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Tanja Huckenbeck und Marcus Bonszkowski öffnen zum Designparcours ihre neu eingerichtete nostalgische Druckwerkstatt in der Leunastraße 34.

Kreativwirtschaft stärkt Höchst

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Zum achten Mal startete gestern der Höchster Designparcours. 60 Kreative beteiligen sich an dem erfolgreichen Projekt, das letztmalig von Planungsdezernent Olaf Cunitz eröffnet wurde.

Melanie Arndt (30) kommt viel herum in der Welt. Auf ihren Entdeckungstouren ist sie stets auf der Suche nach besonderen und spannenden Motiven, die sie fotografisch einfängt. Je nach Ort richtet sie ihren Blick auf Landschaften und Tierwelt oder auf die Architektur großer Metropolen wie New York, Moskau und Paris.

Ihre Fotos präsentiert die Hattersheimerin auf dem 8. Höchster Designparcours, der gestern begonnen hat. Drei Tage lang bespielen 60 Kreative, Künstler und Kunsthandwerker leerstehende Büro- und Ladenflächen in der Innenstadt von Höchst. Arndt macht bereits zum vierten Mal mit, dieses Mal in Räumen des Hinterhauses Bolongarostraße 117. Die Fotografin schätzt vor allem die besondere Atmosphäre des Designparcours. „Ich finde es sehr schön, dass sich die Teilnehmer hier mit ihren Ständen präsentieren können, und dass es vor allem nicht kommerziell ist“, sagt sie. „Man versteht sich untereinander, die Leute sind sehr nett.“

Für das perfekte Foto legt sich Arndt auch gerne mal auf die Lauer. Denn die Tierwelt in anderen Ländern hat es ihr angetan. Ob Papageien-Taucher, die sie auf einer kleinen schottischen Insel beobachtet hat, oder Landschildkröten auf den Seychellen – Arndt komponiert ihre Fotografien wie ein Maler. Nicht nur das Hauptmotiv steht im Mittelpunkt, sondern auch dessen Einbettung in seine Umgebung. „Ich fotografiere hauptsächlich digital, widme mich aber auch wieder der analogen Fotografie“, erzählt sie. Der Designparcours gebe ihr die Möglichkeit, ihre Arbeiten in einem größeren Rahmen zu zeigen, fast wie in einer kleinen Ausstellung.

Für Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) ist die Eröffnung des Designparcours ein freudiger Anlass. Dieses Mal jedoch schwingt auch ein wenig Wehmut mit, denn er startete die Veranstaltung zum letzten Mal. Voraussichtlich in zwei Wochen scheidet er aus seinem Amt aus. „Ich erinnere mich noch an den ersten Designparcours. Damals wussten wir nicht, ob es eine weitere Auflage geben wird. Doch sie kam, weitere folgten“, sagt er. Es sei ein

Erfolgsprojekt

, mittlerweile würden sogar fünf Immobilien dauerhaft von Kreativen genutzt.

„Ich blicke mit einer großen Dankbarkeit auf dieses Projekt zurück. Es ist einfach schön, wenn man sieht, was seit den Anfängen aus dem Designparcours geworden ist“, freut sich Cunitz. Mit Projekten wie diesem werde etwas Positives für den Stadtteil gemacht, gleichzeitig arbeiten so viele engagierte Menschen hierfür zusammen, das sei einfach toll. „Meine Vision ist, dass die Kreativwirtschaft zu einer positiven Marke für Höchst wird und viele Menschen in den Stadtteil lockt, die nach spannenden Geschäften abseits der Masse suchen.“

Zu den Kreativen, die Höchst als festen Standort für sich entdeckt haben, gehören Tanja Huckenbeck und Marcus Bonszkowski. Am Höchster Markt 5 haben sie ihren Laden „höchst*schön“, seit dieser Woche ist zudem ihre historische Druckwerkstatt in der Leunastraße 34 in den Räumen der früheren Kinder- und Jugendgalerie untergebracht. Hier stehen nicht nur drei nostalgische und funktionsfähige Druckerpressen. In den Schränken befinden sich rund 100 000 Blei- und Holzlettern, also Buchstaben, mit denen man per Hand – wie einst schon Johannes Gutenberg –- Texte setzen kann. Zum Designparcours öffnen sie ihre neue Druckwerkstatt, in der sie für Interessierte auch Workshops in Bleisatz und Druck anbieten.

Während die einen bereits Erfahrungen mit dem Designparcours haben, ist die Veranstaltung für andere Teilnehmer eine Premiere. Etwa für Konditorenmeisterin Anja Schneider aus Liederbach, die sich im Fährbüro (Schloßplatz 13) mit ihren selbst kreierten Leckereien wie „Baileys-Stracciatella-Kuchen“ im Glas den Besuchern vorstellen möchte. Oder auch der Graffiti-Künstler „Dies“ aus Zeilsheim, der live sprüht (Bolongarostraße 117).

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