+
Sandra Göb und Glenn freuen sich: Die Betreiberin und der Wallach haben den Reitstall beschnuppert.

Notdach für 350.000 Euro

Zwei Monate nach dem verheerenden Brand: Pferde können zurück in ihren Stall auf dem Rettershof ziehen

  • schließen

Ein Etappenziel ist nach dem Brand am Rettershof erreicht. Es liegt in Abstimmung mit dem Denkmalschutz aber noch einige Arbeit vor der Stadt.

Glenn hat schon mal geschnuppert – und die Nüstern nicht gerümpft. Es gefällt ihm offensichtlich im neuen, alten Zuhause. Noch darf der zehn Jahre alte Wallach nicht einziehen in den Reitstall am Rettershof. Doch die Pächter Sandra und Christoph Göb wollen die 15 Pferde nach der Grundreinigung Ende dieser Woche so langsam wieder heimbringen. In ein Gebäude, aus dem sie Anfang Juli nach dem großen Brand in Panik geflüchtet sind. Glenn war dabei noch clever, weiß Sandra Göb. Er rannte hoch zum Parkplatz, blieb dort stehen und schaute den Feuerwehrautos zu.

Das Pferdeheim im Hofgut darf wieder bezogen werden. Die Stadt hat bei der Sanierung auf die Tube gedrückt. Nach Prüfungen und Absprachen konnten die Arbeiten laut Architekt Tobias Gillenkirch Mitte Oktober beginnen und sind nun nach zwei Monaten fertig. „Es ist Gewaltiges geleistet worden“, findet Bürgermeister Albrecht Kündiger, der gestern zum Etappenziel eingeladen hat. Beim Pressetermin vor fünf Monaten habe es noch kräftig nach Ruß gerochen. Zudem glich der Hof einem Trümmerfeld. Nun bietet das Gut einen freundlicheren Anblick. Am Stallgebäude sind aber deutliche Spuren zu sehen: Das neue Mauerwerk wurde an die bestehenden Wände gesetzt, die Holzverkleidung deutet an: Hier handelt es sich um ein Notdach. 

Polizei rätselt weiter: Was war die Ursache?

Der Unterbau mit Stahlträgern und zusätzlicher Verschalung ist aber fertig, betont Gillenkirch. Das alte Dach muss laut Denkmalschutz originalgetreu hergestellt werden wie die Fassade mit den Kunstwerken. Dort sind bereits Stellen freigelassen worden. Die neuen Fenster haben sich am alten Glas orientiert. Für die Simse durfte kein roter Sandstein verwendet werden, stattdessen gleichen sich die geschalten Fensterbänke aus Beton mit Muschelkalk den alten an.

Der sanierte Stall hat nun ein Notdach – und viele der alten, neuen Boxen.

Offen ist indes, wie das Obergeschoss künftig genutzt werden soll. Laut Kündiger soll sich der Aufsichtsrat damit bald befassen. Klar ist, dass dies kein Heulager mehr werden wird. Denn dort war im Juli der Brand ausgebrochen. Warum, das ist noch immer unklar. Laut Kündiger gibt es „keine neuen Erkenntnisse“. Polizeisprecher Johannes Neumann betont aber, die Ermittlungen seien „noch nicht bei den Akten“. Neuen Hinweisen werde auf jeden Fall nachgegangen, doch die Ursachenermittlung sei sehr schwierig.

Bei dem Brand wurde vieles in Mitleidenschaft gezogen

Denn beim Brand wurde vieles in Mitleidenschaft gezogen. Die Feuerwehr musste die vordere Wand zum großen Teil einreißen, um an das noch brennende Stroh zu kommen. Hinzu kamen Tausende Liter Löschwasser. Beschädigt wurde die Reithalle dahinter, die nun wieder neu gemacht ist. Das soll auch für die alte Toreinfahrt passieren, wo als Muster ein Träger stehen geblieben ist. Insgesamt hat die Stadt bisher rund 350 000 Euro ausgegeben, was die Versicherung zahlt. Thomas Alisch, Geschäftsführer der Rettershof GmbH, glaubt schon, dass die genannte Wiederaufbau-Summe von einer Million Euro hinkommt. Froh ist die Stadt, dass viele Firmen, gerade aus Kelkheim, ihre Verbundenheit zeigten und trotz gut gefüllter Auftragsbücher schnell mit einsprangen.

Froh sind auch die Reitpächter. Drei Wochen mussten alle 46 Pferde in Ställen in der Region untergebracht werden. Zuletzt fehlten noch die 15 Boxen im Gebäude. Sie waren erst kurz vor dem Brand fertiggestellt worden, können nun bald wieder genutzt werden. Wirtschaftlich seien die vergangenen Monate nicht gewesen, sagt Sandra Göb, die auch den beiden gestorbenen Pferden nachtrauert. Sechs Tiere waren zudem verletzt. Immerhin fünf werden wieder Turniere reiten können – ein besonders edles Sportpferd wegen einer Hufgelenksverletzung allerdings nicht.

Immer wieder brechen schwere Brände in Pferde- oder Viehställen aus. Feuerwehrleute müssen dann nicht nur gegen die Flammen kämpfen, sondern auch mit der Panik der Tiere umgehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare