Mit Kreativität gegen den Leerstand

  • VonAlexandra Flieth
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Jan Heartmann hat als Teilnehmer des Höchster Design-Parcours den Stadtteil kennengelernt – und fühlt sich wohl. Heute eröffnet er einen Laden mit selbstgestalteten Produkten von ihm und anderen Designern.

Kreative kommen gerne in den Stadtteil, nicht nur als Teilnehmer des zwei Mal jährlich angebotenen Höchster Design-Parcours. Manch einer verlängert auch mal seinen Aufenthalt und „bespielt“ ein leerstehendes Geschäft weiter. Wie Jan Heartmann (38), der heute von 12 bis 19 Uhr seinen neu eingerichteten Pop-up-Store in der Bolongarostraße 157 eröffnet.

Temporäre Nutzung

Der Begriff „Pop-up“ bezeichnet ein Geschäft, das temporär in einem leerstehenden Laden betrieben wird. Auch bei Jan Heartmann wird es so sein: „Ich bleibe bis voraussichtlich September hier“, sagt der Designer. Solche Pop-up-Stores tragen zur Belebung von Straßen und ganzen Stadtteilen bei. Gleichzeitig haben Kreative wie Heartmann die Gelegenheit, bei kostengünstigen Mieten ihre Produkte einem größeren Publikum vorzustellen.

Dass dies in Höchst möglich gemacht wird, ist der Zusammenarbeit zwischen dem Quartiersmanagement der Nassausichen Heimstätte (NH) und der Leerstandsagentur „Radar“ zu verdanken. Beide arbeiten seit ein einigen Jahren Hand in Hand und vermitteln zwischen Kreativen und Hauseigentümern.

Die Spezialität von Heartmann sind Geldbörsen aus Papier. Hierfür nutzt er nicht einfach irgendein Papier, sondern beispielsweise die Seiten alter Comics, Faltblätter oder auch Übersichtspläne des städtischen U-Bahn-Netzes. Statt diese wegzuwerfen, fertigt er mit geübten Händen und wenigen zusätzlichen Materialien wie Folie und Isolierband individuelle Einzelstücke an, in denen man sein Geld, Ausweis und Karten gut aufbewahren kann.

Die Einzelteile für die Geldbörsen näht er mit der Maschine zusammen. „Auf diesem Gerät hat schon meine Mutter gearbeitet“, sagt Heartmann. In seinem Laden hat er die Nähmaschine auf einem Tisch stehen, der sich zentral in dem rund 15 Quadratmeter großen Raum befindet. Weitere 10 Quadratmeter im hinteren Teil nutzt er als Lagerfläche.

„Mein Großvater war Schneidermeister, und ich bin mit dem Gestalten und Nähen von Dingen aufgewachsen“, erzählt er. Künftig möchte er während der Öffnungszeiten auch an der Herstellung seiner Produkte arbeiten. Man kann ihm dabei über die Schulter schauen. „Ich biete auch Workshops an“, fügt er an.

Wegwerfkultur

Upcycling nennt man das von ihm eingesetzte Verfahren, bei dem scheinbar nicht mehr benötigte Dinge des Alltags wieder einer neuen Funktion zugeführt werden. Das ist ein Trend gegen die allgemeine Kultur des Wegwerfens, viele kreative Ideen entstehen hieraus. Dies wird auch im Pop-up-Store von Jan Heartmann deutlich, den er „Karmaleon“ nennt.

Das ausgestellte Sortiment umfasst nicht nur seine eigenen Produkte, sondern auch die anderer Designer. Etwa Schmuck, der aus alten indischen Briefmarken gefertigt ist oder Taschen mit Siebdrucken aus alten Stoffen. Aus Glasflaschen fertigt er selbst zudem kleine Tabletts, und auch Schallplatten gestaltet er mit wenigen Handgriffen zu dekorativen Schalen. Daneben bietet Heartmann Musik eines kleinen niederländischen Labels an. „Das ist handgemachte Musik aus aller Welt“, erklärt er.

In Holzregalen und im Fenster präsentiert der Designer das Sortiment so, dass es auch von außen sichtbar ist. Der Geschäftsname steht in neonfarbenen Buchstaben, gefertigt aus Isolierbändern, am Schaufenster. Immer wieder bleiben Passanten stehen und schauen neugierig hinein.

„Ich wünsche mir, dass der Laden in den kommenden Monaten zu einem Ort der Kommunikation wird“, sagt Heartmann. Erste Bekanntschaften mit Nachbarn und Passanten hat er bereits gemacht und fühlt sich wohl im Stadtteil. Um mit anderen ins Gespräch zu kommen, bietet der frischgebackene Ladenbesitzer auch kostenlos Kaffee an – jedoch nur, wenn man seine eigene Tasse mitbringt.

Das Geschäfts hat dienstags bis samstags von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Infos unter .

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