Kinderbetreuung

Kinderhaus Jonathan schließt Anfang Juli

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2013 wurde die Einrichtung vom damaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst eröffnet. Doch die Nachfrage ist zu gering, nur 7 von 18 Plätzen ab Juni besetzt.

Das Kinderhaus Jonathan in Marxheim, eine Einrichtung für geistig behinderte Kinder und Jugendliche in Trägerschaft des Sankt Vincenzstifts in Rüdesheim-Aulhausen, wird nach nur fünfeinhalb Jahren Betrieb wieder geschlossen. Die Entscheidung habe rein wirtschaftliche Gründe, sagt der Sprecher der Geschäftsführung des Vincenzstifts, Caspar Söling. Das Haus sei „hoch defizitär“, weil es trotz aller Bemühungen nicht mehr gelungen sei, es voll zu belegen.

18 Plätze bietet die Einrichtung, in der zwei Wohngruppen rund um die Uhr von Fachkräften betreut werden. Zum 1. Juni werden aber nur noch sieben junge Menschen im Haus Jonathan leben. Sie sollen dann umziehen. Für fünf ist Platz in einer ähnlichen, ebenfalls nicht mehr voll belegten Einrichtung des Sankt Vincenzstifts in Offenbach. Zwei erwachsen gewordene Bewohner werden in Einrichtungen des Trägers in Oberursel umziehen.

Das Sankt Vincenzstift hatte in Hofheim eine Außenstelle einrichten wollen, weil es als nicht mehr zeitgemäß gilt, geistig behinderte Kinder zentral in einer großen Einrichtung unterzubringen. Das Konzept des Stifts sieht heute ein Domizil möglichst nah zum Wohnort der Eltern vor, wenn diese nicht in der Lage sind, ihr Kind selbst zu betreuen. Es gibt aber immer mehr ambulante Hilfen, die es Familien ermöglichen, ihr Kind daheim zu versorgen. Das ist einer der Gründe, die laut Söling dazu führen, dass Wohnheim-Plätze weniger gefragt sind. Die Zahl der Kinder, die mit geistiger Beeinträchtigung zur Welt kommen, sei zudem aufgrund der Pränataldiagnostik, also der vorgeburtlichen Untersuchungsmöglichkeiten, zurückgegangen. Söling spricht von „bitteren Spuren“, weil die Folge einer Diagnose nicht selten eine Abtreibung ist.

Aufnahmeanfragen habe das Vincenzstift dennoch eine Reihe, aber zunehmend für Kinder und Jugendliche „mit Verhaltensauffälligkeiten und/oder einer psychischem Beeinträchtigung“. Pressesprecherin Birgitt Wagner kann das noch konkretisieren: So seien im Vorjahr 135 Anfragen eingegangen, 95 davon für Kinder mit psychischen Beeinträchtigungen. Für diese sei das Haus allerdings nicht geeignet, da es als Gebäude speziell auf die bisherige Nutzung abgestellt ist. Die offene Bauweise stelle das Gemeinschaftsleben in den Mittelpunkt, so Söling. Verhaltensauffällige Kinder benötigten aber kleine Wohneinheiten und viele Rückzugsräume. Auch die „Twin-Bäder“, die von zwei Zimmern aus begehbar und nutzbar sind, seien für Kinder mit dieser Form der Beeinträchtigung nicht geeignet, ergänzt Wagner.

Erst 2017 waren einige Bewohner und Fachpersonal aus dem Kinderhaus Frank in Sossenheim ins Haus Jonathan nach Marxheim umgezogen, nachdem das Vincenzstift die dortige Einrichtung übernommen hatte, für die es einen Neubau vorgesehen hat. Dieser stehe nicht zur Disposition, betont Wagner. Möglich aber, dass die Erfahrungen in Hofheim Auswirkungen haben wird auf die Planung in Sossenheim. Flexibilität zu haben, auch was künftige Nutzungen angeht, ist jedenfalls offenbar kein Fehler.

Die Entwicklung, die jetzt zur Schließung des Hauses Jonathan führen wird, das zum 2. Juli den Betrieb einstellen soll, sei nicht vorhersehbar gewesen, betont Pressesprecherin Wagner. Laut Söling haben alle 14 betroffenen Mitarbeiter Angebote erhalten, an anderen Standorten des Sankt Vincenzstiftes weiterbeschäftigt zu werden. Man sei da auch schon in Gesprächen, ergänzt Wagner. Einige Fachkräfte ziehen mit fünf der verbliebenen Bewohner ins Kinderhaus Jona nach Offenbach um.

Wie das Haus an der Herderstraße künftig genutzt wird, ist noch offen. Das Vincenzstift strebt aber laut Wagner an, es selbst wieder zu belegen. Denkbar sei unter anderem, es zum Wohnhaus für Erwachsene umzuwidmen. Es würden verschiedene Möglichkeiten geprüft.

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