Festtage

Weihnachten ist für viele Geflüchtete kein Fremdwort: "Integration ist keine Einbahnstraße"

Seit nunmehr fünf Jahren richten die Arbeitskreise für Flüchtlingshilfe in Kelkheim ein gemeinsames Weihnachtsfest aus.

Sie sind mit voller Inbrunst und Spaß dabei: Komail, Saba, Fatima, Abrar, Yasaman, Farhat und Farahnaz singen bei der Weihnachtsfeier „In der Weihnachtsbäckerei“ und „Feliz Navidad“. „Die meisten Flüchtlinge sind zwar Muslime, feiern aber trotzdem gerne mit uns Weihnachten“, sagt Mafalda Pinto-Schneider, Vorsitzende des Ausländerbeirats Kelkheim, und lässt den Blick zufrieden über die besetzen Tische gleiten.

Seit nunmehr fünf Jahren richten die Arbeitskreise für Flüchtlingshilfe in Kelkheim ein gemeinsames Weihnachtsfest aus. Es ist ein buntes Gewusel, ein freudiges Stimmengewirr erfüllt die Kelkheimer Stadthalle, um die 200 Gäste sind da. „Die Feier ist nicht religiös ausgelegt“, erklärt Pinto-Schneider. Viel eher kommen alle zum Fest der Liebe, Familie, Freunde, Menschlichkeit zusammen. Großen Wert werde vor allem auf das gegenseitige Miteinander, das Verstehen und Kennenlernen der deutschen Kultur gelegt.

Unterstützer gesucht

 „Sprache ist hierfür der wichtigste Grundstein“, weiß Pinto-Schneider und betont, das Team benötige dringend noch weitere Helfer, die Deutsch unterrichten. Außerdem gebe es eine Lücke bei jenen Ehrenamtlichen, die sich mit den jungen Männern im Alter zwischen 18 und 28 Jahren beschäftigen. „Diese Altersgruppe kommt leider zu kurz.“ 2019 wolle die Gruppe einen erneuten Aufruf starten. Bei den Jüngeren sei das alles etwas einfacher, schließlich lernen Kinder bekanntermaßen Sprachen oft schneller.

Lieder fleißig geübt 

Und Weihnachten? Das gehört für Komail aus Afghanistan mittlerweile dazu. „Wir feiern es zwar nicht mit unserer Familie, dafür aber hier“, erklärt der Elfjährige. Sein Lieblingslied sei „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, und am meisten freue er sich – wie jedes Kind – auf die Geschenke. Sein Freund Samir aus Syrien mag vor allem „In der Weihnachtsbäckerei“, sagt der Zehnjährige und singt fleißig mit. Auch die elf Jahre alte Afghanin Farhat stimmt auf der Bühne das bekannte Lied von Rolf Zuckowski mit an.

„Weihnachten ist für niemanden hier ein Fremdwort“, sagt Mafalda Pinto-Schneider. Für den kulturellen Austausch sei es von großer Wichtigkeit, Weihnachten gemeinsam zu feiern. „Das ist Integration.“ Etwas dürfe dabei nicht fehlen: die Geschenke. Etwa 100 Päckchen seien dieses Jahr durch Spenden zusammengekommen, erzählt Pinto-Schneider – ein erfolgreicher Jahresabschluss.

Pläne für 2019 gibt es auch schon: Neben den laufenden Projekten wie die Deutschkurse, sind unter anderem eine Fotoausstellung mit Bildern über Kelkheim im Rathaus sowie diverse kreative Projekte für einheimische und geflüchtete Kinder angedacht. Zudem soll es Workshops zum Thema „Haushaltskompetenzen“ für Erwachsene geben. „Vieles, das für uns selbstverständlich ist, ist für die Geflüchteten neu“, erklärt Pinto-Schneider. Zum Beispiel, dass Leitungswasser hier trinkbar ist oder dass hier Wert auf Mülltrennung gelegt wird. Kulturelle Eigenheiten eben.

Vieles habe der Kreis bereits geschafft, doch Integration sei ein Prozess, der nur langsam fortschreite und natürlich von beiden Seiten her kommen muss. „Integration ist keine Einbahnstraße“, hält Mafalda Pinto-Schneider fest.

VON LENA VAN DEN WYENBERGH

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