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Feuerwehrmann Jan Herbert in Aktion: In speziell vorgehaltenen Schläuchen wurde das Wasser durch die Notleitung gepumpt.

Wasserknappheit

Wasserverbrauch in Ruppertshain und Eppenhain geht zurück

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Großer Aufruhr in den „Bergdörfern“ bei rund 3500 Einwohnern: Das Wasser geht zur Neige. Die Bürger dürfen nicht den Rasen spritzen oder das Auto waschen.

Christine Michel hat am Sonntag gleich mehrfach schwitzen müssen. Zum einen beruflich, denn die Sprecherin der Stadtverwaltung musste noch eine dringende Mitteilung zum Wassernotstand in den „Bergdörfern“ schreiben. Dann privat, denn als Ruppertshainerin ist sie von den Sparmaßnahmen direkt betroffen. Drittens persönlich, denn die Hitze riss am Wochenende nicht ab. Gestern ging es gerade intensiv weiter: Das Medieninteresse nach der ersten Information war groß – sogar das Fernsehen rückte in beschaulichen Ruppertshain an.

Christine Michel weiß nach dem „Wasser-Alarm“ nun: „Es ist ein großes Verständnis da.“ Kletterte der Verbrauch am Samstag auf 25 Kubikmeter pro Stunde – normal sind etwa 19 – so sei das am Sonntag nach der Bekanntmachung erheblich zurückgegangen, betonen Michel und Bürgermeister Albrecht Kündiger. Dafür hat die Stadt auch zu einem seltenen Mittel gegriffen: Feuerwehrautos mit großen Lautsprechern rollten durch den Ort. Dort hieß es unter anderem: „Die Bevölkerung wird aufgefordert, die Entnahme von Trinkwasser auf das absolut notwendige Maß zu reduzieren. Es besteht eine erhebliche Gefährdung der Trinkwasserversorgung.“ So hat die Stadt verboten, den Rasen zu bewässern, Pools zu befüllen oder Autos zu waschen. Wer erwischt wird, dem droht ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro.

Für Christine Michel war ein übermäßiger Verbrauch während der Hitzewelle ohnehin kein Thema. Sie sei schon vor der Alarmierung deutlich bewusster mit dem kostbaren Gut umgegangen, sagt sie dem Kreisblatt. Wasser, das etwa zum Obst- und Gemüse-Waschen in der Küche gebraucht werde, fange sie auf. Das bekommen der Pflaumen- und Quittenbaum im Garten, die sonst ihre Früchte zu früh abwerfen würden. Es sei auch nicht notwendig, zehn Minuten zu duschen, findet sie. Zwischendurch beim Einseifen könne das Wasser ebenso abgestellt werden wie beim Zähneputzen oder Händewaschen. Und beim Spülen, wenn nötig, könne eine Wanne genutzt werden. „Das alles haben unsere Eltern schon früher gemacht“, weiß Christine Michel und möchte „ein Zeichen setzen“. Wichtig sei es, sich gegenseitig „daran zu erinnern“. Das macht auch die Stadt, die gestern längst keine Entwarnung gab. „Die beiden Brunnen, die Ruppertshain und Eppenhain mit Trinkwasser beliefern, sind so gut wie erschöpft und können die Trinkwasserversorgung nicht mehr lange sicherstellen“, betont Bürgermeister Albrecht Kündiger, der am Sonntag ein Krisen-Team um den Stellvertretenden Stadtbrandinspektor Benjamin Liebenthal und Wasserwerksmeister Christian Schmidt zusammenrief.

Die Helfer waren bis nachts mit den Maßnahmen beschäftigt. Es wurde von Fischbach Wasser in die Tiefzone Ruppertshain gepumpt. „Um jedoch auch die Hochzone Ruppertshain und den Stadtteil Eppenhain zu versorgen, ist von der Feuerwehr eine Notleitung zum Hochbehälter Rossert gelegt worden“, informiert die Stadt. So konnten 110 Kubikmeter Wasser dorthin fließen. Es sei „jetzt eine Reserve vorhanden“. Trotz der Maßnahme, die „im schlechten Fall wiederholt werden muss“, sollen die Bürger weiter Wasser sparen. Die Brunnen müssen für den Notfall ja noch eine Brandreserve vorhalten. Kündiger ist dankbar, dass erste Appelle gefruchtet haben, weiß aber: Ein Regenwassertropfen brauche 100 Tage für seinen Weg in das Grundwasser. Deshalb sei auch bei einem Regenfall keine Entspannung in Sicht. Zumal es in den nächsten Tagen noch heißer werden soll. Auch für ganz Kelkheim gilt ein bewusster Wasser-Umgang.

In den Sozialen Medien wird fleißig über den Wasser-Notstand diskutiert. Kritik gab es daran, dass die Stadt erst vor kurzem aufrief, junge Bäume zu gießen – und nun plötzlich das Nass knapp wurde. Es sei wiederum auch fahrlässig, gerade erst gepflanzte Jungbäume mit Pflock womöglich gleich wieder eingehen zu lassen, so Christine Michel. Das sei ein „maßvolle Bitte“ gewesen. Auf den Punkt bringt es eine Bürgerin im Netz: Ein bewusster Umgang mit Wasser müsse immer sein: „Wasser ist Leben. Wir müssen gut damit umgehen!“

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