Nur ein Beispiel für die Vermüllung in Kelkheim, die aktuell viele Bürger und den Rathauschef sehr stört: der Parkplatz am Freibad.
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Nur ein Beispiel für die Vermüllung in Kelkheim, die aktuell viele Bürger und den Rathauschef sehr stört: der Parkplatz am Freibad.

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Viel Müll in Kelkheim: Bürgermeister muss "nachsteuern"

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Kommune will Bewusstsein schärfen, nicht mehr Personal.

Kelkheim. Ein knappes Jahr war Bürgermeister Albrecht Kündiger im Amt, da ließ er mit einer Personalie aufhorchen. Peter Postleb, bekannt als "Sauberkeitssheriff" und langjähriger Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, wurde als Berater für das Projekt "Mehr Sauberkeit für die Stadt Kelkheim" engagiert. Kurz darauf stellte er sein Konzept der Politik vor. "Hausmeister, Nachtstreife, Rote Karte, Sonntagsputz" - schon die Überschrift dieser Zeitung zeigte, was geplant war.

Nun endet die erste Amtszeit von Kündiger. Und mit einer gehörigen Portion Frust hat der Bürgermeister jetzt im Livechat seiner UKW-Fraktion ernüchternd festgestellt: In Sachen Sauberkeit sei er "hochunzufrieden, das ist deutlich schlechter geworden". Natürlich habe die Stadt nach dem Startschuss mit Postleb einiges unternommen. So gibt es eine Kraft, die regelmäßig an Wochenenden in der Stadtmitte gerade im Frühjahr und Sommer Müll sammelt. Auch schicke er den Mitarbeiter an bestimmte Orte, wo es schlimmer sei, das funktioniere recht gut. Seitdem habe die Stadt in den Ortsteilen mehrere öffentliche Müllsammelaktionen veranstaltet - mit guter Resonanz und 50 bis 60 Teilnehmern.

Doch aktuell gefällt dem Bürgermeister das Erscheinungsbild der Stadt so gar nicht. Es sei auch "sehr viel Dreck in der Natur", so Kündiger im UKW-Chat. Die Verwaltung erhalte "fast täglich Hinweise", die Mitarbeiter des Bauhofs kämen mit dem Einsammeln "kaum nach". Im Gewerbegebiet Münster zum Beispiel würden unbekannte Sünder ganze Hausmüllladungen nachts entsorgen, ebenso stapelweise alte Reifen.

"Es gibt so einige Hotspots"

Einen aktuellen Fall beschreibt Kündiger vom Parkplatz am Schwimmbad. Dort lagen haufenweise Fast-Food-Verpackungen herum. Nachdem im Facebook-Netzwerk "Alles rund um Kelkheim" ein Bild gepostet worden war, liefen die Drähte heiß. Von vielen vermüllten Orten wurde berichtet. "Es gibt so einige Hotspots. Am Hundeplatz in Fischbach auf dem Weg Richtung Gimbi. Jedes Wochenende Party", schreibt ein Nutzer. "Ich möchte gar nicht sehen, wie es bei denen zu Hause aussieht", ein Anderer. Ein Spielplatz in Fischbach sei "die reinste Müllhalde geworden. Ein Minenfeld aus Glasscherben und Müll", heißt es. Eine Frau schlägt vor: "Wenn jeder etwas einsammelt, muss es doch besser werden. Tun wir doch etwas für unsere Stadt! Wir profitieren doch alle davon."

Doch mit diesem Vorschlag dürfte die Verwaltung nicht so ganz zufrieden sein. "Das Bewusstsein muss wieder her", hält Kündiger fest. Dass eifrige Bürger regelmäßig den Müll weniger uneinsichtiger Leute einsammeln, ist keine Dauerlösung. Die Stadt werde gegen solche Sünder "mit aller Härte" vorgehen, wenn sie erwischt werden. Daher ruft Kündiger auf, illegale Entsorgungen zu melden. Oder die Müllsünder gleich direkt anzusprechen. Konkret will die Stadt die Konzeption zum sauberen Kelkheim weiter entwickeln. Damit ein vernünftiger Umgang wieder in die Köpfe der Menschen komme, so Kündiger. An mehr Personal zur Reinigung denkt er nicht. Und betont, dass die aktuelle Lage auch der Corona-Krise geschuldet sei.

Wenn die Situation sich gebessert hat, sind Sammelaktionen geplant. Mit Schülern des Privatgymnasiums Dr. Richter wurde früher der Schulweg entmüllt. So etwas kann sich Kündiger auch an der Eichendorffschule vorstellen. Er weiß, dass es dieses Problem in allen Kommunen gibt. Doch für Kelkheim wolle er nun in jeder Hinsicht "nachsteuern", damit die Stadt wieder ein Stück sauberer wird.

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