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Paul Simon Kranz in der Rolle des Ibn Sina, der Hauptfigur aus der Stadtteiloper ?Sehnsucht nach Isfahan?. Alle Kinder der Henri-Dunant-Schule machen bei der Inszenierung im Volkshaus Sossenheim mit.

Musikprojekt

Kinder bringen Oper auf die Bühne

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Viel Applaus und so manche Träne der Rührung: Die Kinder der Henri-Dunant-Schule begeistern mit der Stadtteiloper „Sehnsucht nach Isfahan“ im Volkshaus Sossenheim ihr Publikum. Die Grundschüler arbeiteten dafür mit Profis zusammen.

Ein altes Sprichwort sagt: „Wissen ist Macht!“ Vor gut 1000 Jahren, in der Zeit des Mittelalters, gehörte das Wissen nur wenigen Menschen, denn Bücher waren kostbar und nicht jedem zugänglich. Einer, der die Bücher studierte und auch selbst welche schrieb, hieß Ibn Sina (um 980 bis 1037). Er war ein Gelehrter, Philosoph und Mediziner und lebte im früheren Persischen Reich. Mit seinem Wissen, mit dem er Menschen aus dem Volk half, machte er vielen Herrschern seiner Zeit Angst: Sie sahen in ihm eine Bedrohung. Ibn Sina musste häufig fliehen, bis er schließlich nach Isfahan gelangte.

Paul Simon Kranz steht auf der Bühne im Volkshaus Sossenheim und singt von der Verzweiflung, die Ibn Sina überkommen haben muss, als er vor der Verfolgung durch den tyrannischen Herrscher Sultan Mahmud von Ghazni (971– 1030) durch die Wüste floh, um sich in Sicherheit zu bringen. „Sehnsucht nach Isfahan“ heißt die Inszenierung, in der die Geschichte des Gelehrten Ibn Sina erzählt wird. In die Rolle des Ibn Sina, der im Westen Avicenna heißt, ist Paul Simon Kranz geschlüpft.

Das Besondere an dem Projekt ist, dass es getragen wird von den Mädchen und Jungen der Henri-Dunant-Schule (HDS), die es gemeinschaftlich mit Erwachsenen und sogar echten Profis auf die Bühne bringen. Oder wie es Franz Kissel, Vorsitzender des Kultur- und Förderkreises (KuFö), vor Beginn der Aufführung formuliert: „Die Kinder der Henri-Dunant-Schule sind die Stars, ihnen gehört der Applaus und die Aufmerksamkeit.“ Der Verein unterstützt das Projekt mit seiner Initiative „Kinderkultur an Sossenheimer Schulen“.

Alle 300 Kinder der HDS machen bei der Inszenierung mit. Sie sind ein Teil dieser Stadtteiloper – als solches ist das Projekt überschrieben – und haben sich auf den großen Moment der Aufführung seit Beginn des Schuljahres fächer- und jahrgangsübergreifend vorbereitet, haben Choreographien einstudiert, Bilder gemacht oder Szenen filmisch festgehalten, die während der Aufführung auf eine Leinwand projiziert werden.

Aber vor allem haben sie gesungen und Lieder einstudiert, die sie teils mehrstimmig im Chor vortragen. Und zwar nach der Musik des Komponisten Georg Friedrich Händel (1685–1759), die von sieben Profi-Musikern mit Violinen, Cello, Kontrabass, Klarinette und Musik gespielt wird – unter Leitung von Markus Neumeyer.

Berührungsängste mit der klassischen Musik aus dem Barock kennen die Kinder nicht. Ganz im Gegenteil: Mit ganzem Körpereinsatz fühlen sich die Schüler in ihre Rollen ein. Unterstützt werden sie dabei von einem Projektchor aus 20 erwachsenen Sängern, darunter ehemalige Lehrer und Bewohner des Stadtteils.

Die pädagogische Projektleitung hat Anne Rumpf, die an der HDS als Fachlehrerin Musik unterrichtet. Wie auch die Kinder ist sie in ein orientalisch anmutendes Kostüm gekleidet, dirigiert den Chor aus Schülern und Erwachsenen und erklärt für die jüngeren Zuschauer, die die Vorstellung besuchen, schwierigere Begriffe wie den des Philosophen.

„Das ist ein Mensch, der es liebt, ganz viel nachzudenken“, sagt sie. Für die Schüler der HDS ist das indes nichts Neues. Sie haben sich während des Projekts bereits mit den Themen aus dem Stück auseinandergesetzt und tauchen völlig ein in die Handlung.

Gänsehaut gibt es beim Auftritt von Linda Joan Berg. Die Hamburger Sopranistin singt mit den Kindern gemeinsam. Die Zuschauer, hören ehrfürchtig zu, so manches Auge wirkt feucht. Und sie belohnen den Gesang der Grundschüler und der Opernsängerin mit begeistertem Applaus.

Die Sängerin und Schauspielerin Sabine Fischmann sitzt während der Aufführung in der Regie-Kabine oberhalb der Empore und betrachtet die Inszenierung mit wachem Auge. Nicht zum ersten Mal führt sie Regie bei einem Projekt mit der HDS. Gemeinsam mit Anne Rumpf und den Grundschülern brachten sie schon 2017 ein Stück mit dem Titel „Viva Musik – Wir machen einen Hit“ auf die Bühne des Volkshauses.

Außer der Opernsängerin Berg sind die erwachsenen Darsteller wie Paul Simon Kranz angehende Lehrer, die bei Sabine Fischmann an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) szenisches Spiel belegt haben. „Ich bin tief gerührt und sehr glücklich, wie toll es funktioniert“, sagt Fischmann.

2019 soll es wieder ein musikalisches Projekt an der HDS geben. Wie es aussehen wird, wollte sie aber noch nicht verraten.

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