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