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Mensch Meier! Was ist bloß wieder in Eschborn los? Ich kenne meine Pappenheimer aus der Politik-Szene und hätte darauf wetten können, dass es dort früher oder später wieder kracht.

Mensch Meier! Was ist bloß wieder in Eschborn los? Ich kenne meine Pappenheimer aus der Politik-Szene und hätte darauf wetten können, dass es dort früher oder später wieder kracht. Aber dass der neueste Paukenschlag nun ausgerechnet in die Ferienzeit fällt, erwartete ich nicht. Den Stein des Anstoßes liefert Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger. Der jetzt seit mehr als vier Jahren amtierende FDP-Politiker entmachtet seinen Planungs- und Baudezernenten Adolf Kannengießer, der ein SPD-Parteibuch hat – und wie! Geiger entreißt dem Sozialdemokraten den Tiefbau und den Bauhof. Zum 1. Juli 2018 schlägt er diese Arbeitsbereiche seinem Parteikollegen, Förderer und Einflüsterer Heinz O. Christoph zu. Die Stadtentwicklung verleibt sich der Rathauschef selbst ein. Er führt sie mit Mobilität und Energie zu einem Arbeitsbereich unter seiner Hoheit zusammen. Der Bürgermeister begründete seine Umorganisation bisher nicht öffentlich. So bleiben seine Motive im Vagen.

Die Gründe der Degradierung liegen auf der Hand: Dem Chef der Stadtverwaltung ist Adi Kannengießer zu mächtig und zu einflussreich geworden. Der in der Kommunalpolitik und in der Verwaltung versierte Genosse im Ruhestand verrichtet gute Arbeit. Kannengießer leitet das Dezernat „Planen und Bauen“ seit Ende 2016 für schlappe 900 Euro monatlich. Er ist fast täglich für die Stadt Eschborn im Einsatz, obwohl er stattdessen daheim auf der Couch liegen oder seinem Hobby als Freizeit-Läufer nachgehen könnte. Unübersehbar ist, dass Kannengießer Schwung ins Ressort „Planen und Bauen“ brachte. Ob beim Bau des Notfallzentrums für Feuerwehr und ASB, ob beim Doppel-Komplex neue Turnhalle/Jugendzentrum oder beim Bau der beiden neuen Kreisel – Kannengießer forciert die millionenschweren Projekte und weiß aus seiner Zeit in der Frankfurter Verwaltung, wie er Dinge anzupacken hat. Er trägt maßgeblich dazu bei, den unfassbar hohen Investitionsstau der Stadt Eschborn aufzulösen.

Geiger neidet dem Stadtrat den Erfolg. Der Bürgermeister erkennt, dass Kannengießer in der Presse und in der öffentlichen Wahrnehmung gut davonkommt, während kaum ein Eschborner seine Aufgaben registriert. Geiger zeigt zwar bei Festen und Vereinen Flagge wie eh und je. Doch er ahnt, dass er auf Dauer nicht nur als Grüßaugust rüberkommen darf. Allenfalls die Erfolgsmeldungen aus der städtischen Wirtschaftsförderung kann Geiger nutzen, um sich in ein positives Licht zu rücken. Viele andere Arbeitsgebiete, für die er verantwortlich zeichnet, zum Beispiel Standesamt oder Einwohnermeldewesen, sind für die Selbstvermarktung ungeeignet. Beobachter deuten Geigers Schärfe gegenüber Kannengießer auch dahingehend, dass er ernsthaft erwägt, bei der nächsten Bürgermeisterwahl 2019 erneut anzutreten, und sich deswegen in Position bringt. Aber erst einmal schadet Geiger der Stadt Eschborn, die es dringend notwendig hat, unter Kannengießers rigider, aber qualifizierter Führung Dutzende von Großprojekten voran und zu Ende zu bringen. Mich würde nämlich nicht überraschen, wenn der gerupfte Planungs- und Baudezernent am heutigen Freitag seinen vorzeitigen Rückzug bekanntgibt.

Die Gewinner des Traras im Lager der Vierer-Koalition aus SPD, FDP, FWE und Linken stehen fest: Die oft einfallslosen Oppositionsfraktionen CDU und Grüne lachen sich ins Fäustchen.

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