+
Genaue Kontrolle am Spielplatz Dingesweg: Klaus Schubert macht am Holzbalken den Klopftest.

Reportage

Der wachsame "Spielplatz-Polizist" - Ihm entgeht nichts

  • schließen

Einen speziellen Hammer hat sich der Kelkheimer Spielplatz-Prüfer anfertigen lassen. Auch sonst entgeht ihm fast nichts - darunter gar Scherben im Sand.

Kelkheim - Was der Mann mit dem silbernen Hammer wohl um die Mittagszeit auf dem Spielplatz am Dingesweg will? Jeder Woche ist er hier anzutreffen - meist, wenn keine Kinder spielen. Und danach "bereist" Klaus Schubert noch die weiteren 18 Spielplätze in der Stadt. Der Mitarbeiter der Verwaltung hat einen ganz speziellen Job: Er ist für die Kontrolle der Grün- und Spielanlagen Kelkheims zuständig - schon seit fast 20 Jahren.

Das Klopfgerät, das er nun am Dingesweg mit sich führt, hat er sich für seine Aufgabe anfertigen lassen. Stadtsprecherin Christine Michel, die ihn an diesem Mittag auf seiner Tour begleitet, nennt es den "magischen Hammer". Schubert kann damit erkennen, ob die Holzspielgeräte in Ordnung sind. Einmal am Sandkasten oder an den Pfosten der Schaukel geklopft - nur wenn es heller klingt, muss er sich Sorgen um morsches Holz machen. Inzwischen gibt es Metallschuhe, so dass die Holzstangen nicht mehr im Boden versenkt sind. Mit der Spitze des Hämmerchens könnte der Fachmann aber auch so testen, ob sich das Metall ins Holz bohrt. Falls ja, ist hier Handlungsbedarf.

Wann der "Spielplatz-Polizist" ausrücken muss - es ist gesetzlich klar geregelt: Einmal in der Woche ist eine Sichtprüfung der 19 Anlagen von Münster bis Eppenhain fällig, alle sechs bis acht Wochen eine mechanische Kontrolle. Dann werden die Füße aller Spielgeräte frei gegraben, erläutert Schubert. Vor allem beim Holz sei das wichtig, auch die immer stärker verbreiteten Metallkonstruktionen könnten natürlich rosten. Einmal im Jahr wird die Arbeit des Kollegen aus dem Amt für Planen und Bauen durch den TÜV überprüft. Pflicht ist es, den Sand alle zwei Jahre auszutauschen. In Kelkheim geschehe das jährlich, so Schubert - mit Kosten von jeweils rund 10 000 Euro.

Der Kelkheimer geht seine Aufgabe sehr gewissenhaft an. Sie mache ihm Spaß. Das kann Sprecherin Michel bestätigen: Schubert beweise "sehr viel Übersicht, Weitblick und steht dahinter". Und betont: "Seitdem er es macht, haben wir keine Probleme mit den Spielplätzen. Das wird alles engmaschig kontrolliert." Beim Rundgang schaut sich Schubert jedes Gerät genau an. An der Schaukel am Dingesweg ist die Kontrolle der Ketten wichtig, zudem sollen die Sitze keine Risse und scharfen Kanten aufweisen. Der vom Lions-Club gespendete Sand-Förderturm wird auf Sicherheit und Funktionalität überprüft. Bei den Wackeltieren sollen die Federn reibungslos schwingen, zudem dürfen keine Splitter herausragen. Auf die Kletterpyramide steigt er hin und wieder selbst, um alles reibungslos prüfen zu können. Wenn Adern aus den Drahtseilen ragen oder die Plastikkappen aufgeplatzt sind - dann sei Gefahr im Verzug, sagt er. Auch die Hütte und Sitzbänke werden auf den sicheren Stand kontrolliert. Eine gute Viertelstunde dauert das - dann kann Schubert einen Haken machen.

Nächste Station ist der Spielplatz im Mühlgrundpark. Hier nennt der 63-Jährige, der 2020 in Rente gehen wird, einen kleinen Mangel: An der Spiel-Eisenbahn fehlen Plastikabdeckungen. Ein neues Paket sei bestellt. Gefahr durch scharfe Kanten besteht nicht. Zudem dürfe das Holz keine tiefen Spalten aufweisen, damit sich Kinder nicht die Finger einklemmen können. Schubert macht noch den Rütteltest - die Bahn ist weiter "fahrtauglich".

Besonderes Augenmerk legt er auf die Seilbahn, eine von zwei Anlagen in der Stadt. Wichtig sei, dass die Bremsfeder nicht ausgeleiert ist, hier macht er den Klopf- und Sichttest. Und schon probieren Reporter und Stadtsprecherin die Bahn aus - alles einwandfrei. Wenige Meter weiter "betreut" der Rathaus-Kollege die neuen Fitnessgeräte für Jedermann. Beim Funktionstest muss er Stellschrauben lockern, damit die Trainer leichter gängig sind. Die würden junge Leute gerne mal verstellen, weiß Schubert.

Es gebe schon hin und wieder auch Probleme auf den Spielplätzen, hat Klaus Schubert in den fast 20 Jahren beobachtet. Mal wird in den Spielhäuschen gezündelt, mal findet er gar Scherben oder Messer im Sand. Vereinzelt gibt es Spielplätze mit den Hinterlassenschaften von Hunden. Doch dem "Adlerauge", der in seiner Freizeit tatsächlich dem Indianer-Hobby frönt, entgeht fast nichts. Entdeckt er Mängel oder Müll, beseitigt er das meist sofort. Bei größeren Dingen müssen Geräte gesperrt werden und der Bauhof anrücken. Auch die Pflanzen drumherum hat er im Auge - so wie grundsätzlich in der Stadt, denn Schubert ist noch für Bäume, Grünflächen, Bachläufe und Bänke zuständig.

Zwei Spielplätze seien als Treffpunkt von Jugendlichen beliebt: "Sieben Hügel" an der Hügelstraße und "Sindlinger Wiesen". Scherben, Spritzen, Küchenmesser habe er dort schon gefunden. Inzwischen werde die Anlage im Stadtpark nachts abgeschlossen, zudem macht die Ordnungspolizei bei Bedarf verstärkt Kontrollen. Vandalismus auf den Spielflächen kann Schubert nicht verstehen - ist insgesamt mit der Lage aber zufrieden.

Es gebe fast auf jeder Anlage behindertengerechte Geräte, hebt er hervor. Einen solchen Antrag auf politischer Ebene habe die Stadt zum Teil längst umgesetzt, betonen Schubert und Sprecherin Christine Michel. Im Mühlgrundpark weisen sie auf neue Drehscheiben mit Labyrinth und Spieluhr hin, weitere dieser Art sollen folgen. Fast komplett erneuert wird nun der Spielplatz "In den Padenwiesen" in Münster, kündigt Schubert an. Zwar hat er für neue Geräte und Einbau 11 000 Euro im Haushalt, doch kann "Mr. Spielplatz" nicht alle Wünsche erfüllen. Wasser-Anlagen oder jeweils Toiletten - das sei einfach zu aufwendig und teuer, räumt er ein. wein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare