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Heimatforscherin Christa Wittekind stellte mit der Eppenhainer Kirche St.Josef ein besonderes, aber selten wahrgenommenes Gotteshaus vor.

Führung im St. Josef

Als der Kirchgang beschwerlich war

Weshalb die Gläubigen in Eppenhain früher zu Hause beten mussten, verriet Christa Wittekind bei einem Exkurs in St. Josef. Dabei erfuhren die Gäste auch, wem die Kirche zu verdanken ist.

Das Wort Eppenhain besteht aus zwei Wortbausteinen. Zum ersten hatte hier Ritter Eppo seinen Sommersitz. Zum zweiten ist das Wort „Hain“ eine Lagebezeichnung und bedeutet „Wald“. „Das Wort Hain wurde früher vielen Ortschaften angehängt. Es gibt in unserer Gegend beispielsweise noch Alten-, Neuen- oder Mammolshain“, erklärt Lokalhistorikerin Christa Wittekind während ihres geschichtlichen Abrisses in der St. Josef-Kirche. Das kleine Örtchen gehörte über Jahrhunderte nicht zu Fischbach, sondern zu Schloßborn.

Eine Kirche hatten die Einwohner nicht und so mussten sie zunächst nach Schloßborn zum sonntäglichen Kirchenbesuch. Der Weg auf relativ gerader Ebene war für die Eppenhainer kein größeres Problem. Im 16. Jahrhundert jedoch teilte man Eppenhain dem Kirchenort Fischbach zu. „Der Kirchgang wurde aufgrund der Steigung beschwerlicher. Alte und gebrechliche Menschen konnten nicht mehr in die Kirche“, schildert Christa Wittekind. Diese Menschen mussten zu Hause mit dem Rosenkranz auf geistigen Beistand hoffen. Gerade sie waren aber sehr gläubig und auf die „Hilfe von oben“ angewiesen. Ärzte verirrten sich eher selten in das Bergdorf.

1705 bekam Eppenhain ein kleines „Kapellchen“ mit acht Sitzplätzen. Der heilige Ort war für Messfeierlichkeiten viel zu klein und wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder abgerissen. 1825 erhielt Eppenhain einen Friedhof. Die Schule hatte einen kleinen Messaltar, ein Türmchen, eine Glocke. Hier feierten die Einwohner ihren ersten Gottesdienst. Doch der Wunsch nach einem Gotteshaus blieb bestehen, so dass man 1876 einen Baubeschluss fasste. Überliefert ist, dass „ein Bürger ein Grundstück als Bauland stiften wollte“, berichtet Wittekind. Ein großer Befürworter der Baupläne war der damalige Fischbacher Pfarrer, der gerne in Eppenhain ob der günstigeren Preise aß und logierte. In Bewegung kam das Projekt, nachdem bekannt wurde, dass eine Dame über den Bonifatiusverein den Wunsch äußerte, in drei ärmeren Gemeinden eine Kirche bauen zu lassen.

Hedwig Ecke kam mit ihrer Mutter aus Breslau nach Wiesbaden und wohnte später in Mainz-Gonsenheim. Sie wollte die drei Kirchen in Eppenhain, einem kleinen Ort nördlich von Frankfurt und in einer Gemeinde nahe Bad Schwalbach errichten. „Für jede Kirche wollte sie 30 000 Mark zur Verfügung stellen. Letzten Endes baute man aber nur die Kirche in Eppenhain“, erklärt Christa Wittekind. Die Planungen konnten endlich beginnen, so dass die katholische Pfarrkirche 1907/08 nach dem Entwurf des Regierungsbaurates Saran erbaut wurde. Der Sand wurde von Kelkheim hoch transportiert. Das Bauwerk ist aus Natursteinen der Eppenhainer Steinbrüche. Der Basalt wurde aus dem Westerwald bezogen. Die Gönnerin wollte in keiner Weise mit ihrer Spende in Verbindung gebracht werden, weshalb sie der Einweihung fernblieb. Hochaltar, Seitenaltäre, aber auch andere künstlerisch anspruchsvolle Details der Kirche wurden von weiteren Mäzenen, wie dem damaligen Bürgermeister Johannes Klomann, finanziert. Er spendete der Kirche Kanzel, Beichtstuhl, Kommunionsbank und später noch drei Äcker. Seine Schwester stiftete die beiden Seitenaltare aus Eichenholz.

Zur wirtschaftlichen Blüte kam Eppenhain Ende des 19. Jahrhunderts durch August Gasser. Der ehemalige Lehrer kam als Pensionär nach Eppenhain zurück und „wusste um den großen Vorteil des Tourismus. Er baute das erste Hotel in Eppenhain“, berichtet Wittekind. Das Kurhotel „Montesita“, dort gelegen wo heute das Haus für Jugendhilfe steht, bot viele Annehmlichkeiten, unter anderem sogar die erste Telefonanlage im Umkreis. Auch andere wohlhabende Frankfurter Kaufleute wollten ihre Sommertage im verwunschenen Eppenhain verbringen und bauten fortan Sommerresidenzen. Flugblätter und Werbung in Tages- und Hotelzeitungen machten den Ort immer bekannter und lockten noch weitere Gäste an.

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