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Die Polizei fotografierte den ausgebrannten Astra einige Stunden später.

Großeinsätze in Kelkheim

Täter blockieren Polizei mit brennendem Auto - und sprengen einen Geldautomaten

Um die Polizei bei einer möglichen Verfolgung zu blockieren, haben Kriminelle erst ein Auto vor der Wache angezündet und dann einen Automaten in der Commerzbank gesprengt.

Kelkheim - "Es hat einen Schlag gegeben. Da sind die Kollegen gleich raus", erzählt Roman Sickenberger, der Stellvertretende Leiter der Polizeistation in Kelkheim. Die Beamten trauen ihren Augen kaum, was sie da in der Nacht zum Freitag kurz vor 3.30 Uhr sehen: Ein Auto steht direkt vor dem Eingang der Wache an der Fischbacher Straße in Flammen. Löschen kann die Polizei den Vollbrand nicht, da muss die Feuerwehr anrücken. Die Kollegen seien über den Vorfall direkt vor ihrer Haustür "schon geschockt" gewesen, erzählt Sickenberger wenige Stunden danach dieser Zeitung.

Vor allem dann, als sie den Hintergrund erfuhren: Denn das brennende Auto diente in der Nacht dazu, die Polizei an der Verfolgung von Ganoven zu hindern. Die Fahrzeuge im Hof hätten nicht ausfahren können, zudem haben die Täter am Streifenwagen vor dem Haus die Reifen platt gestochen. Was die Kriminellen auf dem Kerbholz hatten? Nach der Brandlegung haben sie den Geldautomaten in der Filiale der Commerzbank an der Frankfurter Straße gesprengt, sind aber ohne Beute abgezogen.

Sprengung: Ähnlicher Fall tags zuvor

Die Spuren sind am nächsten Morgen noch zu erkennen. Der Automatenraum im Eingangsbereich ist mit Flatterband abgesperrt, ein Hinweis führt die Kunden über den Hof. Einem der Automaten fehlt ein Teil des Gehäuses, sonst sieht alles unversehrt aus. Immer wieder bleiben Passanten und Kunden stehen. Einige wissen von dem Vorfall und schütteln nur den Kopf.

Ebenso wie Polizei-Vize Sickenberger. Er geht bald in den Ruhestand, so etwas habe er auch noch nicht erlebt. Das seien schon ganz neue Dimensionen. Die aber offensichtlich zur neuen Masche der Automaten-Sprenger werden. Denn in Stadtallendorf hatten erst in der Nacht zum Donnerstag Unbekannte einen Geldautomaten gesprengt. Vermutlich dieselben Täter haben die Zufahrtstraße der Polizei mit einem brennenden Auto blockiert - die Polizei geht davon aus, dass die Täter Zeit gewinnen wollten.

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Geldautomatensprengung: Gas strömt, keine Beute

Ähnlich verhält sich der Fall wohl in Kelkheim, wo es vor dem Revier noch wenige Spuren der Tat gibt. Reste von Scherben liegen auf dem Boden, der große Brandfleck in der Einfahrt ist nicht zu übersehen, ebenso wie ein geschmolzenes Hinweisschild. Dass Arbeiter gerade die Wache renovieren und modern umbauen - das habe damit aber nichts zu tun, sagt Sickenberger.

Welche Details wissen die Polizei und die Staatsanwaltschaft? Nach den Erkenntnissen sprengten die Täter gegen 3.25 Uhr den Geldautomaten: "Zwar entstand durch die Umsetzung des eingeleiteten Gases Sachschaden in noch unbekannter Höhe, jedoch war es den Unbekannten in der Folge nicht möglich, die Geldkassette zu erreichen. Sie flüchteten ohne Beute." Es sei kein "nennenswerter Sachschaden an dem Gebäude" entstanden und keine Personen verletzt worden, berichtet die Polizei. Zum Vorfall vor der Wache heißt es: "Sehr wahrscheinlich als Vorbereitung auf ein mögliches Flucht- bzw. Verfolgungsszenario hatten Unbekannte im Vorfeld der Tat die Reifen zweier vor der Kelkheimer Polizeistation geparkter Streifenwagen zerstochen. Darüber hinaus war die Hofausfahrt mit einem mutmaßlich gestohlenen Privatfahrzeug blockiert worden. Dieses hatten die unbekannten Täter in Brand gesetzt." Der entstandene Sachschaden an dem ausgebrannten Auto belaufe sich auf mehrere Tausend Euro. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen die Ermittler von mindestens drei maskierten und mit weißen Anzügen (wie sie beim Malen verwendet werden) gekleideten Tätern aus, die mit einem dunklen 5er BMW vom Tatort in Richtung Stadtmitte geflüchtet sind. Ein Zeuge will laut Polizei eine Schusswaffe gesehen haben. Die Beamten fahndeten in der Nacht mit einem Hubschrauber nach den Tätern. Nach ersten Maßnahmen durch die Hofheimer Kriminalpolizei hat das Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen und bittet um die Mithilfe. Wer hat verdächtige Beobachtungen gemacht? Zeugen oder Hinweisgeber werden gebeten, sich unter (0 61 92) 20 79-0 bei der Kripo in Hofheim oder direkt beim LKA unter (06 11) 830 zu melden.

Kelkheimer Feuerwehr wurde gegen zum Brand zur Polizeistation

Die Kelkheimer Feuerwehr wurde gegen 3.30 Uhr zum Brand zur Polizeistation gerufen. Das Fahrzeug stand im Vollbrand direkt am Gebäude, deshalb wurden die Kameraden aus Münster noch gerufen. "Nur wenige Minuten später wurde ein gesprengter Geldautomat in einer Bankfiliale auf der Frankfurter Straße gemeldet", berichtet Sprecher Sascha Hahn von der arbeitsintensiven Nacht. Zu dem Pkw-Brand nachrückende Löschfahrzeuge wurden umgeleitet und fuhren direkt die Bank an. Die Truppe konnte keine größere Beschädigung des Bankgebäudes feststellen. "Allerdings befanden sich noch Gasflaschen im Gebäude, weswegen die Wehr Kelkheim-Hornau nachalarmiert wurde. Mit dem dort verladenem Gasprüfgerät wurde das Gebäude frei gemessen und eine weitere Explosionsgefahr ausgeschlossen", berichtet Hahn. Wie Ulrike Eisenacher, Pressesprecherin der Commerzbank, berichtet, seien zwei Geldausgabeautomaten in Kelkheim beschädigt worden. Der Selbstbedienungsbereich war am Freitag geschlossen und soll Anfang nächster Woche wieder öffnen, die Filiale zeitweise nur über den Nebeneingang zugänglich. Auch Eisenacher berichtet von ähnlichen Vorfällen am Tag zuvor in Stadtallendorf sowie vor etwa zwei Wochen in Bad Nauheim. In Kelkheim übrigens zieht die Commerzbank um in das neue Wohn- und Geschäftshaus an der Frankenallee. Die Neueröffnung ist laut Eisenacher für den 19. August geplant.

Natürlich gab es reichlich Diskussionen in den sozialen Netzwerken, speziell im Forum "Alles rund um Kelkheim", wo manche ihre Eindrücke schilderten. "Gab einen heftigen Knall, woraufhin meine Tochter und ich senkrecht im Bett standen", heißt es zur Automaten-Sprengung. Eine andere Nutzerin dachte beim Vorfall an der Polizei erst, "dass geschossen wird". Und ein weiterer Kelkheimer fasst die heftige Sache recht salopp zusammen: "Es wird immer doller." wein

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