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Peter Abel mit dem Messer, im Hintergrund die hölzerne Antoniusfigur von 1485, die in diesem Jahr restauriert und untersucht werden soll.

Die Klinge für die Kirche

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Der Höchster Messerschmied Peter Abel hat wieder zwei seiner beliebten Sammler-Messer zum Schlossfest hergestellt. Mit dem Erlös unterstützt er die Stiftergemeinschaft Justinuskirche.

Peter Abel ist ein Rastloser. Der gebürtige Westerwälder, seit Jahrzehnten in Höchst heimisch, engagiert sich vielerorts – unter anderem in der Stiftergemeinschaft Justinuskirche. Seit 2009 hat er einen ganz besonderen Weg gefunden, den Stiftern Geld für die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an der zwischen 830 und 850 erbauten Kirche in die Kasse zu spülen: Er fertigt zum Höchster Schlossfest und zum Weihnachtsmarkt superscharfe Brötchenmesser mit Wellenschliff, die auf der Klinge ein kleines Höchster Motiv tragen – immer ein anderes. Die Messer sind längst Sammlerobjekt geworden, werden von Menschen gekauft, die dafür von weit her kommen, und sie werden sogar in die USA verschickt.

Im vorigen Jahr zeigte das Messer auf der linken Seite der Klinge die Umrisse des karolingischen Baus der Justinuskirche um das Jahr 840 und rechts ihr heutiges Erscheinungsbild – Abel griff damit das Thema der Stele auf, die voriges Jahr mit finanzieller Unterstützung der Fischerzunft zu Höchst am Main auf dem Justinusplatz vor der Kirche errichtet worden war (wir berichteten). Eigentlich hätte es ein neues Motiv erst wieder zum Weihnachtsmarkt geben sollen. „Aber ich war blank“, sagt Abel – alle Messerbestände seien restlos aufgekauft worden. Und weil Abel traditionell beim Schlossfest das meiste Geld für die „aal Kerch“ in die Kasse bekommt, hat er sich hingestellt und neu produziert.

Das „Motiv des Jahres“ zeigt die Antoniusfigur von 1485, die in der Justinuskirche steht und in diesem Jahr zur Restaurierung ins Labor des Landesdenkmalamts nach Wiesbaden-Biebrich kommen soll. Die von Jahrhunderten im Kerzenlicht verrußte, in ihren Farben verblasste Figur, die den Ordensgründer der für Höchst und die Justinuskirche so wichtigen Antoniter zeigt, ist eine herausragende Schnitzarbeit, wahrscheinlich von einem Wormser Holzschnitzer gefertigt, und gilt als Vorbild für den berühmten Isenheimer Altar, den Wandelaltar aus dem Antoniterkloster in Isenheim, der im Museum Unterlinden in Colmar in drei Teilen getrennt ausgestellt wird. Es gab nachweisbare Verbindungen. So sagt der Höchster Historiker Dr. Wolfgang Metternich: „Höchst war gegenüber Isenheim die bedeutendere Antoniter-Präzeptorei. Wenn in Isenheim einer befördert wurde, kam er in der Regel nach Höchst.“

Die Fachleute vom Landesdenkmalamt wollen die Figur nicht nur restaurieren, sondern auch genauestens untersuchen. Beim Landesdenkmalamt ist das Interesse an der Justinuskirche gewachsen; es gebe „nördlich der Alpen kein karolingisches Langhaus in dieser Qualität, das noch erhalten ist“.

Abel hat den hölzernen Antonius abgezeichnet, verkleinert und auf die Klinge gebracht. Die ersten hat er gestern Abend beim Auftritt von „Rezibabbel“ im Rektoratsgarten neben der Justinuskirche verkauft; heute und morgen bietet er die Messer bei den Vorstellungen des „Theaters in der Schleifergasse“ am gleichen Ort an. Zu haben werden die Sammler-Messer natürlich auch wieder beim zweitägigen Altstadtfest, wo Abel mit seiner mobilen Schmiede längst eine feste Größe ist.

Zum Altstadtfest wird Abel dann auch noch ein zweites neues Motiv anbieten, ein Schlossfest-Signet zum „Seschzischsde“, wie es im Motto in diesem Jahr heißt. Kaufen kann man die Messer auch in Peter Abels Messerschmiede und Schleiferei, Bolongarostraße 162. Geöffnet ist montags, mittwochs und freitags von 9 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr; die restlichen Tage steht Abel in seiner Werkstatt am Amboss. Der Preis für die beliebten Messer ist gleich geblieben: Sie kosten pro Stück 8.50 Euro. Abel spendet den Gewinn komplett an die Stiftergemeinschaft. Wer die Restaurierung der Kirche und ihrer Schätze unterstützen möchte, kann das auch direkt tun – bei der Volksbank Höchst, IBAN: DE3050 1903 0000 0065 3705, BIC: GENODE51FHC, oder der Frankfurter Sparkasse, IBAN: DE9150 0502 0100 0000 8300, BIC: HELADEF1822.

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