Rennkurse

Zwei Freunde lieben Benzinduft und schreiben Buch über ihre Leidenschaft

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„Lost Tracks“ heißt das Werk von Dani Heyne aus Leipzig und Michael Blumenstein aus Kelkheim. Mit speziellen Autos haben sie verborgene Rennkurse besucht.

Was wurde jetzt über den Hockenheimring diskutiert rund um das Formel 1-Rennen. Ob er für die Beletage des Motorsports noch zu retten ist? Dabei geht es den Hockenheimern noch vergleichsweise gut: Denn bundesweit gibt es viele Rennstrecken, die keiner kennt, längst geschlossen oder vergessen sind. Das wissen die Freunde Dani Heyne aus Leipzig und Michael Blumenstein aus Kelkheim. Deshalb haben sie über ihren Verlag „Motorliebe“ in diesem Jahr das Buch „Lost Tracks – Verborgene Rennstrecken“ herausgebracht.

Blumenstein und Heyne sind fasziniert vom Motorsport. Der Kelkheimer, gelernter Kfz-Mechaniker und Automobilkaufmann, machte ein Volontariat für ein Automagazin und lernte dort Heyne kennen. Die Chemie stimmte, die Benzingespräche gingen in die gleiche Richtung. Gemeinsam haben sie ein Abenteuer gestartet: Sie wollen mit der Vespa einmal rund um die Welt reisen. In den USA, auf Island und in England waren sie schon, haben im Delius-Klasing-Verlag jeweils ein Buch herausgebracht. Dabei ist ihnen ein Kulturenvergleich wichtig, sie wollen mit vielen Bildern und Interviews mit besonderen Menschen dazu einladen, solche Flecken Erde auch zu erleben.

Aktuell ruht das Vespa-Projekt. „Diese Reisen sind so anstrengend, dass man danach erstmal zwei Wochen Urlaub machen muss“, weiß Blumenstein. Zudem seien die Kosten schon hoch, mit dem Buch-Verkauf sei bisher noch nicht mal die erste USA-Tour komplett finanziert. Doch Blumenstein und Heyne lassen sich davon nicht abschrecken. Sie finden andere Projekte.

Im Herbst wollen sie drei Wochen mit einem alten 1968er Mercedes S-Klasse durch Albanien reisen – ein unbekanntes, laut Blumenstein sehr schönes Land, das mal mit der höchsten Benz-Dichte habe aufwarten können. Zwar oft die alten Modelle – aber egal, finden die Weltenbummler. Im nächsten Jahr wollen sie rund um das Schwarze Meer auf vier Rädern reisen – mit welchem fahrbaren Untersatz, ist noch nicht klar. Artikel dazu soll es geben, vielleicht auch Bücher, überlegt Blumenstein. Der 43-Jährige verdient nach zuletzt einem Job in der Opel-Pressestelle nun als selbstständiger Redakteur seine Brötchen.

Unter anderem mit „Lost Tracks“. Vor vier Jahren hat Heyne das Projekt erdacht. Es reifte eine Zusatz-Idee: Sie wollten die verborgenen Rennstrecken nicht mit Privat-Autos abfahren, sondern mit besonderen, dazu passenden Modellen. Da kam der Kontakt zu Opel recht – der Autobauer war Feuer und Flamme. Und so ging’s los, quer durch Deutschland, zu elf Rennstrecken, die es noch gibt, aber unbekannt sind – oder die längst geschlossen sind. So wie der Schottenring am hessischen Vogelsberg. 1925 war das erste, 1956 das letzte Rennen auf den 16 Kilometern rund um Schotten.

Bis zu 50 000 Zuschauer säumten mitunter den Kurs, der heute zum Teil zum normalen Straßennetz zählt. Es „erinnern nur noch wenige markante Punkte an die ehemals große Vergangenheit“, schreibt Heyne – obwohl es auf dem kleinen Ring mit 1,4 Kilometern inzwischen wieder Rennen gibt. Blumenstein und Heyne haben den Schottenring erlebt – mit einem Opel GT. „Wir sind begeistert. Wie kurvig sich die Schleife in diese hügelige Landschaft schmiegt“, heißt es im Buch. Hätten die Ausbaupläne Erfolg gehabt, der Schottenring wäre heute nach dem Nürburgring die zweite „Grüne Hölle“ in Deutschland, sind sie überzeugt.

Die Vielfalt in „Lost Tracks“ ist groß – der Einfallsreichtum des Duos war es auch. Für den Teterower Bergring, eine hügeligen Grasbahn-Rennstrecke in Mecklenburg-Vorpommern von 1930, haben sie sich den ersten Opel-Rennwagen von 1903 (12 PS, Höchstgeschwindigkeit 72) ausgesucht. „Mit dem wir über die Grasnarbe tuckern und uns an den Kurven berauschen, die Hügel hinunter jagen und wieder hinauf kämpfen“, schreiben sie. Deutlich moderner geht es auf der Schauinsland-Strecke bei Freiburg zu, die von 1925 bis 1985 viele Bergrennen gesehen hat.

Die Autoren schrauben sich mit einem Opel Insignia die zwölf Kilometer lange Serpentinenpiste hoch. Und merken: „Es braucht nicht viel Tempo, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was für ein Abenteuer es einst gewesen sein muss, diese Strecke auf Schotter und gegen die Uhr zu erklimmen. Respekt!“

Ob Land-, Stadt- oder Berg-Kurs, von der modernen Trainingsstrecke Groß-Dölln nördlich von Berlin über den Estering bei Buxtehude, bekannt als offizielle Strecke fürs Rallyecross, den Uhlenköper Ring als Matsch-Rund bei Uelzen, bis zum schon eher bekannten Norisring in Nürnberg – Heyne und Blumenstein haben das Motorsport-Land auf vier Rädern bereist. Und dabei viel erlebt: die Anreise zum Schottenring im strömenden Regen oder das Fotoshooting am Norisring. Hier wollten sie von Auto zu Auto fotografieren – doch ein dritter Mann fehlte: Wie gut, dass sie dort auf Jungs aus der Tuning-Szene stießen. Einer war ganz verliebt in ihren Lotus Omega, 377 PS, für Deutschland waren nur 400 Autos vorgesehen – und machte mit.

Wie geht es weiter? Blumenstein kann sich vorstellen, „Lost Tracks“ auszubauen, vielleicht mit einem zweiten Deutschland- oder einem Europa-Buch. Unter ihrer Marke „Motorliebe“ wollen sie gerne Kleidung vermarkten – was sich laut dem Kelkheimer (43), der nun in München wohnt, schwierig gestaltet.

Und natürlich haben sie die Vespa im Kopf. „Wir machen das ja, weil’s uns Spaß macht.“ Zwei Männer mit Benzin im Blut werden in den nächsten Jahren sicher weitere zündende Ideen entwickeln . . .

208 Seiten für 18 Euro

Das Buch „Lost Tracks“ hat 208 Seiten, gut 200 Bilder, ist in Deutsch und Englisch geschrieben und kostet 18 Euro. Bestellung über .

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