Ruth Faust nach der Impfung
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Frankfurt: Ruth Faust nach der Impfung gegen das Coronavirus.

Coronavirus

Wie eine 84-Jährige aus Kriftel zu ihrer Impfung in Frankfurt kam

  • Ulrike Kleinekoenen
    vonUlrike Kleinekoenen
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Ruth Faust hat es hinter sich: Sie ist gegen Corona geimpft. Die Kriftelerin hatte viele Helfer – von der Anmeldung bis zum Pieks in der Festhalle Frankfurt.

Kriftel – Erleichtert und froh steigt Ruth Faust am Mittwochnachmittag kurz nach 14.30 Uhr vor der Frankfurter Festhalle zu Markus Finger ins Auto. „Ich bin jetzt geimpft“, freut sich die 84-Jährige. Doch bis hierher war es ein aufregender Weg gewesen für die Kriftelerin, die dankbar ist, dass ihr viele geholfen haben, „denn alleine hätte ich das alles nicht geschafft“.

Das fing schon mit der Anmeldung an. Denn für Ruth Faust war es überhaupt keine Frage, dass sie sich gegen Corona impfen lassen würde. Neben dem Alter hat sie einige gesundheitliche Einschränkungen, die sie zusätzlich zur Risikopatientin machen. Also versuchte die noch recht rüstige Seniorin gleich Mitte Januar, telefonisch einen Termin zu bekommen. Vergebens. Unzählige Male habe sie die Nummer der Hotline gewählt. „Da hatte man keine Chance“, gab sie frustriert auf. Froh war sie, dass ihre Enkeltochter Tara Glück hatte und über das Internet innerhalb von zwei Tagen einen Termin vereinbaren konnte: Am 3. Februar um 13.15 Uhr in der Festhalle Frankfurt, die zum Impfzentrum umgebaut wurde.

Krifteler vereint gegen Corona: In Kriftel übernehmen Ehrenamtliche Fahrdienste

Die Enkeltochter versprach, die Oma dorthin zu fahren. Als der Enkelin kurzfristig ein dringender Termin dazwischen kam, wollte Ruth Fausts Tochter einspringen. Doch die musste am Dienstag absagen und selbst wegen Corona in Quarantäne, weil sich eine Kollegin infiziert hatte. Da war guter Rat teuer. Froh war Ruth Faust, als die Enkeltochter ihr von dem Angebot der Gemeinde erzählte, die im Notfall versuchen würde, die Fahrt zu organisieren.

Am Telefon habe Frau Faust ihm ganz plausibel machen könne, dass es sich hier tatsächlich um einen Notfall handelt, sagt Pasquale Fiore aus dem Rathaus. Schließlich will die Gemeinde erst dann einspringen, wenn bereits alle anderen Möglichkeiten des Transports vorab abgefragt worden waren. Fiore hatte daraufhin seine Liste der Ehrenamtlichen genommen, die zugesagt hatten, Impf-Touren zu übernehmen. Ganz oben auf der Liste stand die Telefonnummer von Markus Finger. Der erklärte sich auch gleich dazu bereit, Ruth Faust am nächsten Tag nach Frankfurt zu fahren. Der Krifteler, der beim Krifteler Karneval Klub (KKK) und auch im Showspielhaus auf der Bühne steht und derzeit wegen der Pandemie zum Nichtstun verdonnert ist, hatte sich bereits im Frühjahr bereit erklärt, Senioren beim Einkauf zu helfen. „Ich bin halt ein Krifteler, wir sind eine Gemeinschaft und da hilft man sich eben“, war es für ihn selbstverständlich gewesen, auch jetzt wieder seine Hilfe anzubieten.

Ruth Faust am Tag der Impfung: "Ich bin schon etwas aufgeregt"

Und so steht er pünktlich um 12.30 Uhr am Mittwoch bei Ruth Faust vor der Haustür. Sie sei ja schon etwas aufgeregt, sagt die 84-Jährige. Im strömenden Regen geht es über die Autobahn Richtung Frankfurt. „Hier war ich schon zwei Jahre nicht mehr“, erzählt die Seniorin. Nachdem ein Parkplatz gefunden ist, startet das Abenteuer Impfen. Markus Finger begleitet Ruth Faust bis zur Anmeldung am Tor Ost, wo es die rote Durchlauf-Karte für die Kriftelerin gibt. Da Ruth Faust nur mit einer Begleitperson in die Festhalle darf, lässt Markus Finger der Kreisblatt-Reporterin den Vortritt, „sonst hätte ich natürlich Frau Faust begleitet, ich hätte sie doch nicht alleine gelassen“.

Markus Finger hilft Ruth Faust beim Einsteigen, und dann ging es los Richtung Festhalle.

Durch den Regen geht es zum Eingang, wo zunächst einmal die Hände desinfiziert werden müssen. Ein netter Herr bittet uns an einen kleinen Tisch. Nein, hinsetzen will sich Ruth Faust nicht, der Mann will ja eigentlich auch nur kurz sehen, ob sie alle Unterlagen dabei hat: Gesundheitskarte, Impfpass, die Einladung zum Impfen und den ausgefüllten Anamneseborgen. Ups, den hat die Kriftelerin vergessen. Also doch besser hinsetzen. Und gemeinsam mit Ruth Faust füllt der junge Mann den Bogen aus. Ruhig, ohne Hektik. Und weiter geht es in die Halle. „In Kabine 16 d auf der rechten Seite“, weist ein anderer Helfer den Weg zur Registrierung. Und der blonde Mann hinter dem PC empfiehlt Ruth Faust mit Blick auf den Anamnese-Bogen und den dort aufgeführten Allergien das Gespräch mit dem Arzt.

Schon geht es in der weiträumigen Impf-Straße zu den nächsten Kabinen. Nach dem ausführlichen Gespräch mit einem Arzt fühlt sich Ruth Faust gut informiert, bevor es in Kabine D1 zum Impfen geht.

Hart im Nehmen: 84-jährige Kriftelerin hat den Pieks gegen Corona kaum gemerkt

Kaum gemerkt habe sie den Pieks, sagt die 84-Jährige und geht in den weitläufigen Ruhebereich. Hier, unter der Kuppel der Festhalle, in der sonst bekannte Künstler auftreten, lässt sie das gerade Erlebte erst einmal sacken. Es sei alles so gut organisiert, „und überall freundliche und aufmerksame Helfer“, ist sie voll des Lobes. Und doch sei sie froh, nicht alleine zu sein, „die Begleitung hat mir ein gutes Gefühl gegeben“. Das geht wohl den meisten über 80-Jährigen so, von denen die wenigsten alleine zum Impfen gekommen sind.

Von dem Pieks in Frankfurt habe sie kaum etwas gespürt, sagt Ruth Faust. Und auch sonst habe sie kaum Nebenwirkungen gehabt.

Nach 15 Minuten ruhen geht es wieder entlang der roten Pfeile zum Ausgang. An Schalter 5 legt Ruth Faust noch einmal ihre Unterlagen für die Dokumentation vor und beim „Check-out“ stempelt eine Ärztin das neue Impfbuch ab. Vor der Tür nimmt sie nach über einer Stunde wieder Markus Finger in Empfang und öffnet ihr die Tür zu seinem Wagen. Am 24. Februar kommt sie noch mal her zur zweiten Impfung. Doch zunächst einmal freut sich Ruth Faust, dass sie mit dem sicheren Gefühl der Impfung gegen Corona wieder ein bisschen Normalität genießen kann. „Und dann kann ich wohl endlich mein jüngstes Urenkelchen sehen, das am 20. Januar geboren ist.“ (Ulrike Kleinekoenen)

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