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Alle Zeugen werden erneut gehört

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Von: Ulrike Kleinekoenen

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Groß war das Interesse von Besuchern und Medien bei der Urteilsverkündung im ersten Prozess im Februar 2018. Jetzt wird die Zahl der Zuschauer durch Corona erheblich eingeschränkt.
Groß war das Interesse von Besuchern und Medien bei der Urteilsverkündung im ersten Prozess im Februar 2018. Jetzt wird die Zahl der Zuschauer durch Corona erheblich eingeschränkt. © Knapp

Thielsch-Prozess: Die Besucherzahl im Landgericht ist begrenzt. Maximal 20 Personen sind zugelassen.

Kriftel -Vor dem Landgericht Frankfurt beginnt am kommenden Mittwoch, 12. Januar, im Saal I um 9.30 Uhr der zweite Prozess gegen den Mercedes-Fahrer, der vor fast sechseinhalb Jahren an einem Zebrastreifen in Kriftel Silke Thielsch angefahren und mitgeschleift hat. Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe im April 2019 das erste Urteil des Landgerichts aufgehoben hatte, wird in dem neuen Verfahren vor der 22. Strafkammer unter Leitung des Vorsitzenden Richters Jörn Immerschmitt noch einmal das grausame Geschehen vom 6. September 2015 genau rekapituliert.

BGH hat erstes Urteil aufgehoben

Der heute 32-Jährige Angeklagte hatte die Managerin der TuS-Damenhandballmannschaft, die sich mit ihrem Lebensgefährten an einem Zebrastreifen geküsst hatte, angefahren und mit seinem Wagen über 400 Meter mitgeschleift. Erst hinter der Kreuzung der L 3011 endete die Todesfahrt. Für die 41-Jährige kam jede Hilfe zu spät.

Der BGH hatte im Frühjahr 2019 das Urteil des Landgerichts, das eine Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten vorsah, komplett zurückgewiesen. Deshalb wird das gesamte Verfahren jetzt noch einmal ganz von vorne beginnen. "Als würde man den Reset-Knopf drücken", sucht der Pressesprecher des Landgerichts, Christian Annen, einen Vergleich aus der Elektronik, dass hier vom Anfangszustand ausgegangen wird. Die neuen Richter und Schöffen müssten sich selbst ein Bild von dem Fall machen, denn sie dürfen nicht nach Aktenlage entscheiden. So werden beispielsweise alle Zeugen erneut gehört, wenn nötig noch weitere geladen. Auch die Beweisaufnahme wird wieder neu beginnen.

Dass schon von vornherein zehn Termine festgelegt wurden, lasse auf den größeren Umfang des Verfahrens schließen, so der Pressesprecher. Dies sei aber auch der aktuellen Situation geschuldet, da in der Pandemie damit gerechnet werden muss, dass Termine wegen möglicher Quarantäne- oder auch Infektionsfälle ausfallen könnten. Corona hat auch Einfluss auf die Organisation des Prozesses. Bereits bei dem ersten Verfahren war das Interesse der Öffentlichkeit sehr groß gewesen. Auch bei der Verhandlung vor dem BGH in Karlsruhe waren einige Freunde von Silke Thielsch dabei gewesen. Doch nun sind die räumlichen Kapazitäten wegen der Abstandsregeln begrenzt. Zwar hat das Landgericht mit dem Saal I im Erdgeschoss von Gebäude E einen der größten Verhandlungsräume gewählt, doch auch hier darf derzeit nur jeder dritte Platz besetzt werden. Maximal 20 Personen werden deshalb im Besucherbereich zugelassen. Anmeldung oder Reservierung ist vorab nicht möglich.

Kein Impf- und Testnachweis

Im Landgericht gilt Maskenpflicht, in der kommenden Woche werden voraussichtlich die Regeln noch einmal verschärft, dann ist die FFP2-Maske Pflicht. Allerdings wird im Landgericht weder von den Besuchern noch den Prozessbeteiligten ein Impf- oder ein Testnachweis verlangt. Dies würde eine Einschränkung der Teilhabe an den Verhandlungen bedeuten, zu denen grundsätzlich die Öffentlichkeit zugelassen ist, erklärt der Pressesprecher. In der Abwägung habe für den Präsidenten des Landgerichts, dem das Hausrecht obliegt, sicherlich eine Rolle gespielt, dass Angeklagte sich bei Verweigerung von Impf- oder Testnachweis der Verhandlung entziehen könnten. Um das Risiko einer Infektion zu minimieren, werden zusätzlich zur Lüftung Luftfilter aufgestellt.

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