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In mehreren asiatischen Ländern gibt es die Tradition des Krafttrommelns. Die Buk ist eine alte asiatische Trommelform, die von China nach Korea gelangte, wo sie in Zen-Klöstern gespielt wurde. Von dort aus kam sie nach Japan, wo sich die Spielform des Taiko entwickelte. Foto

Zwischen Tradition und Moderne

Koreanische Schüler zeigen die Kultur ihres Landes

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Die koreanischen Schüler der Internationalen Schule in Sindlingen tun viel für ihre Gemeinschaft, pflegen Traditionen, weichen aber auch hier und da von dem eher konservativ eingetreten Pfaden ihrer Eltern ab.

Kraftvoll, berauschend und mit großer Eleganz schlagen die Trommler auf die Pauken. Vier der Instrumente hängen an verzierten Holzgestellen für jeden bereit, zwei links, zwei rechts. Eine Vortrommlerin gibt etwas abseits am Rand der Bühne Anweisungen. Zudem spielen weitere Musiker, die das Spektakel der wunderschön gekleideten Trommler im Zentrum der Bühne unterstützen. Das, was die Besucher der Show „Korea United“ am Freitagabend in der Aula der Internationalen Schule Frankfurt (ISF) erwartete, war nicht nur ein besonderes musikalisches Erlebnis, sondern auch ein optisches: Synchron und mit Grazie bewegen sich die Trommler rhythmisch auf und ab. An einer Stelle drehen sie sich sogar einmal um die eigene Achse. Dafür nehmen sie jedoch eine ähnliche Position wie beim Limbo-Tanz an – ohne freilich auch nur einen Hauch aus dem Takt zu kommen.

Das traditionelle Trommeln war einer von mehreren Höhepunkten in der abwechslungsreichen Show in der Internationalen Schule. Auf der Bühne standen insgesamt rund 120 Jungs und Mädchen. Die jungen Leute zeigten viel Talent und Kreativität: Von klassischer Musik am Piano über coole Tanz-Choreografien bis zum K-Pop, wie die koreanische Popmusik genannt wird, und Hip-Hop war vieles dabei.

Das „Korean United“ Konzert wird seit neun Jahren von den Schülern der elften Klasse organisiert und zieht laut Veranstalter Publikum aus der ganzen Region an. Die meisten sind ebenfalls Koreaner oder koreanischer Herkunft. Denn das Fest ist auch dazu da, die Leute zusammenzubringen: Gute Unterhaltung, Ausschnitte aus dem koreanischen Kultur und dem, was viele Jugendliche interessiert, sollen das Band untereinander verstärken, wie Jun Shik Kim erzählt. Der 17-Jährige wurde von seinen Mitschülern zum Organisator des Ganzen auserkoren und sorgte als „Show Director“ für den reibungslosen Ablauf.

Der Aufwand ist groß: Rund 20 Schüler halfen hinter den Kulissen mit. Geplant wurde seit acht Monaten, und die einzelnen Gruppen standen auch schon lange im Training. Zudem gab es eine Marketing- und Designgruppe, die die Show überall bewarb. Das Besondere: Die Einnahmen werden einem sozialen Zweck gespendet.

Mehr als 400 Zuschauer seien zu dem Konzert gekommen, schätzt Jun Shik Kim. Er ist zufrieden mit dem Verlauf, wie er auf Englisch sagt. Den Erfolg werde man demnächst noch einmal gemeinsam feiern. Dass es wichtig sei, den Kontakt untereinander zu pflegen, findet auch Jae-Hyoung Kim. Neben der normalen Schule sähen sich viele in der Koreanischen Schule am Wochenende. Hier verbessern sie Rechtschreibung und Wortschatz ihrer Muttersprache. Zudem sähe man sich oft sonntags der Kirche: Viele Südkoreaner sind bekennende Christen, und der regelmäßige Gottesdienstbesuch gehört für sie meist dazu.

Dass die Show so bunt und vielfältig wurde, ist bemerkenswert und vielleicht exemplarisch für eine neue heranwachsende Generation: Die Koreaner würden immer offener und kreativer, findet Jae-Hyoung Kim. Kunst, Popmusik, aber auch einfach Computerspiele seien sehr beliebt. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Eltern sehr konservativ seien und großen Wert auf Klassische Bildung legten, ist das auch aus seiner Sicht eine neue Entwicklung.

Trotzdem: Klassische Karrieren werden immer noch von vielen angestrebt. So schildert es Jun Shik Kim, der später selbst Ingenieurswissenschaften in Korea studieren und viele kennt, die ähnlich für ihre Zukunft planen. Jae-Hyoung Kim hingegen träumt davon, sich mit einer Firma selbstständig zu machen, die junge koreanische Hip-Hop-Künstler unterstützt. Er sieht in der kulturellen Unterhaltung noch viel Potenzial, wie er sagt. In die Zukunft blickt er überhaupt sehr positiv: Seine Hoffnung ist, dass Nord- und Südkorea wiedervereint werden. Gemeinsam könnten die Potenziale des Landes und seiner Bevölkerung besser genutzt werden, sagt er. Er hofft auch auf eine nachhaltige Entwicklung Koreas, bei der Kreativität und ein freier Geist Antriebsfedern sein können.

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