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Krankenhaus Hofheim: Um Covid-Patienten kümmern sich hier Lungenspezialisten. Nach dem Ende des Rechtsstreits mit der Vamed, Partner beim Neubau, ist nun Geld da, Bau-Mängel zu beseitigen. Foto: MAR

Gesundheitsversorgung

Klinik-Verbund kämpft an vielen Fronten

  • vonBarbara Schmidt
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Die Pandemie fordert die Kliniken des MTK medizinisch und finanziell: Seit Beginn der Corona-Krise wurden hier 310 Covid-Patienten behandelt, 27 sind verstorben.

Main-Taunus -Auf fünf Jahre war die "Bewährungsphase" angelegt: Die Kliniken Frankfurt Main-Taunus (FMT) sollten in dieser Zeit als Verbund ein ehrgeiziges Ziel erreichen: Sie sollten weg vom hohen Defizit, das beide Partner, die Kliniken des Main-Taunus-Kreises wie das Klinikum Frankfurt-Höchst, zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses einfuhren. Vier Prozent Plus lautete der Anspruch, den die beiden Gesellschafter, der Main-Taunus-Kreis und die Stadt Frankfurt, im Konsortialvertrag festhielten.

Das schien zumindest für die Main-Taunus-Kliniken zuletzt tatsächlich machbar. Im vergangenen Jahr gelang ihnen erstmals seit der Verbund-Gründung eine Bilanz, die unter dem Strich mit 100 000 Euro einen leichten Überschuss auswies. In diesem Jahr sollte es noch besser werden. Doch auch für die Kliniken ist die Pandemie ein Kraftakt - in medizinischer, aber genauso in finanzieller Hinsicht.

Vor dem Ausschuss für Eigenbetriebe des Kreistags gab am Montag Martin Menger, Sprecher der Geschäftsführung der FMT-Kliniken, aktuelle Informationen zur Lage der Main-Taunus-Kliniken. Was die Zahl der Covid-Patienten angeht, sei sie derzeit "dramatischer" als während der ersten Infektions-Welle im Frühjahr. Insgesamt seien mittlerweile 310 Covid-Patienten behandelt worden, 27 sind verstorben. Das entspreche bundesweitem Durchschnitt.

"Dramatischer" Anstieg der Patientenzahl

Das gilt genauso für die Infektionen beim Personal. Rund 60 Mitarbeiter seien bislang positiv getestet worden, so Menger, rund 200 mussten in Quarantäne. Nahezu alle Ansteckungen erfolgten außerhalb der Kliniken. Dass Personal trotz einer Infektion Dienst tun müsse, das gebe es bislang an den Kliniken aber nicht, erläuterte Menger auf Nachfrage. Das Krankenhaus in der Kreisstadt, das eigentlich nur ein Haus der Regelversorgung sei, "übererfüllt seinen Versorgungsauftrag", machte er deutlich, dass hier die Last besonders hoch ist. Mit der Klinik für Lungenheilkunde (Pneumologie) hat Hofheim eine besondere Expertise.

Sorgen macht der Geschäftsführung, dass die Belegung insgesamt in den Kliniken rückläufig ist und damit Umsätze und Erlöse fehlen. Das geht ebenfalls allen Krankenhäusern so. "Es war nirgends wieder so wie im Frühjahr vor der Pandemie", weiß Menger. Pauschalen für leerstehende Betten wurden anfangs gezahlt, als alle aufschiebbaren Behandlungen untersagt waren, dann eine Zeitlang nicht mehr. Seit Mitte November gibt es die Pauschalen wieder, aber nicht für alle Krankenhäuser. Er rechne damit, dass die FMT-Kliniken zu denen gehören, die sie erhalten, so Menger. Zuversichtlich zeigte er sich auch mit Blick auf die Bilanz 2020 der Main-Taunus-Kliniken. "Trotz aller Schwierigkeiten" gehe die Geschäftsführung von einem erneut positiven Jahresergebnis aus, Ziel sei ein Plus von 1,2 Millionen Euro. Klar sei indes: "Ohne Hilfspaket kommen wir als Haus nicht klar - alle anderen aber ebenso wenig." Und was 2021 bringen werde, wisse aktuell niemand.

Menger zeigte sich stolz auf sein Team und hob besonders den für die Kliniken des MTK zuständigen Geschäftsführer Stefan Schad, den Bereichleiter Logistik, Helmut Krechel, sowie die "Truppe in der zweiten Reihe" heraus, die aus jungen Fachleuten bestehe, die allesamt ihr Handwerk bestens beherrschten. Die Beendigung des Rechtsstreits mit der Vamed, Partner beim Bau des Hofheimer Krankenhauses, ermögliche es, nun die fälligen Sanierungen in Angriff zu nehmen. Gestritten wurde um einen offenen Betrag in Höhe von 3,2 Millionen Euro, die Kliniken durften davon laut Urteil 1,7 Millionen einbehalten.

Vier-Prozent-Ziel erstmal nicht erreichbar

Landrat Michael Cyriax wies darauf hin, dass der Konsortialvertrag nur für die ersten fünf Jahre vorsieht, dass jeder Gesellschafter die Verluste seiner Kliniken trägt. "Jetzt wird das mehr und mehr in einen Topf geworfen." Das solle in den Fraktionen diskutiert werden und präsent sein. Auf Nachfrage machte Cyriax deutlich, weiterhin gelte, dass die Stadt Frankfurt für den Neubau des Klinikums Höchst die Kosten allein trage. Dass sich die Fertigstellung verzögert hat, führt allerdings zu Mehrkosten auch im laufenden Betrieb.

Im kommenden Jahr das Vier-Prozent-Ziel zu erreichen, sei "vielleicht nicht unbedingt realistisch", betonte Cyriax. Das sieht auch Menger so. Die Pandemie stelle die Krankenhäuser vor sehr große Aufgaben. Viel hänge von Unterstützungsprogrammen von Bund und Land ab. Möglcherweise könne das Unternehmen von April an wieder "versuchen, auf Voll-Last zu fahren". Bleibe Corona das ganze Jahr, werde es aber hohe Verluste geben. Menger bekannte, es bleibe ein Blick in die Glaskugel: "Ich bin auch kein Prophet, das ist die Wahrheit." barbara Schmidt

Info: Das Unternehmensgeflecht soll entwirrt werden

Unter dem Dach der Kliniken des Main-Taunus-Kreises tummelte sich bislang eine "Großfamilie", von "Tochter- und Enkelgesellschaften" war im Ausschuss für Eigenbetriebe die Rede. Das Unternehmensgeflecht soll nun überschaubarer werden. Das hat nicht zuletzt Kostengründe, muss doch für jede Gesellschaft eine Jahresrechnung erstellt und geprüft werden.

Wegen der Corona-Pandemie ist es ausnahmsweise möglich, Gesellschaften noch rückwirkend zum 1. Januar 2020 zu verschmelzen. Das soll genutzt werden, um die beiden gemeinnützigen Gesellschaften für Seniorenresidenz und Fachklinik sowie die Gesundheits-Akademie Main-Taunus GmbH und die Service-Gesellschaft der Kliniken des Main-Taunus-Kreises zusammenzulegen. Aus steuerlichen Gründen wird aus der MTK Hofheim Leasing GmbH & Co. KG dann eine GmbH. babs

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